Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Das erste Konzert nach dem Tod von Mariss Jansons

Der Komponist Hans Abrahamsen, der Pianist Alexandre Tharaud und der Dirigent Franz Welser-Möst im Herkulessaal. Foto: Astrid Ackermann

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielt sein erstes Konzert nach dem Tod von Mariss Jansons

 

"Schweren Herzens stehen wir vor Ihnen“, sagte Hörfunkdirektor Martin Wagner sichtlich bewegt vor dem ersten Konzert des BR-Symphonieorchesters nach dem Tod seines Chefdirigenten in der Nacht von Samstag auf Sonntag. „Wir haben einen großen Menschen und Künstler verloren, mit dem wir einzigartige Momente erlebt haben.“ Der Hornist Norbert Dausacker, einer der drei Orchestervorstände, betonte Jansons’ menschliche Warmherzigkeit jenseits seines Strebens nach musikalischer Perfektion.

Das Orchester hatte das Programm des Konzerts verändert. Mit leerem Dirigentenpult spielten die Musiker den zweiten Satz von Schuberts „Unvollendeter“ – im Geist von Jansons, dessen Satz „Chefdirigenten kommen und gehen, das Orchester bleibt“, sich eingeprägt hat. Später folgte ein klagender Satz aus Alfred Schnittkes „Konzert für Chor“ mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und die Tondichtung „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss, über deren Eignung für diesen Anlass man durchaus, wenn einem danach wäre, streiten könnte.

Im Zentrum des von Franz Welser-Möst dirigierten Konzerts stand Musik von Hans Abrahmsen. Dem 66-jährigen Dänen wurde am Donnerstag die für einen Zeitgenossen seltene Ehre zuteil, an einem Abend an zwei Orten in München gleichzeitig gespielt zu werden. Während des Konzerts des BR-Symphonieorchesters im Herkulessaal beschäftigten sich am Donnerstag auch Musiker der Bayerischen Staatsoper mit den Werken des Dänen im Verkehrszentrum des Deutschen Museums – als Einstimmung auf die Premiere seiner „Snow Queen“ am 21. Dezember im Nationaltheater.

Die Ohren frisch halten

Im Herkulessaal gab es zuerst die beiden von Abrahamsen instrumentierten Sätze der frühen Sonatine von Hans Werner Henze für Klavier: eine handwerklich perfekte Anverwandlung, die keine Sekunde nach Bearbeitung klingt. Sie wirkte auch insofern schlüssig, als der Däne in einer Lust an Allgemeinverständlichkeit, der Freude an einer glitzernden Oberflächen und der fehlenden Angst vor der spätromantischen Tradition durchaus an den Deutschen anknüpft.

Sein Konzert „Left, Alone“ für Klavier linke Hand versucht nicht erst Vollgriffigkeit vorzutäuschen. Es ist, wie schon der Titel sagt, ein heftiges Aufbegehren des Solos gegenüber dem Orchester. Alexander Tharaud hämmerte kräftig und durfte zuletzt sogar zupfend ins Klavier greifen.

Auch dieser unverändert gebliebene Teil des Konzerts erinnerte im besten Sinn an Mariss Jansons. Der Verstorbene hat zwar nur einmal ein Konzert der musica viva geleitet. Aber in seiner Ära nahm der Anteil neuerer und neuester Musik in den Abo-Konzerten des BR-Symphonieorchesters ganz zwanglos und unauffällig zu: die beste Voraussetzung dafür, um die Ohren für die Klassiker frisch zu halten.

Das BR-Symphonieorchester plant für Mitte Januar ein weiteres Gedenkkonzert für Mariss Jansons. Der genaue Termin steht noch nicht fest


 
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