Streik im öffentlichen Dienst Leere statt Betriebsamkeit am Münchner Flughafen

Der Warnstreik am Münchner Flughafen bringt fast den gesamten Betrieb zum erliegen. Die Bilder. Foto: Feindt/dpa

Leere Terminals, ausgefallene Flüge. Am Münchner Flughafen streikt das Bodenpersonal, viele Reisende müssen auf Bus und Bahn umsteigen. Die Streikenden sind entschlossen, deutlich mehr Geld für den öffentlichen Dienst zu erkämpfen.

 

München – Sieben Uhr in der Früh. Eigentlich sollte um diese Zeit Hochbetrieb herrschen am Franz-Josef-Strauß Flughafen in München. So wie jeden Tag um diese Zeit. Doch statt Schlangen und hastenden Geschäftsreisenden ist es fast leer im Terminal 2. Nur wenige Reisende nähern sich vorsichtig den Tafeln oder fragen die Uniformierten nach ihren Verbindungen. Vor der Sicherheitskontrolle stehen etwa 20 Streikende in gelben Westen mit Frühstücksbroten.

133 Flüge wurden am Donnerstag in München gestrichen, vor allem Inlandsflüge der Lufthansa. Gestrandete Reisende gab es dennoch kaum, denn der Warnstreik war schon am Vortag angekündigt worden. Per Mail und SMS informierte die Lufthansa an die 30 000 Passagiere. „Aber nicht darüber, wie man dann weiter verfährt“, kritisieren Ulrike Lindberg und Armin Höfer. Ihr Flug von Berlin nach München wurde gestrichen. Sie mussten mit dem Bus fahren, um es in den Kurzurlaub nach Lissabon schaffen. „Noch ging's “, sagt Höfer. „Wir hoffen nur, dass wir auf dem Rückweg nicht das Gleiche erleben.“

Tosender Lärm, gelbe Westen und „wehr.di“ – Buttons im „Airbräu “-Brauhaus zwischen den Terminals. „Beim nächsten Mal machen wir's wie die Kollegen in Frankfurt und legen diesen Flughafen für einen ganzen Tag still“, fordert sein Kollege Sepp Windall. Beifall und Trillerpfeifen. Die Aktion ist Teil der Verdi-Warnstreiks im öffentlichen Dienst, denn der Flughafen gehört dem Bund, der Stadt München und dem Land Bayern. Boden- und Sicherheitspersonal fordern hier – wie Erzieherinnen und Müllmänner in den vergangenen Tagen - 100 Euro mehr Lohn und zusätzlich 3,5 Prozent.

„Es geht um die, die sonst eher im Schatten stehen“, sagt Verdi-Sprecher Manfred Weidenfelder. „Es geht um die, die die Koffer zum Flugzeug bringen, die Fahrtreppen bedienen. Gerade für die unteren Entgeltgruppen wären die 100 Euro eine richtige Verbesserung.“ Zum ersten Mal streiken in München auch etwa 30 Angestellte der „Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München “, einer Tochter des Freistaats. Gabi Seibold ist eine von ihnen. „Man muss aufstehen, man muss hingehen, man muss demonstrieren für seine Rechte “, sagt sie. Seibold ist fest angestellt. Sie streike auch für die, die Angst haben, weil ihre Verträge befristet sind. „Es geht nicht, dass wir zuschauen, während viele von uns immer weniger Geld verdienen.“

Um zehn Uhr dann doch noch ein kleiner Orkan: Mit Fahnen und Trillerpfeifen stürmen etwa 270 Streikende den Platz zwischen den Terminals. „Wir sind es wert!“, rufen sie. Reisende mit Koffern laufen vorbei, bleiben stehen und beobachten das Spektakel, wie Sibylle Glück. Ihr Flug nach Münster hat zwei Stunden Verspätung. „Ich denke das Bodenpersonal streikt berechtigt“, sagt sie.

Auch Flughafen-Personalchef Robert Scharpf signalisiert Verständnis. „Wir haben schon ein Bewusstsein dafür, dass es Lohnerhöhungen geben muss “, sagt er. Doch der Sockelbetrag von 100 Euro sei zu viel. „Das bedeutet 7 Millionen, das ist schon eine ganze Menge.“ Schließlich stehe man in Konkurrenz zu privaten Dienstleistern. Doch solange rechtzeitig gewarnt und miteinander gesprochen werde, nehme er den Streik gelassen. „Das gehört zu dem Spiel dazu. Da gibt es Rituale, und an die hält man sich.“ Den nächsten Zug müssen die Arbeitgeber machen und ein Angebot vorlegen. Doch während sich die Terminals langsam wieder mit Fluggästen füllen, bleibt es im „Airbräu“ ruhig – vorerst.

 

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