Svetislav Pesic wird Basketball-Bundestrainer Motivator und Vaterfigur

Eine Siegezigarre auf die Meisterschaft: 1998 holten Svetislav (l.) und Marko Pesic gemeinsam mit Alba Berlin den Titel. Foto: Imago

Svetislav Pesic, EM-Coach von 1993, ist wieder Trainer der Basketball-Nationalmannschaft. Hier erzählen Sohn Marko und Schwiegersohn Jan Jagla, warum er in seinem Sport vielerorts verehrt wird.

 

Berlin - Die Momente, in denen Svetislav Pesic sich nicht mit Basketball beschäftigt, sind rar. „Das ist nur anders, wenn er mit meinem Sohn Luka spielt. Als Opa erkennt man ihn nicht wieder”, sagt sein Sohn Marko, Sportdirektor bei den Basketballern des FC Bayern. Es bleibt allerdings oft sportlich zwischen den beiden: „Da geht’s dann um Fußball, Luka ist derzeit ziemlich fußballfixiert”, sagt Lukas Onkel, Jan Jagla. Der Bayern-Profi ist mit Pesics Tochter Ivana verheiratet. Eine Basketball-Familie.

„Mein Vater denkt 24 Stunden am Tag an Basketball. Er lebt und analysiert den Sport”, sagt Marko Pesic. Und seit Dienstag hat Svetislav Pesic (62) nun wieder einen Grund mehr, sich hochoffiziell mit seinem Lieblingsthema zu beschäftigen: Der Deutsche Basketball-Bund hat ihn offiziell als neuen Bundestrainer und Nachfolger von Bayern-Trainer Dirk Bauermann vorgestellt. „Wir freuen uns alle riesig darüber”, sagt Jagla, selbst aktueller Nationalspieler.

Er wird in Zukunft noch mehr Zeit mit seinem Schwiegervater verbringen. Und noch mehr mit ihm über seine Sportart sprechen. „Im Urlaub kann er manchmal loslassen”, sagt Jagla. „Aber viele dieser Momente gibt es nicht.”

Wobei in diesem Jahr kaum Zeit für Urlaub bleiben dürfte. Im Sommer übernimmt Pesic die Nationalmannschaft, er hat sich die WM-Teilnahme 2014 zum Ziel gesetzt. Bedingung dafür ist die Qualifikation für die EM 2013 – in eben diesem Sommer. Pesic war schon einmal Bundestrainer, von 1987 bis 1993. Im letzten Jahr seiner Amtszeit gelang ihm der bisher größte Triumph der deutschen Nationalmannschaft: Er gewann in München den Europameistertitel. Deutsche und spanische Meisterschaften mit Alba Berlin und dem FC Barcelona, Welt- und Europameistertitel mit Jugoslawien folgten. „Wo immer er war, hat er große Erfolge gefeiert”, sagt Jagla. „Er wird von sehr vielen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, verehrt.”

Und das liegt im Grunde weniger an seinen gewonnenen Titeln, sondern an seinem Wesen. „Mein Vater ist durch die Balkan-Schule des Basketballs geprägt”, sagt Marko Pesic. „Er identifiziert sich nicht nur durch Siege und Niederlagen, sondern auch sehr damit, ob er Spieler besser gemacht hat.” Oder wie Jagla es ausdrückt: „Er ist ein großer Motivator und eine Vaterfigur. Bei ihm hat man immer das Gefühl, dass er seine Spieler schätzt.”

Von diesen verlangt er dafür Hingabe. Diese Mentalität hat Marko Pesic auch kennengelernt, als Spieler bei Alba Berlin, wie als Svetislavs Sohn. „Ich habe von ihm gelernt, dass das größte Talent ist, hart arbeiten zu können. Und dass man den Erfolg von nichts anderem als harter Arbeit abhängig machen darf”, sagt Pesic. „Das hat mich beim Abitur, bei meinem Studium und natürlich während meiner aktiven Karriere als Basketballer sehr geprägt."

 

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