Start in München Oply: Dieser Anbieter will das Carsharing neu erfinden

Katharina Wagner: Chefin des Carsharing-Anbieters Oply. Foto: Daniel von Loeper

Der Carsharing-Anbieter Oply startet mit 100 Autos und ziemlichen Kampfpreisen in München – und verschärft so die Konkurrenz auf dem Markt.

München - Stehen ein Focus, ein Fiesta und ein Mazda MX-5 am Landaubogen – nein, das ist nicht der Auftakt zu einem fantastischen Autofahrer-Witz. Ein neuer Carsharing-Anbieter hat die drei Fahrzeuge gegenüber von der AZ-Redaktion geparkt. Chefin Katharina Wagner will bei einer kleinen Rundfahrt gerne ihr Geschäftsmodell erklären. Der neue Anbieter trägt den putzigen Namen Oply – was nichts bedeutet, aber im Ohr von Kunden gleich sympathisch klingen soll.

Über das Wiesbadener Kennzeichen muss man großzügig hinwegsehen, das wird jedes Auto haben. Mit den Behörden in Hessen hat Oply einen Deal, damit es mit der Zulassung besonders schnell geht. Ist natürlich ein Vorteil, führt aber dazu, dass auch der stolzeste Münchner mit diesem merkwürdigen WI-Kennzeichen herumfahren muss.

Oply: Jedes Auto hat einen Kindersitz

Bevor die Probefahrt losgeht, weist Wagner noch auf den Kindersitz im Kofferraum hin. Den hat jedes Auto bei Oply standardmäßig. Dann greift sie zu ihrem Handy, entsperrt mit einem Fingerwischen das Auto - und schon kann man den Motor anlassen.

Oply ist eigentlich in Berlin zu Hause, wird nun aber zunächst hier in München versuchen, den Carsharing-Markt aufzumischen. München sei die einzige Stadt in Deutschland mit einer Carsharing-Verordnung, sagt Geschäftsführerin Wagner. Wo kann man die Autos abstellen und was kostet das? Das sei nirgendwo sonst so gut geregelt wie in der bayerischen Landeshauptstadt.

Was bei der Rundfahrt mit Oply-Chefin Wagner auffällt: Man begegnet relativ wenigen anderen Carsharing-Autos. In der Schwanthalerstraße steht ein Smart von Car2Go, am Maximiliansplatz ein Mini von Drive Now (lesen Sie hier: Daimler übernimmt Car2Go komplett). Im Wesentlichen sind die Münchner aber immer noch mit ihrem privaten Pkw unterwegs (Auf's Auto verzichten? - Nicht mit den Münchnern).

Carsharing im Trend: "Der Bedarf steigt weiter"

Wagner glaubt trotzdem, dass Carsharing das Thema der Zukunft ist. "Der Bedarf wird weiter steigen", sagt sie. Und wenn man sich nur mal kurz die Vorteile überlegt: kein lästiges Reifenwechseln mehr, kein Aussaugen, kein Autowaschen - das erledigt alles der Anbieter. Man selbst sitzt nur am Steuer. Das hat schon was.

Oply wird in München mit einer Flotte von 100 Autos starten - was verhältnismäßig wenig ist. Der Konkurrent Drive Now zum Beispiel ist mittlerweile mit 750 Autos in der Stadt präsent. Die Oply-Autos werden zudem auf 41 Parklizenzgebiete verteilt sein. Macht im Schnitt also nur rund zweieinhalb Autos pro Lizenzgebiet.

Oply verspicht: Maximal zehn Minuten bis zum nächsten Auto

Bei Oply sieht man das nicht zwangläufig als Nachteil. "Maximal zehn Minuten bis zum nächsten Auto", verspricht Wagner. Wenn man nicht gerade eine Garage vor der Haustüre habe, habe man es bei dem hohen Parkdruck in München auch zum privaten Pkw zumeist nicht viel näher, so die 34-Jährige. Zudem konkurriere Oply nicht unbedingt mit den anderen Anbietern. Man verstehe das Angebot eher also Ergänzung.

Bei Oply kann man sich entscheiden, ob man sich ein Auto spontan für eine kurze Spritztour ausleiht oder ob man sich das Auto Wochen im Voraus für einen mehrtägigen Urlaub buchen möchte - beides ist möglich. Das Konzept vereine damit das Beste aus Carsharing und Autovermietung, findet Wagner. "Wir haben uns von jeder Torte die Kirschen heruntergepickt", sagt sie.

Mit einem Grundpreis von sechs Euro die Stunde startet Oply mit ziemlichen Kampfpreisen in den Markt. Das Zwei-Stunden-Paket bei der Daimler-Tochter Car2Go kostet zum Beispiel 17,90 Euro. Im Vergleich zu den anderen Anbietern - Drive Now, Flinkster, Bee Zero und wie sie alle heißen - ist Oply damit tatsächlich verhältnismäßig günstig.

Dass Oply in seinem Fuhrpark zu 90 Prozent auf die Modelle Focus und Fiesta setzt, hat übrigens nichts damit zu tun, dass Ford seine Finger mit im Spiel hätte. Das Startkapital - immerhin ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag - stammt von verschiedenen Investoren, darunter auch der chinesische Automobilkonzern Saic Motor.

In fünf Jahren soll die Hälfte der Flotte elektrisch fahren

Saic baut auch Elektroautos - was jedoch nicht bedeutet, dass in München bald viele davon fahren werden. Das grundsätzliche Ziel von Oply sei es aber schon, sagt Wagner, in spätestens fünf Jahren die Flotte mindestens zur Hälfte mit Elektrofahrzeugen auszurüsten. Da stehe momentan aber eher ein kleiner Flitzer im Fokus, so die Oply-Chefin, nämlich der Renault Zoe.

Am 27. März kann man die Oply-Autos zum ersten Mal buchen. Man wird aber auch jetzt schon einige im Stadtgebiet entdecken können. Leider gebe es immer noch viele Menschen, die nicht wüssten, was Carsharing überhaupt ist, sagt Wagner. Deswegen müsse man kräftig Werbung machen. Die Autos in einer Tiefgarage zu verstecken, sei deshalb keine Option, so Wagner.

 

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