Stiftung Warentest Krankheitskeime in Hähnchen-Schenkeln

 In vielen Hähnchenschenkeln tummeln sich Krankheitserreger oder Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind. Bio schneidet im Test schlecht ab.

 

München - Krankheitskeime oder Resistenzen gegen Antibiotika? Vor dieser unguten Wahl stehen die Verbraucher bei vielen abgepackten Hähnchenschenkeln. Wer Bio einkauft, bekommt oft gefährliche Krankheitskeime. In vielen handelsüblichen Keulen sind dagegen Bakterien, die auf kein Antibiotika mehr ansprechen. Dies ist das ernüchternde Fazit der Stiftung Warentest. Sie hat Hähnchenkeulen untersucht. Nur fünf der Testkandidaten bekamen ein „gut“, sechs fielen mit „mangelhaft“ durch.

Sieger im Test waren aus mikrobiologischer Sicht die „Friki Geflügellaune Hähnchen Schenkel mit Rückenstück“ und die „Hähnchen-Schenkel mit Rückenstück“ von Kaufland. Sie enthielten nur wenige und gar keine antibiotika-resistenten Keime. Noch eine gute Nachricht: Alle Proben waren frei von Salmonellen.

Das war es dann schon. Neun von den 20 getesteten Hähnchenkeulen waren kurz vor Ablauf des Verfalldatums mikrobiologisch nur „ausreichend“ oder „mangelhaft“. Und das obwohl die Tester sie optimal gekühlt hatten. Die Produkte „Bio Geflügel“ und „Le Marensin“ enthielten mehr Listerien als die EU erlaubt. Diese können Hirnhautentzündung verursachen. Bei vielen Keulen die Warnwerte der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie überschritten.

Dass besonders die Bio-Produkte mit hohen Verderbnis- und Krankheitskeimen auffielen, könnte daran liegen, dass die Hühner auf Bio-Höfen kaum oder gar nicht mit Antibiotika behandelt werden. Selbst das beste Bio-Produkt von Rewe bekam bei den Krankheitserregern nur ein „befriedigend“.

Deutlich besser schnitten die Bio–Schenkel dann erwartungsgemäß bei den antibiotika-resistenten Bakterien ab. Die finden sich dafür wiederum meist in den Produkten aus konventioneller Hühneraufzucht: „Wenn einige Tiere kränkeln, behandeln die Tierärzte den ganzen Bestand“, sagte Annemarie Käsbohrer vom Bundesinstitut für Risikobewertung den Testern.

Das Schlimme an den Erregern, die auf kein Antibiotika mehr reagieren: Sie verbreiten sich aus der Landwirtschaft zum Menschen – und sorgen dann bei medizinischen Behandlungen für Probleme. „Bei gesunden Menschen sind resistente Keime ungefährlich und gliedern sich in die normale Bakterienflora im Darm oder auf Haut und Schleimhäuten ein“, so Käsbohrer. Anders bei Menschen, die eine Immunschwäche haben oder an Krebs leiden. Dann können sich die resistenten Keime rapide vermehren und in Blutgefäße und zu den Organen vorstoßen. Bei OPs im Krankenhaus drohen durch sie zudem schlecht behandelbare Infektionen.

Was sollten die Verbraucher angesichts solcher Testergebnisse tun? Für Geflügelprodukte, die von Haus aus immer eine gewisse Anzahl von Keimen haben, gilt: Die Produkte sollten immer gut gekühlt werden. Zudem ist es wichtig, das Fleisch durchzubraten und baldmöglichst zu verzehren.

Die Testergebnisse:

Die Hühnchenkeulen, die von der Stiftung Warentest „gut“ bekamen: „Friki Geflügellaune Hähnchen Schenkel mit Rückenstück“ (Note 1,8). Kaufland „Hähnchenschenkel mit Rückenstück (2,1). Aldi Süd Hähnchenschenkel mit 25% Rückenstück (2,3). Rewe Wilhelm Brandenburg Hähnchenschenkel mit Rückenstück (2,3). Globus/FairMast Hähnchenschenkel mit Rückenstück (2,4).

„Mangelhaft“ waren: Maitre Coq Le Volailler Poulet Fermier Bio Mais Hähnchenschenkel (4,6). Norma/Gut Langenhof Hähnchenschenkel mit Rückenstück (4,9). Alnatura Packlhof Bio-Metzgerei Hähnchenkeulen, Bioland (5,0). Bio Geflügel Bio-Hähnchenkeulen (5,0). Frische Paradies/Le Marensin Freiland Maishähnchenteile aus Les Landes (5,0).

 

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