Streit ums Erbe Gurlitt-Cousine legt Gegengutachten vor

In diesem "normalen" Mietshaus hatte Gurlitt Gemälde und Werke im Wert von Millionen Euro gelagert. Foto: dpa

Seit weit mehr als einem Jahr kämpft die Cousine von Cornelius Gurlitt vor Gericht um die umstrittene, millionenschwere Kunstsammlung. Eine Entscheidung ist noch immer nicht in Sicht. Die Cousine hat jetzt gleich drei Gegengutachten vorgelegt.

 

Schwabing - Im Rechtsstreit um das Testament des umstrittenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt ist noch immer kein Ende in Sicht. Seine Cousine hat vor dem Oberlandesgericht (OLG) München drei Gegengutachten vorgelegt, die beweisen sollen, dass Gurlitt nicht Herr seiner Sinne war, als er sein Testament verfasste. Das teilten ihre Anwälte am Mittwoch in München mit. Das OLG bestätigte den Eingang der Stellungnahme.

Ein vom Gericht bestellter Sachverständiger war zuvor in einem 146 Seiten langen medizinischen Gutachten dagegen zu dem Schluss gekommen, Cornelius Gurlitt sei testierfähig gewesen und habe seine Kunstschätze im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte an das Kunstmuseum Bern vererbt. Die Cousine Uta Werner erhebt selbst Anspruch auf das millionenschwere Erbe und die Sammlung, deren Fund die Kunstwelt 2013 in Atem hielt.

Zwei der drei nun von ihr vorgelegten Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass Gurlitt bei der Unterzeichnung seines Testamentes nicht testierfähig war, ein drittes sieht bei dem Gerichtsgutachten methodische Fehler. "Damit artikulieren und belegen die Gutachter berechtigte Zweifel an der Richtigkeit des vorliegenden Gerichtsgutachtens", heißt es in einer Mitteilung der Anwälte. "Das Oberlandesgericht ist nun aufgefordert, die Widersprüche in den Gutachten gegebenenfalls durch Beiziehung eines Obergutachters zu klären."

Damit könnte sich die endgültige Entscheidung des Gerichtes über die Rechtmäßigkeit des Testaments noch weiter verzögern. Die Anwälte von Uta Werner gehen davon aus, dass es möglicherweise erst in der zweiten Jahreshälfte soweit sein wird. Der Rechtsstreit läuft seit November 2014.

2013 wurde bekannt, dass bereits 2012 rund 1280 Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden waren. Zwei Jahre später tauchten weitere 238 Gemälde in seinem verwahrlosten Haus in Salzburg auf. Bei Hunderten davon bestand Verdacht auf Nazi-Raubkunst. Eine Taskforce, die die Herkunft der Bilder klären sollte, stellte ihre Arbeit zum Jahresende 2015 ein. Gurlitt war am 6. Mai 2014 in seiner Schwabinger Wohnung gestorben - ohne seine Bilder noch einmal gesehen zu haben.

 

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