Start im November Motorworld: Münchens neuer PS-Tempel öffnet in Freimann

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Der Eingang auf der Sonnenseite: Am Südende soll es ab November so aussehen. Auch eine kostspielige Tiefgarage wurde über die letzten vier Jahre gebaut. Foto: Visualisierung Motorworld

Im früheren Eisenbahnwerk Freimann wird bald eine Event-Meile mit Oldtimern fertig. 200 Millionen Euro investiert ein Mäzen.

 

München - Noch etwa vier Monate dauert es, bis das 60.000 Quadratmeter große Areal in Freimann, rund um Zenith und Kesselhaus an der Lilienthalallee, um eine Attraktion reicher wird. Ab November soll hier, wo von den 1920ern bis in die 1990er Lokomotiven gewartet wurden, die Motorworld eröffnen – eine Mischung aus Automuseum, Restaurant, Hotel und Eventfläche.

Eine Durststrecke von mehr als einem Jahrzehnt wird dann enden, in dem nicht klar war, was aus diesem denkmalgeschützten Backsteingebäude eigentlich mal werden soll. Es gammelte vor sich hin. Zwischendurch wurden die Kellerräume zwar als Musik-Proberäume genutzt, einige Büros zogen im ersten Stock ein.

Aber der Großteil dieser brachial großen, fast 20 Meter hohen Hallen stand eben leer.

Motorworld in Freimann deutlich teurer als erwartet

"200 Millionen Euro plus X wird das Projekt kosten", sagt Motorworld-Geschäftsführerin Arantxa Dörrié, "ohne Förderung mit Steuergeldern." Die einzige finanzielle Erleichterung werde der schwäbische Investor Andreas Dünkel (56) durch Steuerermäßigungen bekommen, da er ein denkmalgeschütztes Gebäude saniert.

Der Umbau startete vor etwa vier Jahren. Und von einer Kostenexplosion zu sprechen, ist sicher nicht übertrieben. Ursprünglich hatte Dünkel mit etwa 85 Millionen Euro geplant, um dem Areal samt neuer Tiefgarage ein neues Gesicht zu geben. "Baukosten sind in den vergangenen Jahren enorm gestiegen", sagt dazu Geschäftsführerin Dörrié. Dem sei das großteils geschuldet.

Motorworld in Freimann: Eintritt für alle Besucher frei

Dünkel kann es sich offensichtlich leisten. Sein Firmenimperium fußt auf einem Familienunternehmen, den Kieswerken Dünkel, gegründet 1933 im schwäbischen Schemmerhofen. Und von den Münchnern wird er das viele Geld nicht direkt zurückholen.

Die Motorworld soll keinen Eintritt kosten. Von Anfang an betonte Dünkel, dass dieser PS-Tempel niemanden ausschließen werde. "Das ist mir sehr wichtig", sagte Dünkel schon vor vier Jahren.

Und so soll das Ganze funktionieren: fünf Restaurants für jeden Geldbeutel, Automuseum für alle, Lifestyle-Shopping, kleines Kino, 13 Tagungs- und Event-Flächen, Hotel, exklusive Oldtimer-Pflege und -Aufbewahrung. Wer einen Oldtimer hat, kann sich für eine der 112 Glasboxen bewerben. "Je nach Paket wird die Miete dieser Boxen zwischen 295 und 500 Euro pro Monat kosten", sagt Dörrié.

"Es herrscht 911er-Stopp. In München ist das ein Allerwelts-Auto"

Die Idee: Das Fahrzeug wird gehegt, gepflegt, gestreichelt und im Glaskasten ausgestellt, damit alle interessierten Besucher das Auto bewundern können. Wer eine Ausfahrt mit seinem Schätzchen machen möchte, kann den Auto-Lift in den Glaskästen anschmeißen und das seltene Blech nach der Tour wieder ausstellen.

"Aber", sagt Dörrié in Richtung der Interessenten für die Glasboxen, "es herrscht 911er-Stopp." Der Porsche 911 sei ja in München so etwas wie ein Allerwelts-Auto. Zwecks der Vielfalt haben daher seltenere Oldtimer bessere Chancen, in der Glaskasten-Galerie aufgenommen zu werden. "Es müssen nicht die Superteuren sein, auch ein gut gepflegter VW Käfer könnte aufgenommen werden."

Schräges Detail am Rande: Wer sein Fahrzeug während der Nachtruhe anfassen möchte, kann das ab November in der Motorworld so arrangieren. Es gibt einige wenige Hotelzimmer am Westende des Backsteingebäudes, wo das Auto neben das Bett gefahren werden kann, "um es auch nachts in Reichweite zu haben", sagt Dörrié.

Idee Motorworld: In Böblingen 600.000 Besucher per anno

Der Freimanner PS-Tempel soll nicht nur für diejenigen zum Mekka werden, die von sich behaupten, "Benzin im Blut" zu haben. Alternative Mobilität soll hier einen Raum bekommen.

Ein Hersteller von fliegenden Autos (Mischung aus Helikopter und Fahrzeug) werde laut Dörrié eine Ausstellungsfläche anmieten. Auch Anbieter von Elektromobilität sollen hier ansässig werden.

"Alle Formen von Mobilität sind für uns interessant", so Dörrié. Die Motorworld könnte den Münchner Norden beleben, der an der Lilienthalallee ein wenig brach liegt. Blickt man zur Motorworld Böblingen, verstärkt sich der Eindruck: Die Stadt hat etwa 50.000 Einwohner. Die Motorworld zählt hier 600.000 Besucher pro Jahr.

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