Stefan B. im Visier der Fahnder Franzis Mörder: Hat er schon einmal getötet?

Links oben: Der mutmaßliche Täter Stefan B. (26) ist vorbestraft: Die Polizei ermittelte auch schon wegen eines Sexualdeliktes gegen ihn. Rechts unten: Franziska O. († 12): Ihr letztes Lebenszeichen ist eine SMS an zwei Freundinnen, in der sie von einem Mann berichtet, der sie verfolgt. Foto: ho/dpa

Österreichische Fahnder fordern den genetischen Fingerabdruck von Stefan B. an, den mutmaßlichen Mörder von Franziska aus Möckenlohe (Kreis Eichstätt) – weil es Parallelen zu einem Delikt in Kufstein  gibt.

Neuburg, Kufstein - Den brutalen Mord an der kleinen Franziska aus Möckenlohe (Kreis Eichstätt) hat Stefan B. bereits gestanden. Doch hat der 26-jährige arbeitslose Bäcker aus Neuburg noch ein weiteres Menschenleben auf dem Gewissen?

m Januar ist eine 20-jährige Studentin in Kufstein ermordet worden. Auch sie wurde erschlagen und die Leiche anschließend ins Wasser geworfen.

Die Parallelen in beiden Mordfällen sind erschreckend. Deshalb hat die Kripo in Innsbruck inzwischen den genetischen Fingerabdruck von Stefan B. angefordert. „Wir überprüfen, ob wir es mit demselben Täter zu tun haben“, sagt Walter Rupp, Leiter des Innsbrucker Landeskriminalamts.

In der kommenden Woche erhalten die Innsbrucker Fahnder die Ermittlungsunterlagen ihrer bayerischen Kollegen. Der Abgleich der an beiden Tatorten sichergestellten DNS könnte Gewissheit schaffen.

Seit Januar fahndet die Polizei in Tirol nach dem Mörder von Lucile K. (20). 10000 Euro Belohnung sind ausgesetzt. Rund 300 Hinweise gingen ein, doch die interessanteste Spur in dem brutalen Mordfall führt von Kufstein ins rund 175 Kilometer entfernte Neuburg an der Donau.

Lucile K. stammt aus Lyon. Sie studiert vier Monaten im Rahmen eines Austauschprogramms an der Universität Kufstein, als sie plötzlich verschwindet. Freunde erstatten Vermisstenanzeige.

Am 12. Januar finden Polizisten in Kufstein am Innufer eine tote Frau. Es ist Lucile K. Die Leiche weist massive Schädelverletzungen auf, ähnlich wie die von Franziska O. (12). Nur eine von mehreren auffallenden Parallelen: Lucile K. wurde am Inn ermordet und ihre Leiche dann ins Wasser geworfen.

Ähnlich erging es auch der kleinen Franziska. Die Siebtklässlerin war am 15. Februar nachmittags auf dem Heimweg, als ihr Stefan B. in einem Toyota Coupé folgte, sie ins Auto zerrte und mit ihr an Rathei-Weiher nach Neuburg fuhr. Dort missbrauchte und erschlug er das Mädchen. Angler fanden die Leiche einen Tag später im Wasser.

Die Tatwaffe ist verschwunden. Die Polizei geht davon aus, dass das Mädchen mit einem herumliegenden Knüppel oder einem Holzscheit erschlagen wurde. Im Fall Lucile K. haben Taucher die Tatwaffe, eine Eisenstange, aus dem Inn geborgen. Sie lag in Wurfweite von der Leiche am Flussgrund. Allerdings dürfte das Wasser alle DNS-Spuren und Fingerabdrücke weggespült haben.

Die Eisenstange gehört vermutlich zu einem hydraulischen Wagenheber. Ein Gerät, das in fast jeder Werkstatt zu finden ist. Stefan B. ist ein begeisterter Tuning-Fan. Er war auch in München in der Tuningclub-Szene unterwegs.

Der 26-Jährige liebt schnelle Autos. Als er Franziska O. vor einer Woche entführte, fuhr er ein dunkelgrünes Toyota Coupé. Franziska O. wurde vergewaltigt und ermordet.

Auch bei Lucile K. schließt die Polizei ein Sexualverbrechen nicht aus. Allerdings sind auch die Handtasche und das Handy der Studentin verschwunden. Beides könnte der Täter in den Fluss geworfen haben, um die Identifizierung des Opfers zu erschweren. Die Strömung könnte beides mitgerissen haben.

Die Tiroler Polizei veröffentlichte ein Phantombild des Täters. Zeugen haben einen kräftigen Mann beschrieben, so wie Stefan B. einer ist. Der Verdächtige trug allerdings einen auffallenden Oberlippenbart. Doch der könnte auch aufgeklebt gewesen sein.

Das Phantombild soll Stefan B. ziemlich ähnlich sehen, heißt es. Die Polizei in Österreich hält sich bedeckt. Das Phantombild sei sehr allgemein gehalten, deshalb könne es durchaus Ähnlichkeit mit dem 26-Jährigen haben. Bayerische Ermittler wollen sich gar nicht äußern.

Noch eine weiteres interessantes Detail könnte passen: Stefan B. sympathisiert mit der rechten Szene. Auf seinem Facebook-Profil prangt das Logo der NPD. Über das Internet suchte er Kontakt zu rechtsradikalen Netzwerken. Unter anderem finden sich auf seiner Facebook-Seite Texte von rechtsextremistischen Rockbands. Angeblich hatte Stefan B. seit über einem Jahr auch Kontakt zu einer rechtsextremen Facebook-Gruppe aus Österreich.

Stefan B. sitzt unterdessen in seiner Zelle in der JVA Kaisheim. Möglicherweise wird er schon bald Besuch von Fahndern aus Tirol

 

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