Studie macht Hoffnung Auch in München: Experten erwarten Ende des Miet-Wahnsinns

Clemens Hagen.
Selbst in München soll der Anstieg der Mietpreise in absehbarer Zeit ein Ende haben. Foto: Peter Kneffel/dpa

Der absurde Miet-Wahnsinn könnte in absehbarer Zeit vorbei sein - sogar in München. Dies legt zumindest eine neue Studie nahe. In der AZ erklärt ein Experte, weshalb die Mieten bald nicht mehr steigen sollen.

 

München/Berlin - Schon der Name der Studie macht Hoffnung: "Don’t Panic" (Verfallen Sie nicht in Panik). Und tatsächlich gibt das Papier des Berliner Forschungsinstituts Empirica – es berät unter anderen auch die Bundesregierung in Immobilienfragen – Anlass zur Hoffnung. Denn die Studie besagt nicht weniger, als dass der Mietenwahnsinn in Deutschland absehbar zuende gehen wird.

Ja, ja, mag sein, werden Sie jetzt einwenden, aber das gilt sicher nicht für München und sein Umland, wo bekanntlich Jahr für Jahr Rekorde bei den Mieten aufgestellt werden. Die AZ hat mit dem Autoren der Studie, Diplom-Volkswirt Reiner Braun, gesprochen.

Braun sagt: "Natürlich ist München der Dauerbrenner, ebenso das gesamte Oberland und Teile von Schwaben und Niederbayern. Aber selbst hier gilt: Es gibt Licht am Ende des Tunnels, es wird genügend gebaut." In der Studie heißt es dazu: "Bauwirtschaft und Bauämter haben in den letzten Jahren eine Herkulesaufgabe bewältigt.

Der Zusatzbedarf an Wohnungen geht stark zurück

Angefangen beim Negativrekord der Nachkriegszeit im Jahr 2009 steigerten sie die Zahl der fertiggestellten Wohnungen von 159.000 innerhalb einer Dekade auf rund 300.000 Einheiten im Jahr 2018. Das bedeutet: Die Bautätigkeit wurde fast verdoppelt."

Weiter schreibt Braun in seiner Untersuchung: "Die gute Nachricht: In den besonders hart von Mietsteigerungen betroffenen Städten wurde die Lücke am meisten reduziert. So schrumpfte der nicht gebaute jährliche Zusatzbedarf in den Wachstumsregionen von 125.000 auf 25.000 Einheiten um 80 Prozent und in den begehrten Top-Sieben-Städten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München, Stuttgart) sogar von 51.000 auf 7.000 Wohnungen um über 85 Prozent. Sobald auch die verbleibende Fertigstellungs-Lücke geschlossen sein wird, dürfte der Mietanstieg in den betroffenen Städten und Regionen zum Erliegen kommen."

Experte prognostiziert: Mietpreise werden stagnieren

Der Immobilien-Experte glaubt, dass ein weiterer begünstigender Faktor für die Mietentwicklung die Abkühlung der Weltwirtschaft sei. "Der Zyklus wirtschaftlichen Aufschwungs dauert nun schon seit 2007 ununterbrochen an, sein Ende zeichnet sich ab. Und wenn die Menschen weniger verdienen, können sie auch nur weniger für ihre Miete ausgeben", erklärt Braun. Konkret, so glaubt der Forscher, ist mit auf hohem Niveau stagnierenden Mieten in den kommenden vier Jahren zu rechnen, ab dem Jahr 2023 könnten die Mieten dann sogar fallen. Braun: "Natürlich nicht ins Bodenlose, aber bei Quadratmeterpreisen von 15, 16, 17, 18 Euro sind schon mal 50 Cent weniger drin."

Wenn die Ratschläge der Baukostensenkungskommission, die der Bundesregierung bereits seit drei Jahren vorlägen, so kritisiert Braun, endlich umgesetzt würden, könnte es mit niedrigeren Mieten auch schon schneller klappen. "Bei den Bauvorschriften für Brandschutz, Umweltschutz, Wärmedämmung etc. gilt es für Bauherren, die 16 Landesverordnungen zu beachten, die in den Bundesländern zum Teil höchst unterschiedlich sind. Da müssen wir das Rad ein Stück weit zurückdrehen, dann kann billiger gebaut und vermietet werden."

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