Steffen Hamann im Interview „Basketball-Deutschland hält jetzt zu Bayern“

Bayerns früherer Kapitän Steffen Hamann. Foto: sampics/Augenklick

Ein Sieg ist für den FC Bayern Basketball in der Euroleague gegen Mailand Pflicht. Die AZ sprach mit Ex-Kapitän Steffen Hamann über die Chancen.

 

AZ: Herr Hamann, am Sonntag waren Sie, der ehemalige Kapitän der Bayern, im Audi Dome beim Spiel der FC Bayern Basketballer, Ihrer alten Liebe. Wie war die Rückkehr?

STEFFEN HAMANN: Es war sehr, sehr schön, auch wenn es ein bisschen komisch war, an der Seitenlinie zu sitzen. Ich muss ehrlich zugeben: Ich habe ein bisschen schwitzige Hände und Füße bekommen. Ich wurde von jedem herzlich empfangen, das hat mir sehr gut getan. Das Meisterschaftsbanner oben an der Decke zu sehen und zu wissen, was für harte Arbeit man in den vier Jahren davor reingesteckt hat – es ist ein gutes Gefühl, an die alte Wirkungsstätte zu kommen.

Schwitzige Hände – heißt das, Sie wären gerne direkt wieder mit den Bayern aufs Feld gegangen?

Klar. Viele Jungs haben mir vor dem Spiel noch Hallo gesagt. Wenn man sie dann um den Sieg kämpfen sieht, will man natürlich helfen, weil man noch viel mit ihnen verbindet. Aber die Jungs können das auch ohne mich (lacht).

Das müssen sie in der Euroleague gegen Mailand zeigen. Ein Sieg ist Pflicht.

Ja, wenn du dort verlierst, bist du auf jeden Fall raus. Ich glaube, ganz Basketball-Deutschland fände es gut, wenn neben Alba Berlin, die es wahrscheinlich schaffen, eine zweite deutsche Mannschaft in die Top 16 kommt. Das war letztes Jahr ein tolles Erlebnis, wir waren kurz davor, in die Top 8 einzuziehen, und das wünsche ich den Jungs dieses Jahr auch.

Dass es letztes Jahr auf Anhieb so gut lief, war überraschend. Ist es trotz der schweren Gruppe ebenso überraschend, dass dieses Jahr nur ein Sieg eingefahren wurde?

Die Niederlage gegen den polnischen Meister hat wehgetan. Gegen Mannschaften wie Barcelona, Fenerbahce, Panathinaikos zu bestehen, ist schwer. Das sind alles Hochkaräter, die um das Final Four mitspielen. Wenn du aber gegen einen Mitkonkurrenten verlierst, macht das die Sache nicht einfacher. Die Qualität ist da bei den Bayern, aber die Ausfälle wiegen schwer. Bryce Taylor hat letztes Jahr überragende Leistungen in der Euroleague gebracht, so einen Verlust steckt man nicht einfach so weg. Ebenso fehlt Anton Gavel mit seinem Namen und seinem Talent. Dann verlierst du knappe Spiele und gerade, wenn du Heimspiele abgibst, ist es schwierig.

Wie sehen Sie die Chancen der Bayern in Mailand?

Da müssen wir nicht um den heißen Brei reden: Wenn diesmal mit dem Flug alles klappt und die Jungs ihre Leistung bringen, haben sie gute Karten, in Mailand zu gewinnen.

Sollte es nicht klappen: Bei der erst zweiten Euroleague-Teilnahme darf man in einer so schweren Gruppe auch scheitern, oder?

Mit dem Kader kann man sich auch das Ziel setzen, in die Top 16 zu kommen. Ich denke, das war auch die Zielsetzung vor der Saison. Das haben viele Faktoren wie Verletzungen erschwert. Die Jungs wären enttäuscht, wenn sie es nicht schaffen. Aber dann geht es weiter im Eurocup und dann gewinnen sie halt den.

Da sind Sie schon sicher?

(lacht) Nein, natürlich nicht. Aber sollten sie Eurocup spielen, werden sie antreten, um ins Final Four zu kommen – der Anspruch ist auf jeden Fall da.

Wie hoch ist der Stellenwert der Zweiten Liga Europas?

In meinem zweiten Jahr bei Alba Berlin haben wir auch Eurocup gespielt und sind sogar ins Finale eingezogen. Das wird schon sehr, sehr ernst genommen. Speziell seit die ausgeschiedenen Euroleague-Teilnehmer reinrutschen, ist das Niveau sehr gut. Das ist auch eine europäische Bühne, auf der man sich präsentieren will.

Sie selbst spielen seit gut zwei Monaten in Baunach, beim mit einer zweiten Mannschaft vergleichbaren Farmteam der Brose Baskets Bamberg. Wie geht es Ihnen in der alten, neuen Heimat?

Persönlich geht’s mir sehr, sehr gut, ich kannte Bamberg in und auswendig, jetzt wohne ich wieder hier, meine Familie und Freunde sind noch alle da. Sportlich sind die Erwartungen eingetroffen, ich kann den jungen Spielern zurückgeben, was mir das Projekt damals gegeben hat. Ich verbringe viel Zeit mit den jungen Spielern und stehe ihnen gerne zur Seite.

 

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