Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Die Debüts von Beatrice Rana und Klaus Mäkelä

Klaus Mäkelä bei einer Probe. Foto: Astrid Ackermann

Die Pianistin Beatrice Rana und der Dirigent Klaus Mäkelä mit Werken von Prokofjew, Kodaly und Sibelius im Herkulessaal

 

Ein Konzert, zwei Debüts, beide aufregend. Mit welchem also beginnen? Geben wir der Dame den Vorrang, nicht aus Galanterie, sondern weil sie es verdient hat. Denn wann hat das letzte Mal jemand einem Klavierkonzert von Sergej Prokofjew soviel Geist und Leben eingehaucht wie Beatrice Rana? Nicht einmal Yuja Wang konnte sich im Solopart des Konzerts Nr. 3 so energisch Freiräume verschaffen wie die italienische Pianistin. Die Herausforderung ist hier, sich nicht in die beständige Schwerstarbeit einspannen zu lassen, die der Komponist dem Solisten auferlegt.

Ab ihrem selten pointierten Soloeinsatz ist Beatrice Rana sogar dem hellwachen Symphonieorchester jenen entscheidenden Bruchteil einer Sekunde voraus, der eben dieses Eingespanntsein vermeidet. Sie spielt nicht laut, sondern wunderbar federnd, holt Schlussphrasen mit gespicktem Anschlag hervor, selbst wenn das nicht eigens vorgeschrieben ist, bricht allzu gleichmäßige motorische Passagen mit rhythmisch gesetzten Akzenten auf. Ranas Ton ist dabei von ausgesprochener Schönheit, glitzert mal silbrig, mal irisierend. Nicht erst im Finalsatz erscheinen im Herkulessaal vor den Augen der spürbar elektrisierten Hörer grotesk zappelnde Ballettfiguren, zum Greifen nah. Beatrice Rana lässt diese in engster Abstimmung mit dem Orchester tanzen. Fabelhaft.

Ein direkter Zugriff auf das Orchester

Spätestens an dieser Stelle müssen wir zum zweiten Debütanten kommen, dem finnischen Dirigenten Klaus Mäkelä. In keinem Moment merkt man, dass er kurzfristig für den erkrankten Mikko Franck eingesprungen ist. Im Gegenteil, er versucht Beatrice Rana noch an Geistesgegenwart zu übertreffen und holt dabei alles aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks heraus, was bei diesem Werk überhaupt möglich ist: von singenden Streichern über erfindungsreiche Holzbläsersoli bis hin zu heftig in den Boden gerammten Bässen.

Für seine 24 Jahre ist Klaus Mäkelä, ein Schüler des berühmten Jorma Panula, bereits außerordentlich souverän. Seine Bewegungen sind abgezirkelt, nicht zu groß und nicht zu klein, in ihrer Klarheit elegant und ruhig. Offenkundig ist er schon so geübt in der Selbstbeherrschung, dass er sich nicht mehr davon berauschen lässt, am Pult eines großen Orchesters zu stehen. Zwar kann er noch nicht die untergründig brodelnden Kräfte, die in der Symphonie Nr. 5 von Jean Sibelius am Werk sind, voll ausschöpfen und zu orgiastischen Höhepunkten führen. Dazu braucht es wohl auch eine gewisse Lebenserfahrung.

Doch die intrikate Form der „Tänze aus Galanta“ von Zoltán Kodály, die sich stufenweise vom langsamen Locken des Anfangs zum Furioso steigert, vollzieht er so organisch wie agogisch fein nach. Und Mäkelä hat, was nicht selbstverständlich ist, einen direkten Zugriff auf das Orchester, mit dem er eine vollmundige, atmende Totale mit scharf gezeichneten Linien erreicht. Man kann es kaum erwarten, beiden Debütanten wieder zu begegnen.
   
Klaus Mäkelä wird am 25. und 26. Juni die Münchner Philharmoniker dirigieren, Karten unter Telefon 54 81 81 400 und unter www.mphil.de
 

 

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