Straubing Nach dem Fall Haderthauer: Ermittlungen im Bezirkskrankenhaus

Wegen Unterschlagung: Hier ermittelt die Staatsanwaltschaft. Foto: Armin Weigel

Im Straubinger Bezirkskrankenhaus geht die Staatsanwaltschaft Vorwürfen von Unterschlagung, Untreue und Vorteilsnahme nach. Der Schaden ist sechsstellig

 

STRAUBING - Seine fragwürdigen Geschäfte mit einem psychisch hochgradig kranken Straftäter haben Hubert Haderthauer, den Ehemann der Bayerischen Sozialministerin, heftige Kratzer im Ansehen verschafft (AZ berichtete). Jetzt muss er sich erklären: Die Regierung von Oberbayern hat ihn in dem Fall um eine Stellungnahme gebeten.
Doch er scheint nicht der Einzige zu sein, der die nach außen hin abgeschottete Welt des Straubinger Bezirkskrankenhauses nutzte. Seit einem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen eine ganze Bande von Abzockern. Zwei der Beschuldigten sind leitende Angestellte der psychiatrischen Klinik.

Der zuständige Landshuter Oberstaatsanwalt Klaus Dieter Fiedler bestätigte der AZ, dass es sich um Vorwürfe der Unterschlagung, Untreue und Vorteilsannahme dreht. Auch hier führt die Spur in den Bereich der Arbeitstherapie, die der Gatte der Ministerin für seine Zwecke nutzte. Drei Komplexe sind es, für die sich die Ermittler interessieren.

Zum einen geht es um Werkzeugmaschinen, die für die Metallbearbeitung gebraucht werden. In den Büchern wurde der Kaufpreis allem Anschein nach heftig nach oben getrimmt. Das fiel den Rechnungsprüfern des Bezirks Niederbayern auf, die auch die Staatsanwaltschaft einschalteten. Wo die Differenz zwischen tatsächlichem und dann verbuchtem Kaufpreis landete, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Ein anderer Aspekt, der den Prüfern nicht gefiel: Mit den angeschafften Maschinen wurden dann im Bezirkskrankenhaus Teile gefertigt, die offensichtlich zu Dumpingpreisen an eine Firma außerhalb der Firma verkauft wurden. Bei dem gleichermaßen profitablen wie kriminellen Geschäftsabläufen deutet der Umstand, dass die Staatsanwaltschaft auch dem Verdacht auf Vorteilsnahme nachgeht, darauf hin, dass Schmiergelder geflossen sind.

Für einen der beiden leitenden Angestellten des Bezirkskrankenhauses, der ins Visier der Ermittler geriet, ist der Fall erledigt. Er starb während des laufenden Ermittlungsverfahrens. Die Ermittlungen gegen seinen Kollegen in gehobener Stellung und fünf weitere Verdächtige bei den Firmen, die darin verwickelt sind, gehen weiter. Ob Anklage erhoben wird oder die Angelegenheit mit Strafbefehlen der Staatsanwaltschaft sanktioniert wird, steht den Worten von Oberstaatsanwalt Fiedler derzeit noch nicht fest. Der Schaden dürfte im sechsstelligen Bereich liegen.

 

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