Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Die besten Aufnahmen von Mariss Jansons

Der Dirigent Mariss Jansons. Foto: BR/Peter Meisel

Mariss Jansons auf CD: Ein Rückblick auf seine besten Aufnahmen mit verschiedenen Orchestern in sieben Empfehlungen

 

Am kommenden Dienstag hätte der am 1. Dezember 2019 verstorbene Mariss Jansons seinen 77. Geburtstag gefeiert. Einen Tag später, am Mittwoch, erinnert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit einer Aufführung von Gustav Mahlers Symphonie Nr. 2 unter Zubin Mehta an seinen langjährigen Chefdirigenten. Ein Anlass für einen Rückblick auf die besten Aufnahmen dieses Dirigenten.

Berlioz
Im Herbst 2003 wurde Mariss Jansons Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Er begann sofort, dessen Spielkultur und somit auch den Klang zu verändern, der weiter, freier wurde, als er es unter der rigiden Stabführung seines Vorgängers Lorin Maazel gewesen war. Dass diese Befreiung des Klangs nicht auf Kosten der Präzision ging, zeigt ein exzellenter Mitschnitt der „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz: entstanden in den Wochen des Amtsantritts in München in der von Jansons später so ungeliebten Philharmonie (BR Klassik). '

Schostakowitsch I
Heute ist Dmitri Schostakowitsch allgegenwärtig. Das war nicht immer so. Ein regelrechter Schostakowitsch-Boom setzte erst in den letzten zwei, drei Jahrzehnten ein. Der junge Mariss Jansons war einer der wichtigsten seiner Pioniere. Ende der 1980er Jahre entstand eine Aufnahme der Symphonie Nr. 7 C-Dur, der „Leningrader“, passenderweise mit den Leningrader Philharmonikern, bei denen schon Jansons Vater Dirigent gewesen war. Jansons hat dieses Werk insgesamt dreimal eingespielt, doch diese Studioversion, die auch in seiner Gesamtaufnahme aller Symphonien von Schostakowitsch enthalten ist, ist die unmittelbarste und dramatischste (Warner).

Neujahrskonzert
Von Musikern, die unter ihm gespielt haben, wurde Mariss Jansons schon einmal eine Art dirigentischen Kontrollzwangs bescheinigt. So war kaum zu erwarten, dass er bei seinem Debüt als Dirigent des Wiener Neujahrskonzerts 2006 die Wiener Philharmoniker einfach laufen lassen würde. Jansons ernsthafter, jedes Klischee verweigernder Zugriff auf die all die Polkas, Galopps und Walzer tat dem oftmals schwer augenzwinkernd gespielten Repertoire gut: Der Walzerschritt hat hier mehr stampfende Energie als oberflächliche Leichtigkeit (Deutsche Grammophon).

Mahler
Ein Schwerpunkt stellte für Mariss Jansons die große österreichisch-deutsche Symphonik dar. So grandios seine Bruckner-Interpretationen waren, als Dirigent der Symphonik Gustav Mahlers war er geradezu Gold wert: weil er sich nie von den ideologischen Debatten beeinflussen ließ, die diesen Komponisten partout als „uneigentlich“ und „zerrissen“ abstempeln wollen. Mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks realisierte er etwa 2007 eine Version der Symphonie Nr. 7, die ohne grelle Verfremdungen auskommt und stattdessen durch ihre rein aus der Musik selbst entstehende Formlogik fesselt. Da kann man sogar das berüchtigte Jubel-Finale genießen (BR Klassik).

Richard Strauss
Über zehn Jahre stand Mariss Jansons gleich zwei Orchestern vor, die immer wieder zu den zehn weltbesten gezählt werden: neben dem BR-Symphonieorchester auch dem Royal Concertgebouw Orchestra. Ähnlich, wie er Gustav Mahler ohne Psychologisieren dirigierte, reduzierte er die Partituren von Richard Strauss nicht auf ihre programmatischen Elemente. Ganz ohne Berg- und Wiesen-Kitsch wird die „Alpensinfonie“ mit den rund und voll klingenden Amsterdamern zu einem orchestralen Happening. Das eigentliche Naturereignis ist das telepathische Zusammenspiel der Musiker, wie organisch sie unter Jansons Entwicklungen vollziehen und dabei Höhepunkte setzen – das ist eine echte Symphonie und somit unendlich mehr als ein „Film zum Hören“ oder wie ähnliche Leerformeln lauten (RCO live).

Schostakowitsch II
Der derzeitige Schostakowitsch-Boom, an dem Mariss Jansons seinen Anteil hat, bringt in mittelmäßigen Interpretationen auch Schwächen in einzelnen Werken des russischen Symphonikers hervor. So gibt es etwa in der Symphonie Nr. 10 nicht nur das in seiner Schonungslosigkeit spektakuläre Scherzo, das meist als ein Porträt des Diktators Josef Stalin gesehen wird, sondern auch manche Durststrecke zu bewältigen. Langatmige Passagen mit Ausdruck zu erfüllen gelang Mariss Jansons 2010 in einem Konzert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auf unnachahmlich subtile Weise – eine Sternstunde der Schostakowitsch-Interpretation (BR Klassik).

Zugaben aus aller Welt
Zu Mariss Jansons Lebensleistung gehört wesentlich, dass er nicht zuletzt ein Orchesterlehrer war, möglicherweise der bedeutendste seiner Zeit. Über zwanzig Jahre lang war er Chefdirigent in Oslo und lernte bei den dortigen Philharmonikern die geheimsten Gesetze jenes einzigartigen Organismus´ kennen, der das Orchester seinem Wesen nach ist. Kurz, bevor er Ende der 1990er Jahre endgültig zur Weltkarriere ansetzte, nahm Jansons mit den Osloern für die damals noch existierende EMI ein charmantes Album mit zwanzig orchestralen Zugaben auf. „World Encores“ zeigt in kleinen, bunten Häppchen, auf welche Höhen er dieses Ensemble in geduldiger Arbeit geführt hatte (EMI).

 

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