Preisverleihung im Lustspielhaus AZ-Sternefest 2020: Preise sind eine reine Platzfrage

Ehrenpreis-Träger Helge Schneider kann am Flügel alles: Boogie Woogie und Beethoven, und sogar beides in einem Lied. Foto: Daniel von Loeper und Bernd Wackerbauer

Beim Sterne-Fest der AZ feiern rund 200 Gäste aus der Kulturszene die Preisträger im Lustspielhaus.

 

München - Der niederbayerische Welt-Musiker habe ihm vor sechs Jahren zum Kauf der Abendzeitung gratuliert, verriet Martin Balle. "Die AZ ist Haindling-freundlich", habe ihm Hans-Jürgen Buchner erklärt. Nun überreichte der Verleger dem Komponisten, Pianisten, Trompeter, Gitarristen und Saxofonisten den AZ-Stern für sein Lebenswerk.

Dann verriet Buchner, der diesjährige AZ-Ehrenstern Helge Schneider sei schon einmal in Hamburg (oder laut Schneider Heilbronn) seine Vorband gewesen. Er habe anschließend versucht, ähnlich falsch auf der Trompete zu spielen wie Schneider, aber bei ihm hätten die Leute nicht gelacht.

Training für die Lachmuskeln mit Lisa Eckhart und Helge Schneider

Zum Abschluss der Feier im Lustspielhaus animierte Buchner mit seiner Band Haindling zum Lied "Leit hoit’s z’samm" die Gäste zum solidarischen Schunkeln. Spätestens dann war klar, dass zumindest die bayerische Kulturwelt alles daran setzen wird, dass kein "aufblosener Schwollkopf" die Welt zum Zusammenkrachen bringt. Dagegen helfen, beispielsweise, die guten alten Familienwerte und engagierte Kunstwerke. 

Oscarpreisträgerin Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika") kam in Begleitung ihrer Mutter und ihrer Tochter, um den AZ-Stern für "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" (Kinokritik zum Film) entgegenzunehmen.

Einen weiteren Kino-Stern gab es für "Systemsprenger". Produzent Peter Hartwig verstand die Ehrung als Ermutigung für die Menschen in sozialen Berufen und für sich selbst, um weiter für schwierige Stoffe zu kämpfen.

Für den AZ-Stern macht Helge Schneider eine Ausnahme

Die ebenfalls ausgezeichneten Architekten und Designer des Werks 12 im Werksviertel erklärten, dass ihr Gebäude ohne die 5,7 Millionen Handgriffe von Handwerkern nicht stehen würde. Helge Schneider sagte, dass er für den AZ-Ehrenstern eine Ausnahme mache: Eigentlich nehme er aus Platzmangel keine Preise mehr entgegen.

Schauspieler Thomas Schmauser kann dagegen gar nicht genug Preise sammeln, weil er bisher erst zwei bekommen habe. Dann erklärte er, dass ihn der blutig zwischen zwei Stahlplatten pendelnde Aktionskünstler Wolfgang Flatz zu seinen Wechseln zwischen Kammerspielen und dem Residenztheater inspirierte.

Musik gab es von den Preisträgern Organ Explosion, die nur auf Instrumenten spielen, die älter sind als sie selbst. Das ist allerdings nichts gegen den ältesten Preisträger des Abends, das 497-jährige Bayerische Staatsorchester, das schon hoch in den Siebzigern war, als in Florenz die Oper erfunden wurde und trotzdem ganz jugendfrisch dem Amtsantritt des neuen Generalmusikdirektors Vladimir Jurowski entgegensieht.

Abgründiger Humor mit Lisa Eckhart

Die jüngste Preisträgerin des Abends war hingegen die Wiener Kabarettistin Lisa Eckhart. Gegen die geschliffen messerscharfe Wortakrobatik der 27-Jährigen, ihren abgründigen Humor und ihre laszive Bühnenpräsenz sieht die männliche Konkurrenz auf einmal ganz alt aus.


 
Der neue Newsletter der AZ, "Kultur Royal" bietet jeden Donnerstag einen schnellen Überblick über das, was in der (Münchner) Kulturszene die Gemüter bewegt.
 
 

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