Stürmische Ruhe Der Druck wächst: Schweigender Steuersünder Ronaldo?

Cristiano Ronaldo war bisher ein großer Freund davon, sich selbst zu feiern - neuerdings ist der Real-Madrid-Superstar überraschend ruhig geworden. Foto: Augenklick

Cristiano Ronaldo gerät in seiner Steueraffäre weiter unter Druck. Der "Spiegel" belastet ihn mit neuen pikanten Informationen dazu.

 

Die Auszeichnung zum "Man of the Match" hielt Cristiano Ronaldo wie ein lästiges Wichtelgeschenk in den Händen, er lächelte kurz für die Kameras, beantwortete ein paar Alibi-Fragen – und weg war er. Kein Wort zu den neuesten Enthüllungen in seiner Steueraffäre, kein Wort zu seiner offenen Zukunft bei Real Madrid. Ronaldo schweigt, und das scheint angesichts der immer heikleren Vorwürfe abseits des Rasens auch ratsam.

Auf dem Platz aber, da spielt der portugiesische Superstar, als würde es die Probleme mit dem Finanzamt nicht geben. Beim 1:0-Sieg des Europameisters beim Confed Cup in Moskau gegen Gastgeber Russland köpfte Ronaldo nicht nur den Siegtreffer (8.), er war auch stets anspielbar und torgefährlich. Vor dem Anpfiff punktete der Ausnahmekönner bei den Fans, als er mit einem Mädchen im Rollstuhl ins Stadion einlief und der Zehnjährigen danach einen Kuss gab. "Cristiano Ronaldo war überragend. Er hat mir seine Jacke gegeben und mich zum Abschied geküsst", sagte die kleine Polina Haeredinowa aufgeregt.

Auch Ronaldo war "sehr glücklich", er und sein Team hätten es "gegen eine starke Mannschaft sehr gut gemacht", sagte der Offensivstar hinterher. Schon beim 2:2 zum Auftakt gegen Mexiko war der 32-Jährige zum besten Spieler des Spiels gewählt worden, danach ließ er die vorgeschriebene Pressekonferenz wegen einer angeblichen medizinischen Behandlung aus.

CR7 überraschend wortkarg

Mehr als ein paar nichtssagende Sätze zum Spiel ließ sich Ronaldo auch am Mittwochabend nicht entlocken. "Ich denke, er hat es gut gemacht, auf die anderen Fragen nicht zu antworten", sagte Portugals Nationaltrainer Fernando Santos an die wenig begeisterten Journalisten gerichtet: "Sie werden eine andere Gelegenheit bekommen, Cristiano nach seinem Privatleben zu befragen."

Wahrscheinlich wird sich Ronaldo erst am 31. Juli zu seiner Steueraffäre äußern, wenn er vor der ersten Kammer seines Wohnortes Pozuela de Alarcon, 15 Kilometer westlich von Madrid, erscheinen muss. Ronaldo bestreitet bislang die Anschuldigungen, die ihn aber immer stärker unter Druck setzen.

Wie der "Spiegel" berichtet, hat Ronaldo möglicherweise einen Vertrag zwischen ihm und der auf den British Virgin Islands registrierten Briefkastenfirma Tollin rückdatiert, bevor er den ermittelnden Behörden offengelegt wurde. Der "Spiegel" habe den Vertragsentwurf von der Enthüllungsplattform Football Leaks erhalten. Darin sollte laut eines Vermerks ein Bankkonto eingetragen werden, "das 2008 existierte". Zudem sollen Mailkorrespondenzen zwischen Beratern auf den Fakt der Rückdatierung hindeuten. Tollin soll Werbeeinnahmen Ronaldos im Steuerparadies im Atlantik geparkt haben.

Abgang von Real?

Die Sportzeitung "AS" schrieb gestern, Ronaldo werde in der nächsten Woche bei einem Gericht in Madrid 14,7 Millionen Euro hinterlegen. Dies entspricht der Summe, die er nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft am Fiskus vorbeigeschleust haben soll. Damit wolle der Torjäger von Real Madrid erreichen, dass das Gericht ihm mildernde Umstände zugesteht. "Das bedeutet nicht, dass Cristiano eine Schuld eingesteht, sondern es ist nur ein Zeichen dafür, dass er zur Zusammenarbeit bereit ist", wird ein Sprecher Ronaldos zitiert.

Aufgrund der Steueraffäre zieht der Star offenbar einen Abgang von Real in Betracht. Angeblich soll Paris St. Germain ein erstes konkretes Angebot hinterlegt haben. Doch auch zu seiner Vereinszukunft verliert Ronaldo in Russland kein Wort. Dabei geht es mehr um Selbstschutz als darum, den Fokus auf das Spiel am Samstag gegen Außenseiter Neuseeland zu legen. Mit einem Sieg wäre der Europameister für das Halbfinale qualifiziert.

Für Raphael Guerreiro ist das Turnier wohl vorzeitig beendet. Am Donnerstagvormittag überraschte der Profi von Borussia Dortmund mit einem Instagram-Eintrag, in dem er nicht nur den befürchteten Knöchelbruch bestätigte, sondern auch mitteilte, dass er sich die Verletzung schon vor drei Monaten zugezogen habe. Wenig später wurde der Eintrag gelöscht. Der BVB teilte später mit, dass Guerreiro lediglich eine Prellung erlitten habe, keinen Knöchelbruch, und nicht lange ausfallen werde.

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