"Stuckrads Homestory" Von Stuckrad-Barre: "Man könnte mich als zwanghaft bezeichnen"

In "Stuckrads Homestory" hat Benjamin von Stuckrad-Barre keine Zeit, sich auf seine Interviews vorzubereiten Foto: rbb/Ulmen Television

Benjamin von Stuckrad-Barre mag keine Überraschungen. Genau das macht seine neue Sendung "Stuckrads Homestory" so spannend, in der der Journalist völlig unvorbereitet auf seine Gesprächspartner losgelassen wird.

 

Benjamin von Stuckrad-Barre (39) ist ein penibler Mensch, der seinen Tag minutiös plant und strukturiert. Der Schriftsteller, Journalist und Moderator bereitet sich gerne ausgiebig auf unbekannte Situationen vor und hasst Überraschungen. Genau deshalb wird er in seiner neuen Show "Stuckrads Homestory" (rbb ab 16.Oktober, immer Donnerstags um 22:45 Uhr) überrascht und vom befreundeten Produzenten Christian Ulmen in unbekannte Situation geworfen, auf die er sich gar nicht vorbereiten kann. Herausgekommen sind sehr unterschiedliche Begegnungen mit prominenten Protagonisten, mit denen er sich nicht immer viel zu sagen hatte, wie der Pastoren-Sohn im Gespräch mit spot on news verrät.

Wie kam es zur Idee für das neue Format?

Benjamin von Stuckrad-Barre: Christian Ulmen und ich haben nach vier Staffeln einer gemeinsam produzierten politischen Talkshow festgestellt, dass die interessantesten Gespräche oft in den Zigarettenpausen stattfinden, also vor oder nach der Sendung. Diese beiläufigen Momente waren meist unterhaltsamer und aufschlussreicher als das eigentliche Interview, auf das man häufig übervorbereitet ist und dadurch das ganze Gespräch schon im Kopf hat, bevor es überhaupt stattfindet. So entstand die Idee, es mal anders zu probieren, indem Christian mich also völlig unvorbereitet zum jeweiligen Gesprächspartner schickt.

Für einen routinierten Journalisten wie Sie doch bestimmt kein Problem.

Stuckrad-Barre: Ganz im Gegenteil. Ich bereite mich gern penibel auf meine Gesprächspartner vor, ich plane gerne und mag keine Überraschungen. Folglich ist es eine Herausforderung für mich, wenn ich morgens zu Christian ins Büro komme und er mir sagt, wo wir zehn Minuten später hinfahren. So entsteht Nervosität, Anspannung - kurzum Energie. Es ist schlicht keine Vorbereitung mehr möglich, man ist gezwungen, situativer zu agieren. Bei Udo Lindenberg war es einfach, weil ich den schon seit über 20 Jahren kenne und sehr vertraut bin mit seinem Leben und Werk. Aber von anderen, wie z.B. Katja Ebstein, hatte ich keine Ahnung.

Wie lief das dann ab?

Stuckrad-Barre: Ganz unterschiedlich. Bei Katja Ebstein lief es wie von selbst, weil die Frau so einen Energieüberschuss hatte, ich kam kaum hinterher. Bettina Böttinger durfte ich auf ihrem Sofa die Füße massieren und erleben, wie sie beim Gassigehen die Hundekacke in eine mitgeführte Tüte entsorgte. Jimi Blue Ochsenknecht hingegen konnte mit mir gar nichts anfangen und ich auch nicht viel mit ihm. Das war ein eher groteskes Aneinandervorbeireden, sehr nett zwar, aber wir kamen irgendwie nicht zueinander - auch mal schön, denn das ist ja in Talkshows sonst überhaupt nicht vorgesehen, das Nichtgelingen. Als wir nach gefühlten zehn Stunden auf die Uhr schauten, waren gerade mal zehn Minuten vergangen. Mit Lars Eidinger hingegen habe ich sieben Stunden am Stück gequasselt und wir haben nur aufgehört, weil der Kameramann nach Hause wollte. Also sehr unterschiedliche Erfahrungen.

Zufrieden mit dem Ergebnis?

Stuckrad-Barre: Ich bin immer mit allem tendenziell unzufrieden. Das ist klar, das ist doch bei jedem vernünftigen Menschen so. Aber ich fand es erst mal sehr nett, wie viel Zeit sich die Leute genommen haben und dass sie sich auf diese sehr offene Gesprächsform überhaupt eingelassen haben, die mich selbst hin und wieder wirklich überfordert hat, was ja wiederum auch amüsant sein kann.

Warum legen Sie so viel Wert auf Struktur?

Stuckrad-Barre: Das ist eine Mischung aus Weltabwehr und Erfahrung, würde ich sagen. Sobald man aus dem Haus geht, ist ja die Welt eine Zumutung. Und der Mensch erst recht. Deswegen habe ich es lieber, wenn alles immer durchgeplant ist. Ich mag nicht überrascht werden. Man könnte mich auch als zwanghaft beschreiben.

Unerwartete Bekenntnisse vom hedonistischen Popliteraten. Wie unterscheidet sich der heutige Stuckrad-Barre von dem, der "Soloalbum" verfasst hat?

Stuckrad-Barre: Ich finde, es kommt immer nur Unfug bei raus, wenn man versucht sich selbst zu erklären. Ich weiß es nicht. Die Frisur ist noch die selbe. Ansonsten verändert das Leben natürlich die Interessen und Gewohnheiten. Ganz neu beispielsweise ist mein Interesse an Kastanien und Nutzfahrzeugen. Da ich einen zweijährigen Sohn habe, beschäftige ich mich gerade intensiv mit Baggern, Müllautos - und saisonal jetzt mit Kastanien.

Betet der Pastorensohn mit seinem Kind?

Stuckrad-Barre: Backt der Bäckersohn mit seiner Tochter? Operiert der Chirurgensohn seinen Sohn?

Wie ist das, in einer Pastorenfamilie aufzuwachsen?

Stuckrad-Barre: Es ist keine schlechte Vorbereitung aufs Leben. In so einem Pfarrhaus ist viel los. Da kommen stets Menschen mit Problemen vorbei, was den Alltag sehr unterhaltsam gestaltet. Außerdem kann man sich kaum dagegen wehren, mit einer gewissen Musikalität ausgestattet zu werden, denn es wird ja permanent gesungen.

Wie haben Sie gegen Ihre Eltern rebelliert?

Stuckrad-Barre: Normal, würde ich sagen. Da brauchte es keine herkömmliche Rebellion meinerseits, da meine Eltern selbst rebellisch waren. Ich wurde schon als Kleinkind permanent auf Demos mitgeschleppt und wir waren schon Öko, bevor das überhaupt erfunden wurde.

 

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