Stundenpläne Gymnasiasten sollen selbst die Wahl haben

Michael Piazolo (Freie Wähler), bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus. Foto: Peter Kneffel/dpa

Künftig sollen Schüler an Gymnasien ihren Stundenplan recht individuell gestalten können, erklärt Kultusminister Michael Piazolo. Es gibt aber Probleme.

 

München - Vielfältig, aber auch kompliziert werden sich nach den Vorstellungen der Arbeitsgruppe Oberstufe beim bayerischen Kultusministerium die Klassen 12 und 13 an den Gymnasien des Freistaats gestalten. Die Schüler haben künftig die Möglichkeit, sich einen Lehrplan nach eigenen Interessen zu wählen – allerdings nur, soweit die Kapazitäten ihrer Schule das zulassen.

Mit dem Konzept werde eine breite Allgemeinbildung gesichert, gleichzeitig würden aber auch mehr individuelle Wahlmöglichkeiten eröffnet, hob Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstag in München hervor. Die ab dem Schuljahr 2024 verwirklichte neue Oberstufe sieht für die beiden letzten Gymnasiumsklassen verpflichtend jeweils vier Wochenstunden in den Kernfächern Deutsch und Mathematik sowie jeweils drei Wochenstunden in einem naturwissenschaftlichen Fach und einer Fremdsprache vor.

Verpflichtend ist auch die Wahl zwischen einer weiteren Fremdsprache, einem weiteren naturwissenschaftlichen Fach oder Informatik. Dieses Wahlpflichtfach wird auch jeweils drei Stunden in der Woche unterrichtet.

Vertiefungskurs und Leistungsfach 

Die Fächer Geschichte, Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Recht oder Geografie, Religionslehre oder Ethik, Musik oder Kunst werden jeweils zwei Wochenstunden belegt. In der 13. Klasse werden Politik und Gesellschaft sowie Wirtschaft und Recht/Geografie zusammengezogen. In den Kernfächern Deutsch und Mathematik können besonders interessierte Schüler in der Jahrgangsstufe 12 einen zwei Wochenstunden umfassenden "Vertiefungskurs" zusätzlich buchen, der als Wahlpflichtfach gewertet wird.

Außerdem kann jedes weitere Fach durch zwei zusätzliche Wochenstunden zu einem dann wöchentlich vier Stunden umfassenden "Leistungsfach" erweitert werden. Darüber hinaus kann ein "wissenschaftspropädeutisches Seminarfach" ("W-Seminar") gewählt werden. Die neue Oberstufe werde zu höherer Studierfähigkeit und zur Erhöhung der allgemeinen Hochschulreife führen, sagte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl. Allerdings müsse man noch eine Lösung für die Ausgestaltung der Abiturprüfung entwickeln. Alle dann denkbaren Leistungs-, Vertiefungs- und Differenzierungsmöglichkeiten könnten von einer Schule wohl nicht angeboten werden, sagte der Vorsitzende der Bayerischen Direktorenvereinigung Walter Baier. Es sei nicht ausgeschlossen, dass einzelne Kurse bei zu geringer Beteiligung entfallen müssten. Schulübergreifende Zusammenarbeit sei aber denkbar.

Die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern betonte die Stärkung der politischen Bildung in der Oberstufe. Das Fach "Politik und Gesellschaft" werde in den Jahrgangsstufen 12 und 13 fortgesetzt. Kein anderes Bundesland sehe so viele Pflichtstunden für politische Bildung vor, so Piazolo. Die Zahl der Wochenstunden ist im Vergleich zum G 8 um zwei gesunken. Beim G8 haben die Schüler 33 Wochenstunden Pflichtunterricht. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hatte sich für durchschnittlich 27 Wochenstunden Pflichtunterricht in der gymnasialen Oberstufe eingesetzt. Außerdem sprach sich der BLLV für ein "Zurück zum Vier-Fächer-Abitur" aus. Die derzeitigen Anforderungen überstiegen die der Kultusministerkonferenz.

 

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