Sturm der Liebe Drehen mit Mundschutz

Der Regisseur Carsten Meyer-Grobrügge am Set von "Sturm der Liebe" in den Bavaria Studios Foto: ARD/Christof Arnold

Die ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ dreht wieder, als erste Produktion in Bayern – aber jetzt bestimmt Corona die Nähe der Protagonisten zueinander

 

Seit dem 20. April greifen die ersten Lockerungen in der Corona-Krise. Ein Stichtag auch für die Film- und Fernsehindustrie. Denn mit der auf dem Bavaria Filmstudio gedrehten ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ gibt es auch in Bayern grünes Licht für Dreharbeiten unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Über die Herausforderungen, eine Beziehungsgeschichte auf Abstand zu drehen sprach die AZ am Telefon mit Regisseur Carsten Meyer-Grohbrügge.

AZ: Herr Meyer-Grohbrügge, viele Filmproduktionen stehen vor einer ungewissen Zukunft. Warum durfte mit dem Dreh von „Sturm der Liebe“ am 20. April als erste TV-Produktion in Bayern begonnen werden?
CARSTEN MEYER-GROHBRÜGGE: Ausschlaggebend war dabei sicherlich das aufwendige Sicherheitskonzept, das die Bavaria Fiction für den Dreh von „Sturm der Liebe“ entwickelt hat. Auch hatte die Bayerische Staatskanzlei die Möglichkeit bestätigt, auf einem Privatgelände unter Einhaltung von Sicherheits–vorkehrungen zu drehen.

Was hat es konkret mit diesem Konzept auf sich?
Die Bavaria Fiction hatte uns vor dem Dreh ein Sicherheitsdossier an die Hand gegeben. Darin waren allgemeine Vorkehrungen vermerkt, aber auch konkrete Bestimmungen für jedes Gewerk wie die Kamera oder auch das Catering aufgelistet. Eine Stunde vor Drehbeginn am Montag wurde das komplette Team für eine Sicherheitsunterweisung versammelt, mit dabei waren unser Betriebsarzt, der Beauftragte für Arbeitssicherheit und zwei Medical Consultants, die eigens wegen Corona für die Dreharbeiten hinzugezogen wurden. Der Arzt hat dann die Regeln noch einmal für alle verständlich dargestellt. Das hat dann den Druck rausgenommen, die Arbeit vereinfacht.

Was waren das für Regeln?
Allen voran stehen die Maskenpflicht im gesamten Studio und die Abstandsregel von 1,5 Metern. Das gilt egal ob vor oder hinter der Kamera. So stellt sich die Arbeit viel einfacher dar, weil das ganze Team auch während des Drehs die Masken aufbehält. Das Problem ist dabei nur, dass die Schauspieler vor der Kamera natürlich keine Masken tragen, aber auch die Maskenbildner nicht mit diesen Abständen arbeiten können.

Wie umgehen Sie dieses Problem?
Die Schauspieler müssen sich vor dem Dreh selber schminken, unter Anleitung der Maskenbildnerin.

Werden diese Abstände denn auch überprüft?
Als Regisseur muss ich natürlich auf die Abstände achten, wenn ich die Schauspieler, die noch in der Probe eine Maske tragen, dann beim Dreh ohne Maske inszeniere. Zusätzlich sind stets Medical Consultants vor Ort, die darauf achten, dass die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden. Ähnlich viel Sicherheit herrscht zum Beispiel auch beim Catering, dort ist das Besteck eingeschweißt und bei der Ausgabe muss der Abstand ebenfalls eingehalten werden, wie an der Kasse beim Einkaufen.

Es soll ja schon vorgekommen sein, dass gedreht wurde und ein Crewmitglied bereits unwissentlich mit Corona infiziert war. Sind bei Ihnen deshalb Corona-Schnelltests vorgeschrieben?
Alle Schauspieler wurden vor Drehbeginn auf das Virus getestet, weil das ja genau die Personen sind, die zeitweise vor der Kamera und beim Schminken auch keine Masken tragen. Dazu wird bei jedem vor Drehbeginn Fieber gemessen und die Tests werden gegebenenfalls wiederholt.

