Störung bei der Bahn S-Bahn-Chaos: AZ-Leser braucht fünf Stunden für Heimweg

Der Polizeibeamte Ferdinand Kauppert. Im Hintergrund: Die Irrfahrts-Skizze, die er entworfen hat (unten im Artikel in größerer Darstellung). Foto: privat

Groß-Störung bei der S-Bahn – und vor allem bei der Information der Fahrgäste: AZ-Leser Ferdinand Kauppert wird einen langen Abend durchs MVV-Netz geschickt. Danach skizziert er es.

 

Wer auf die S-Bahn angewiesen ist, ist Kummer gewohnt. Besonders schlimm war das Chaos aber am Mittwoch vor einer Woche. Erst eine Signalstörung zwischen Rosenheimer Platz und Ostbahnhof, dann eine „technische Störung“. Die Stammstrecke war mitten im Feierabendverkehr dicht, für Stunden. AZ-Leser Ferdinand Kauppert verbrachte den ganzen Abend auf Bahnhöfen: „Normalerweise brauche ich von meiner Arbeit in Neuperlach bis nach Weichs 65 bis 75 Minuten – an diesem Abend habe ich 4 Stunden und 46 Minuten gebraucht.“

Sein Vorwurf: Fehlende, falsche und sich widersprechende Infos der Bahn. Der Polizeibeamte (56) hat sich sogar die Mühe gemacht, seine Odyssee in einer Skizze festzuhalten, garniert mit Fotos von überfüllten Bahnsteigen und ratlosen Menschen.

Der Chaos-Abend im Überblick:

Normal steigt Kauppert in Neuperlach ein, fährt mit der U 5 zum Ostbahnhof, von dort mit der S2 Richtung Petershausen bis Vierkirchen-Esterhofen.

Diesmal startet er um 16.47, Uhr. Am Ostbahnhof erfährt er, dass die S-Bahn wegen einer Signalstörung nicht fährt. Sonst erfährt er nichts. Er geht also runter zur U-Bahn und fährt bis Odeonsplatz, geht dann zu Fuß zum Marienplatz. Auch dort: Keine S-Bahn. Er geht zu Fuß bis zum Stachus. Auch da: Keine Info, keine S-Bahn.

Weiter zum Hauptbahnhof. „Ich hätte dort in einen Zug steigen können, aber der fuhr bis Petershausen, das wäre zu weit gewesen. Und mein Roller stand ja an der S-Bahn Vierkirchen.“ Wohl ein Fehler, wahrscheinlich wäre er schneller gewesen, wenn er von Petershausen gemütlich zu Fuß heimgegangen wäre... Er fährt also weiter mit der U5 zum Heimeranplatz, wo es Infos geben soll. Die Infos werden aber nur an einem anderen Bahnsteig durchgesagt. Als eine S-Bahn kommt, drückt sich Kauppert zu den Massen dazu – und landet in der falschen S-Bahn. In Pasing steigt er wieder aus.

Dort sucht er erstmal nach einem Bus, der ihn eventuell nach Allach bringen könnte, immerhin in Richtung Heimat. Vergeblich. Also zurück. Er fährt bis Laim, im Normalfall eine Station der S2. Doch auch dort geschieht – nichts. Es ist 18.35 Uhr.

Alles auf Anfang: Kauppert fährt zurück zum Hauptbahnhof. Dort gibt es verschiedene Infos. „Plötzlich heißt es: Wir sollen alle zum Heimeranplatz.“ Kauppert folgt und ist dann wieder an der gleichen Stelle, an der er schon eine Stunde zuvor gewesen ist.

Was am Heimeranplatz nicht fährt, ist die S2. „Stattdessen fahren mehrere halb leere S-Bahnen vorbei, die nicht halten“, erzählt Kauppert. Nächste Info: Alle zur Donnersbergerbrücke.

Dort heißt es – welche Überraschung: Hier fährt keine S2, alle sollen nach Pasing. Und von dort mit dem Bus nach Obermenzing. Dort führe dann die S2.

Nach 40 Minuten Wartezeit in Pasing steigt Kauppert in den Bus nach Obermenzing, dann fährt er weiter mit dem Bus nach Allach. Dort steigt er nach weiteren zwanzig Minuten Wartezeit –juhu – in die S2. Es ist 20.55 Uhr. 21.15 Uhr Ankunft in Vierkirchen. Das einzige, was an diesem Abend reibungslos klappt, ist der Heimweg mit dem eigenen Roller. Um 21.25 ist Kauppert daheim.

Die Irrfahrts-Skizze:

 

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