Supermarkteröffnung Speed-Shopping: Wie viel geht in drei Minuten?

Speed Shoppiung in Ottobrunn: Elisabeth Widynski in Aktion. Foto: Petra Schramek

Die Zeit läuft: Drei Minuten lang so viel einpacken, wie in den Lidl-Einkaufswagen passt – die Ergebnisse sind beachtlich

 

Ottobrunn - Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht!” Hausfrau Elisabeth Widynski ist auf Speed – auf Speed-Geschwindigkeit. Im Höchsttempo rast die 59-Jährige durch den Lidl in Ottobrunn und stapelt in ihren Einkaufswagen, was sie in die Hände bekommt: Pralinen, Waschmittel, Wein, abgepackte Rouladen, kistenweise Instant-Cappuccino. „Nur eine Kiste von jedem”, maßregelt die Vertriebsleiterin der Lidl-Filiale, Barbara Geng. Elisabeth Widynski ist eine von fünf Glücklichen, die bei der Filial-Neueröffnung das „Drei-Minuten-Shoppen” gewonnen haben. Sie alle dürfen für drei Minuten so viel einladen wie sie wollen – das Zahlen am Ende entfällt.

Ein paar Regeln gibt's aber doch: Es darf immer nur ein Karton pro Artikel eingeladen werden und was am Ende der drei Minuten vom Wagen fällt, müssen die Kandidaten wieder abgeben. Helfer können sie zwar mitbringen – die dann zum Beispiel andere Kunden aus dem Weg brüllen – aber den Einkaufswagen beladen müssen sie ganz allein.

„Nicht anfassen”, kreischt Elisabeth Widynski durch den Laden, als ihre Tochter gerade den Frischkäse aufheben wollte, der ihr aus dem Wagen gepurzelt ist. Emsig kämpft sich die Hausfrau durch die Supermarktgänge und packt ein, was immer ihr von ihrer Tochter zugerufen wird. „Und Stopp!”, ruft die Vertriebsleiterin, die mit der Stoppuhr in der Hand nebenher mitgerannt ist.

An der Kasse bekommt die schwitzende und keuchende Kandidatin dann eine Flasche Wasser: „Geht auch noch aufs Haus”, sagt der Kassierer und zwinkert. Die vielen Ritter-Sport-Tafeln wollen auf dem Band gar nicht mehr aufhören – Marzipan, Kokos, Joghurt, Pfefferminz, Voll-Nuss und Weiße Schoko. „Die verschenk ich in Polen an die vielen Nachbarskinder, die freuen sich”, sagt die gebürtige Polin.

Derweil macht sich Petra Geisberger bereit. „Haushaltsartikel fürs neue Haus” will die Kauffrau mitnehmen. Startschuss – sie rennt los, ihren Freund im Schlepptau. Beide sprinten zu den Aktionsartikeln. „Oohh, ist das schwer”, stöhnt die 25-Jährige beim Einladen eines Bügelbretts, das nur mit Mühe und hochkant in den Einkaufswagen passt. „Nimm noch s’Gasheizgebläse”, japst ihr Freund hektisch.

Dann geht’s zum Deo und Mozzarella – alles wird eingeheimst. „Tschuldigung”, nuschelt Petra Geisberger kichernd, als sie mit ihrem übervollen Wagen eine Kundin rempelt. Dann flitzt sie ohne Einkaufswagen weiter. „Noch zehn Sekunden”, ruft ihr die Vertriebsleiterin stirnrunzelnd hinterher.

Als Petra Geisberg mit einem Karton Chips zurückkommt, ist die Zeit abgelaufen. Aber die Vertriebsleiterin lässt Gnade vor Recht ergehen: „Na gut, wenn’s noch in den Wagen passt und nicht runterfällt, dürfen Sie’s behalten!” Das wird eng bei den großen und unförmigen Schachteln, die weit über den Wagen hinausragen. „Hände weg”, erinnert die Vertriebsleiterin mit freundlichem, aber zugleich ernstem Ton. Wackelnd bleibt der Karton mit den acht Chips-Tüten gerade so auf der Schachtelkante eines schwenkbaren 360-Grad-Küchenwasserhahns stehen. Am Ende hat Petra Geisberg Waren im Wert von 524,45 Euro ergattert. „Drei Minuten können so schnell vergehen”, haucht sie erschöpft.

Etwas gelassener geht’s Ludwig Eigmann an. Ganz ohne Eile schiebt der 67-jährige Rentner los. Er hat sich mit seinem Sohn Günther und Enkel Felix gleich mehrere Generationen zur Unterstützung mitgebracht. Der Sohn deutet als erstes auf die großen Waschmittelboxen im Eingangsbereich: „Für d’Mama”, ruft er seinem Vater zu. Gemütlich schlendert der weiter und bleibt bei den Schnaps-Pralinen stehen, überlegt kurz und nimmt eine Schachtel aus dem Regal. „NehmenS’ doch gleich den ganzen Karton”, interveniert die Vertriebsleiterin jovial und auch ein wenig mitleidig.

Als Ludwig Eigmann sich in der Tiefkühltruhe Fisch aussucht, ist sein Sohn schon bei den Aktionssachen. Die Dampfbügelstation anpeilend ruft er durch die Gänge: „Des hier will d’Mama aa no” – von der er übers Handy beraten wird. Noch 20 Sekunden.

„Hier steht der Champagner”, empfiehlt Barbara Geng ihrem umherirrenden Kandidaten. Bei dem stehen letztendlich zwar nur 270, 41 Euro auf dem Thermopapier, trotzdem ist er zufrieden: „Ich wusste nicht so recht wo ich hinlaufen soll, jeder schreit was anderes. Aber ich bin total glücklich.”

 

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