Wie kann bei solchen Ablenkungen überhaupt der Fokus auf die eigentliche Arbeit aufrechterhalten werden?
Am Anfang war ich schon nervös, wie die Arbeit mit den Schauspielern unter den Bedingungen überhaupt funktionieren soll. Doch mir hat es auch Spaß gemacht, aus der Routine herauszukommen und sich auf eine völlig neue Situation einzustellen. Die Schauspielprobe mit Maske ist recht kompliziert, weil ich mit den Darstellern eine Choreografie entwickeln muss, die später vor der Kamera auch mit 1,5 Meter Abstand funktioniert.

Das macht Annäherungsszenen obsolet.
Ja, deshalb wurden im Vorhinein die Drehbücher noch einmal völlig umgeschrieben, Kussszenen oder auch Rempeleien herausgestrichen. Und so gut das auch vorbereitet ist, so schwierig ist es dann doch, die Szenen in der Praxis so zu inszenieren, dass der Zuschauer nicht merkt, dass die Figuren eigentlich auf Abstand sind.

Wie macht man so etwas?
Ich überlege zu Beginn erst einmal, ob ich den Darstellern ein Spiel ermöglichen kann, das sie extra auf Abstand zeigt. Zum Beispiel, wenn beim Joggen der eine etwas aus der Puste ist und dem anderen dadurch hinterherhängt. Die Szene findet der Zuschauer vielleicht dynamisch, dabei ist sie eigentlich auf Grund des Abstandsgebots entstanden. Die Herausforderung ist allerdings, dass „Sturm der Liebe“ gerade von Nähe, von Situationen der Zweisamkeit lebt. Das muss ich im Schnitt oder mit optischen Tricks wie Teleobjektiven erarbeiten.

Man hätte diese Probleme umschiffen können, wenn der Corona-Virus auch zum Thema der Telenovela wird.
Ja, aber „Sturm der Liebe“ ist ein eskapistisches Programm, da wollen wir bewusst nicht solche Themen setzen. Andere Produzenten gehen in eine ähnliche Richtung, suchen jetzt auch ganz bewusst leichte Komödienstoffe.

Sind Dreharbeiten nur im Studio erlaubt?
Nein, wir können generell auch auf Privatgrundstücken drehen, wie im Außengelände der Bavaria oder auf einem Reitergestüt in der Nähe von München.

Wie war die Stimmung unter den am meisten Betroffenen, den Schauspielern?
Ganz unterschiedlich, wie in der Bevölkerung auch. Da gibt es Verschwörungstheoretiker, die mich mit ihren Ansichten wirklich verblüfft haben. Andere sind wegen des Virus schon in Sorge, aber verhalten sich beim Dreh absolut professionell. Und dann gibt es noch einen Schauspieler, den ich noch nie so entspannt wie jetzt erlebt habe.

Und was wäre passiert, wenn sich ein Schauspieler geweigert hätte, unter diesen Bedingungen zu arbeiten?
Diesen Druck hat die Bavaria Fiction gleich vor dem Drehstart herausgenommen, indem die Verantwortlichen noch am Montag verkündet haben, dass bei Ängsten und Bedenken in einem persönlichen Gespräch auch eine Lösung gefunden wird. Das hat Vertrauen bei den Schauspielern generiert.

Stichwort Geld. Auch in der Filmbranche stehen viele vor einer unsicheren Zukunft. Wie wurde der Abbruch der Dreharbeiten bei „Sturm der Liebe“ finanziell geregelt?
Erst einmal war ich geschockt, als es hieß, der Dreh ist erst einmal eingestellt und keiner weiß, wann es weitergeht. Die Sorge war dann aber unberechtigt, denn die Bavaria Fiction hat sich an die Verträge gehalten. Das heißt, dass ich am 19. März erst einmal in die vorgezogene Produktionspause geschickt wurde und ab dem 1. April war ich dann in Kurzarbeit gewechselt, bis ich am Osterdienstag wieder anfangen konnte.

Ab 2. Juni wird die 9. Staffel wiederholt. Ab wann geht es dann mit frischen Folgen weiter?
Ab Pfingsten muss für einige Wochen mit Wiederholungen mit dem Paar Leonard und Pauline gearbeitet werden. Danach werden hoffentlich die jetzt gedrehten Folgen ausgestrahlt.  

 

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