Straßenschlachten in der Ukraine Vitali Klitschko: Sein dramatischer Appell an den Westen

Krise in Kiew: Vitali Klitschko wendet sich an den Westen. Foto: dpa/AFP

Angesichts der brutalen Gewalt in der Ukraine hat der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko den Westen zur Intervention aufgefordert. Die Spitzen demokratischer Staaten dürften nicht tatenlos zusehen, „wie ein blutiger Diktator sein Volk tötet“.

 

Kiew  – Kiew steht in Flammen. Die Proteste gegen den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch versinken in Blut und Chaos. Mit Wasserwerfern und Gummigeschossen rückt die Polizei am Dienstagabend im Kiewer Stadtzentrum auf die Stellungen der Regierungsgegner vor. Die Demonstranten schießen mit Feuerwerkskörpern zurück. Überall am Maidan brennt es lichterloh.

Die Meldungen überschlagen sich, es soll wieder Verletzte geben. Schon den ganzen Tag über herrschen Zustände wie in einem Bürgerkrieg. Mindestens achtzehn Menschen kommen ums Leben. Am Abend sprechen die Behörden von 500 Verletzten, darunter auch Dutzende Polizisten. Die einst friedlichen Proteste sind endgültig in Gewalt umgeschlagen. Beide Seiten sollen scharfe Munition eingesetzt haben.

Die ukrainische Hauptstadt ist voller Gerüchte.Radikale greifen ein Büro der Regierungspartei von Janukowitsch an und zünden es offenbar an. In den niedergebrannten Räumen finden Rettungskräfte eine Leiche. Es wirkt wie ein Lynchmord. Über dem Zentrum von Kiew liegt giftiger schwarzer Qualm von brennenden Autoreifen. Anwohner verrammeln ihre Türen und kleben ihre Fenster mit dickem Klebeband ab.
 

Die Volksfeststimmung Zehntausender Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz, dem Maidan, ist längst verflogen. Keine zwei Stunden nach einem Ultimatum rücken die Einsatzkräfte vor. Über Lautsprecher drohen die Behörden mit einer „Anti-Terror-Operation“.

Sie geben „Extremisten“ und „Faschisten“ die Schuld an der Gewalt. Oppositionsführer wie Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko rufen von einer Bühne aus die Menge zum Durchhalten auf – und fordern Janukowitsch zum Waffenstillstand auf.

Der Ex-Boxweltmeister warf Präsident Viktor Janukowitsch ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vor. „Die Regierung hat bewusst eine Provokation organisiert, um den Unabhängigkeitsplatz mit Blut und Gewalt auseinanderzujagen, und die Proteste und die Aktivisten zu vernichten.“ Klitschko bittet den Westen zu intervenieren. Die Spitzen demokratischer Staaten dürften nicht tatenlos zusehen, „wie ein blutiger Diktator sein Volk tötet“.

Auch die Sicherheitskräfte auf der anderen Seite sind wütend. „Wir müssen den Staat bewahren, diese Demonstranten haben nichts mit friedlichem Protest gemeinsam“, sagt ein entrüsteter Oberleutnant der Inlandstruppen einem Internetsender.

Die Fronten sind verhärtet, der Hass ist groß. Aus der Krise scheint kaum ein Ausweg möglich. Auch wenn Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nach einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Leonid Koschara ankündigt: „Wir werden unsere Bemühungen für eine Konfliktlösung fortsetzen.“

 

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