Studie zum Lebensgefühl So geht es den Kindern in Deutschland

Sechs- bis Zwölfjährigen haben ein positives Lebensgefühl. Aber zerrüttete Familien, schlagende Eltern und Kinderfeindlichkeit werden als wachsendes Problem empfunden

 

MÜNCHEN „Schön ist es, auf der Welt zu sein“, haben einst Roy Black und Anita gesungen. „Schön ist es, auf der Welt zu sein“ ist ein Lied, in das heute auch noch viele Kinder einstimmen würden. 96 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen äußerten in einer Umfrage dieses positive Lebensgefühl. Bei der letzten Studie vom Münchner Forschungsinstitut „iconkids & youth“ zum Thema „Was Kinder denken, fühlen und wünschen“ vor fünf Jahren waren es immerhin fünf Prozent weniger, die so mit der Welt zufrieden waren.

Jedes neunte Kind sagt: „Meine Eltern sind die besten Eltern, die ich mir vorstellen kann.“ Und 93 Prozent meinen: „Mit meinen Freunden habe ich viel Spaß.“ Auch da hat die Zufriedenheit der Kinder in den letzten Jahren zugenommen. Doch nicht alles hat sich zum Positiveren verändert.

Die Kinderunfreundlichkeit in der Gesellschaft wird heute stärker wahrgenommen als noch vor fünf Jahren. 71 Prozent der Kinder finden, dass „es viele Erwachsene gibt, die keine Kinder mögen und sich von ihnen gestört fühlen“ (2006 nur 59 Prozent). Der Blick auf die Welt ist kritischer geworden: „Die Erwachsenen kümmern sich zu wenig um die Umwelt und die Tiere“, sagen heute 69 Prozent gegenüber 54 Prozent in 2006.

Und die Angst, irgendwann nicht mehr auf dieser Welt leben zu können, verspüren 62 Prozent (vorher 49 Prozent). Die Politikverdrossenheit steigt – auch bei den Kindern: Aktuell finden 68 Prozent (51 Prozent), dass „Politiker immer sagen, dass sie den Menschen helfen wollen, aber es nicht tun“. Während 2006 35 Prozent der Kinder manchmal traurig oder wütend waren, ohne zu wissen, warum, sind es derzeit schon 45 Prozent.

Ein gesellschaftliches Problem wird auch von vielen Kindern als solches registriert: der Zustand der Familien. Aktuell leben bei den befragten Kindern 22 Prozent der Eltern getrennt (2006: 14 Prozent), und 49 Prozent sind Einzelkinder (vorher 35 Prozent).

Und obwohl 91 Prozent der Kinder ihre Eltern als „die besten, die ich mir vorstellen kann“ beschreiben, wünschen sie sich, dass Papa und/oder Mama mehr Zeit mit ihnen verbringen (73 Prozent) und dass sie ihnen mehr zutrauen (67 Prozent).

Auf ein innerfamiliäres Problem ganz besonderer Art hat eine gestern ebenfalls erschienene Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „Eltern“ aufmerksam gemacht: Körperliche Strafen gehören weiterhin verbreitet zum Erziehungs-Repertoire.

Vierzig Prozent der Eltern geben danach zu, ihr Kind schon einmal mit einem „Klaps auf den Po“ zu bestrafen, jeder zehnte mit einer Ohrfeige. Vier Prozent der Eltern sagten sogar, dass sie ihren Kindern in den letzten zwölf Monaten ein- bis zweimal „den Hintern versohlt haben“.

Das Bildungsniveau der Eltern habe keine signifikanten Auswirkungen gehabt, so Forsa-Chef Manfred Güllner. Ein Unterschied sei hingegen bei der Anzahl der Kinder zu erkennen. „Bei Eltern mit mehreren Kindern scheint eher die Hand auszurutschen.“

Aus der Auswertung eines Online-Forums, das die Forsa-Studie begleitete, geht hervor, dass ein häufiger Grund für körperliche Strafen Überlastung sei. Wenn Eltern schlagen, dann nicht aus Überzeugung“, so Oliver Steinbach von „Eltern“.

Deswegen seien mehr Unterstützungsprogramme für junge Eltern dringend nötig. Die Deutsche Kinderhilfe wertete die Ergebnisse der Studie als „alarmierend“. Zudem gebe es eine wesentlich höhere Dunkelziffer.

 

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