Studie belegt Münchens Schulen haben ein Homophobie-Problem

Viele, viele junge Menschen demonstrieren und feiern beim Münchner CSD wie hier im Jahr 2018. Foto: Matthias Balk/dpa

Eine Studie der Stadt zeigt, dass sich schwule und lesbische Jugendliche an Münchens Schulen stark diskriminiert fühlen. Experten wundert das überhaupt nicht.

 

München - Der Christopher Street Day (CSD) ist in den vergangenen Jahren immer jünger geworden. Viele, viele tausend Jugendliche feiern am Rindermarkt, bei der Demonstration und im Glockenbachviertel. Schüler-Gruppen etwa des Pestalozzi-Gymnasiums sind mit eigenen Plakaten unterwegs. Sehr bunt, fröhlich und tolerant sieht die Stadt an diesem Feiertag aus. Nur: Die Lebensrealität bildet dieser Ausschnitt nur sehr bedingt ab. Für viele der Jugendlichen – auch die, die in der Großstadt leben – sieht der Alltag anders aus.

Das geht nun aus einer umfangreichen Studie zum Alltag Münchner Schülerinnen und Schüler hervor. Mehr als 50.000 von ihnen hat die Stadt für ihre "Schulklimabefragung 2018" befragen lassen. Es sind Schüler städtischer Gymnasien, Realschulen und Berufsschulen. Und ein zentrales Ergebnis ist: Münchens Schulen haben ein Homophobie-Problem.

Studie: Die Schulen in München haben ein Homophobie-Problem

So beantworten an Realschulen nur 64 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Frage mit "Ja", ob man an ihrer Schule unabhängig von der sexuellen Orientierung akzeptiert werde. 81 sind es an Gymnasien, 87 an Berufsschulen. Zum Vergleich: Bei der Frage, ob man unabhängig von der Hautfarbe akzeptiert werde, liegen die Werte bei 90 (Realschulen) und 94 (Gymnasien und berufliche Schulen) Prozent.

Die Diskriminierungswahrnehmung an Münchner Realschulen sei insgesamt "sehr hoch", bilanzieren die Autoren der Studie vom Pädagogischen Institut. Grundsätzlich empfinden sich besonders jene Schülerinnen und Schüler, die ihr Geschlecht mit "Weiteres/Sonstiges"angaben, als sozial nicht akzeptiert. An Realschulen gaben von ihnen nur 40 Prozent an, dass man sich an ihrer Schule unabhängig von der sexuellen Orientierung akzeptiert fühle.

Experten wundern die Werte nicht. Sie haben schon lange im Blick, dass der Alltag der Jugendlichen wenig mit den bunten CSD-Bildern gemein hat. "Schwul ist an den Schulen immer noch überall ein Schimpfwort", sagt Rita Braaz, die viele Jahre lang in der Beratung lesbischer Mädchen und Frauen tätig war. "Und dieses Schimpfwort ist ein großes Zeichen an die Jugendlichen, auch an lesbische und bisexuelle, dass sie nicht akzeptiert werden."

"Schwul ist an den Schulen immer noch überall ein Schimpfwort"

Grundsätzlich unterscheide sich die Situation der Jugendlichen in Großstadt und Land erstmal "nur"darin, dass es in München viele Beratungsangebote gibt – und etwa auch das schwul-lesbische Jugendzentrum Diversity. Das sei sehr gut und sehr wichtig, habe aber nur bedingt Einfluss auf die Situation zum Beispiel auf dem Schulhof.

Auch der Münchner Grünen-Chef Dominik Krause betont: "In München wird viel für die Gleichstellung von LGBTI getan"."Krause sagt aber auch: "Die neuen Zahlen sind schockierend. Sie zeigen, dass wir mehr an den Schulen machen müssen."

So wie das Projekt "Schule gegen Rassismus"müsse man mehr Aktionen initiieren, um das Problem Homophobie zu bekämpfen, sagt er. Rita Braaz findet, man solle insgesamt das Thema Mobbing an den Schulen in den Blick nehmen – und die Homophobie als einen Aspekt davon behandeln und bekämpfen.

Mehr Aktionen um das Problem Homophobie zu bekämpfen

Deutlich besser als bei den Schülerinnen und Schülern sieht es übrigens in den Lehrerkollegien aus, deren Atmosphäre die Stadt ebenfalls ausführlich hat erforschen lassen. 97 bis 98 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer sagen, man werde an ihrer Schule unabhängig von der sexuellen Orientierung akzeptiert.

Rita Braaz allerdings kennt auch hier Gegenbeispiele. Eine lesbische Schulsozialarbeiterin habe ihr kürzlich erzählt, dass sie sich unter den Kollegen sicher nicht oute. "So lange schwul hier ein Schimpfwort ist, wird das eh nicht akzeptiert", habe sie gesagt.

 

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