Stellen-Abbau Siemens: 1.000 Jobs in München und Erlangen weg?

Dunkle Wolken über wehenden Siemens-Flaggen in München - Wie viele Stellen fallen an den bayerischen Standorten des Konzerns weg? Foto: dpa

Das Rätselraten hat ein Ende: Rund 7.000 Jobs dürften den Umbauplänen von Siemens-Chef Joe Kaeser zum Opfer fallen. Details stehen noch aus, aber es soll auch die Standorte München und Erlangen treffen.

 

München - Seit Monaten warten die Siemensianer angespannt auf eine Zahl - und nun haben sie wieder zuerst aus den Medien erfahren, wie viele Arbeitsplätze der größte Konzernumbau seit 25 Jahren kostet: Weltweit sollen rund 7.000 Jobs auf der Streichliste von Konzernchef Joe Kaeser stehen, davon etwa 3.000 in Deutschland. Von Siemens dazu zunächst keinerlei Kommentar - erst am Freitag wird mit offiziellen Informationen über die Folgen des Umbaus gerechnet.

Wie der Bayerische Rundfunk am frühen Donnerstagabend berichtet, sollen an den Standorten München und Erlangen jeweils 500 Stellen wegfallen. Der BR beruft sich dabei auf Unternehmenskreise. An beiden Standorten habe Siemens eine starke Verwaltung, also die Abteilungen, die vom Umbau besonders betroffen sind.

Die Einschnitte reihen sich ein in eine Serie von Spar- und Umbauprogrammen bei dem Elektroriesen mit seinen weltweit 343.000 Beschäftigten: Noch unter Kaesers Vorgänger Peter Löscher waren rund 17.000 Arbeitsplätze bei Siemens weggefallen, bevor Kaeser selbst dann 2013 den Abbau von rund 15.000 Jobs verkündete - ausgerechnet an einem Sonntagmittag, was bei Arbeitnehmervertretern auf reichlich Unmut stieß.

Auch die aktuellen Pläne, mit denen Kaeser eine Milliarde Euro einsparen will, dürften für Kritik sorgen. Zwar hatte der Siemens-Betriebsrat selbst schlankere Prozesse und Bürokratieabbau bei dem Elektroriesen gefordert, Stellenstreichungen aber klar abgelehnt. Siemens jage seit Jahren von einem Abbauprogramm zum nächsten, damit mache es sich das Management zu leicht, wetterte Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn erst kürzlich in einem Interview.

Klar ist, dass Kaeser Siemens schnell auf Vordermann bringen muss, um wieder Anschluss an Wettbewerber wie den Erzrivalen General Electric aus den USA zu bekommen. Ob es aber reicht, die Einteilung des Geschäfts in Sektoren aufzuheben, mit weniger Divisionen zu arbeiten und Randaktivitäten abzustoßen, bleibt abzuwarten. Denn Siemens mit seinen Produkten für Energie-, Industrie- und Infrastrukturprojekte ist nicht nur auf die weltweite Konjunkturentwicklung angewiesen, sondern auch auf ein gutes Risikomanagement.

Genau hier haperte es in der Vergangenheit immer wieder: Allein im vergangenen Geschäftsjahr (30. September) summierten sich die Sonderbelastungen aus problematischen Projekten auf rund 900 Millionen Euro. Dazu gehörten beispielsweise Reparaturkosten bei Windrädern und Schwierigkeiten beim Bau von Hochspannungsleitungen in Kanada.

Auch das neue Geschäftsjahr begann mau für Siemens: Ein Gewinneinbruch und weitere Herausforderungen, vor allem im wichtigen Energiegeschäft, sorgten auf der Hauptversammlung Ende Januar für Stirnrunzeln der Aktionäre. Mehr Tempo beim Umbau forderten sie deshalb von Kaeser. Doch etwas Geduld werden sie noch mitbringen müssen.

Erste Verbesserungen durch die Neuausrichtungen erwartet Kaeser für 2016, erst im Jahr darauf will er dann die Früchte des Umbaus ernten. Wie weit die Konkurrenz bis dahin wohl gekommen ist? Erst am Dienstagabend gab es einen Dämpfer von der US-Ratingagentur Moody's, die Siemens nun kritischer beurteilt. Wegen steigenden Wettbewerbs in allen Geschäftsbereichen senkte sie ihre Einstufung der Kreditwürdigkeit von Siemens um eine Stufe, bei stabilem Ausblick

 

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