Stefan Bradl Der auf der Rakete reitet

Stefan Bradl steht vor seinem Debüt in der MotoGP: „Er hat das Zeug dazu, Weltmeister zu werden”

 

DOHA Sieben Jahre alt war Stefan Bradl, als Valentino Rossi zum ersten Mal Weltmeister wurde. Der Italiener, in der Motorrad-Szene mindestens so bedeutend wie Michael Schumacher in der Formel 1, war das große Vorbild des Zahlingers. „Als Rossi von Titel zu Titel gerast ist, habe ich immer mitgefiebert. Und jetzt fahre ich plötzlich gegen ihn, daran hätte ich vor ein paar Jahren nicht im Traum gedacht”, sagt Bradl. Weltmeister ist freilich auch Bradl seit einigen Monaten, nun treten die beiden gegeneinander in der Moto GP, der Königsklasse des Motorradsports gegeneinander an.


Am Sonntag beginnt mit dem Nachtrennen in Doha die neue Saison (21 Uhr, Sport1 live). Nach sieben Jahren in der 125er-Klasse und der Moto 2 ist auch Bradl dabei in der Moto GP, wo die gerade mal 157 Kilo schweren Motorräder deutlich über 250 PS haben und auf den Geraden 350 Stundenkilometer erreichen können. Die Motorräder in der Formel 1 auf zwei Rädern sind Raketen auf zwei Rädern, sie verzeihen keine Fehler. „Von über 300 auf den Geraden bremsen wir vor den Kurven auf 80 ab. Da wirken enorme Kräfte. Bei den Tests in Sepang hatte ich die Hände voller Blasen – so musste ich mich festhalten”, sagt Bradl, der auch kein Problem damit hat, zu bekennen, dass er vor seinen ersten Tests in der Moto GP direkt nach seinem Titelgewinn in Valencia ein wenig Angst hatte vor seinem neuen Arbeitsgerät.


Die ist aber längst verflogen. Er hat sich gewohnt an die eigentlich unmenschlichen Kräfte, die auf ihn wirken, wenn er das Motorrad nach der Kurve wieder aufrichtet. Bradl hat ordentlich Muskeln aufgebaut im Winter: „Das war ein spezielles Krafttraining für Schulter, Nacken und Rücken. Wichtig ist vor allem, die Power auf die Rennstrecke zu bekommen. Mit einem ständig rutschenden Hinterrad kommt man schließlich nicht weit. Man muss schon ein besonderes Feeling für die Maschine entwickeln, ansonsten fliegt man beim Gasaufdrehen sofort von der Strecke”, sagt er.


Die Konkurrenz hat wohl registriert, wie sehr sich der Rookie an die neue Umgebung angepasst hat. Bei den letzten Tests konnte er mit den Zeiten der Etablierten mithalten, war in einigen Einheiten sogar schneller als Valentino Rossi, der freilich mit seiner bockigen Ducati zu kämpfen hat. „Stefan hat das Zeug dazu, irgendwann Weltmeister zu werden”, sagt etwa Ex-Weltmeister Jorge Lorenzo.
Zukunftsmusik. In dieser Saison peilt Bradl, der für das italienische Privatteam LCR eine Kunden-Honda pilotiert, regelmäßige Platzierungen zwischen Rang sieben und zehn an.

Was bescheiden klingt, ist alles andere als das. Die meisten Neulinge brauchen Jahre, um mit den Geschossen in der Moto GP klarzukommen. Alex Hofmann etwa, der bislang einzige Deutsche, der sich in der Moto GP versucht hat, schaffte es in drei Jahren nie aufs Podium. „Der Druck, den es zu verarbeiten gilt, ist immens”, warnt Hofmann, „nach vorne wird's auch für Stefan hart werden. ” Aber wenn es einer schaffen könne, dann Bradl, der Raketenreiter aus Zahling.

 

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