Start der Eishockey-WM Spaßkanone, Rocker, Franz-Fan: So tickt Bundestrainer Söderholm

Seit Januar Eishockey-Bundestrainer: Ex-EHC-Coach Toni Söderholm. Foto: Uwe Anspach/dpa

Bei der Eishockey-WM steht Toni Söderholm vor seiner ersten Prüfung als Bundestrainer. Seine Trainerkarriere begann er beim EHC München.

 

München - Das Klischee vom schweigsamen Finnen erfüllt Toni Söderholm ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Als Spieler galt Söderholm als Spaßkanone, als Gute-Laune-Onkel – auch und gerade in seiner Zeit beim EHC Red Bull München, mit dem er 2016 den Meistertitel gewann.

"So einen positiven, lustigen Menschen habe ich in meinem Leben noch nicht oft erlebt", sagte einst sein damaliger Mitspieler und jetziger Leistungsträger in der Nationalmannschaft, Dominik Kahun.

"Ich bilde mir zumindest ein, dass ich ein paar gute Witze und Scherze auf Lager habe", sagte Söderholm damals zur AZ, "mir fällt immer mal wieder was ein, da denke ich gar nicht lange drüber nach, das sprudelt halt so aus mir raus."

Söderholm: "Erinnerung, die ich mit ins Grab nehmen werde"

Mittlerweile wirkt Söderholm ernster, nachdenklicher, überlegter. Und das liegt vermutlich an seinem neuen Job: Seit 1. Januar ist der 41-Jährige Eishockey-Bundestrainer. Bei der Weltmeisterschaft in der Slowakei, die fürs deutsche Team mit dem Spiel am Samstag gegen Großbritannien beginnt, steht er vor seiner ersten großen Bewährungsprobe.

"Man sollte es nicht allzu groß machen", meint der einstige Verteidiger, der 2015 über die Stationen HIFK Helsinki, University of Massachusetts, SC Bern und Frölunda Göteborg nach München kam, "es bringt mir nicht so viel, wenn ich Wert darauf lege, ob es meine erste oder meine zehnte WM ist. Klar ist es ein spezielles Gefühl."

Ein WM-Neuling ist Söderholm, der eng mit Rocksänger Samu Haber ("Sunrise Avenue") befreundet ist, dennoch nicht, 2004, 2005 und 2007 stand er im Kader des finnischen Nationalteams, mit dem er 2007 Vizeweltmeister wurde.

"Das ist eine unvergessliche Erinnerung, die ich mit ins Grab nehmen werde", schwärmte er. "Wir sind zwar im Finale an Kanada gescheitert, aber im Halbfinale haben wir die Russen in Russland ausgeschaltet."

Söderholm: Lange Zeit nur Insidern ein Begriff

Seit vier Jahren nun lebt und arbeitet Söderholm, der in Kauniainen, einem kleinen Ort an der finnischen Südküste geboren wurde, in Deutschland. Seine Berufung zum Bundestrainer als Nachfolger von Olympia-Silbertrainer Marco Sturm, der als Co-Trainer in die NHL zu den Los Angeles Kings wechselte, kam überraschend.

Als Trainer hatte sich Söderholm nur bei Insidern einen Namen gemacht. Nach seinem Karriereende 2016 engagierte ihn der EHC Red Bull München als Co-Trainer von Don Jackson, er sollte sich vor allem um die Entwicklung der jungen Spieler kümmern und zum potenziellen Nachfolger Jacksons aufgebaut werden.

Ein Jahr später wurde Söderholm Cheftrainer beim Kooperationspartner des EHC in der DEL2, dem SC Riessersee. Gleich in seinem ersten Jahr wurde er Meister und zum Trainer des Jahres in der DEL2 gewählt.

Auch nach dem finanziellen Absturz in die Oberliga blieb Söderholm Trainer in Garmisch-Partenkirchen, ehe ihn der Ruf des Deutschen Eishockey Bundes erreichte, für den er vorher schon als Co-Trainer der U 20-Nationalmannschaft gearbeitet hatte.

Söderholm: Die Anekdote Franz Beckenbauer

Zu Deutschland hatte Söderholm, der schon vor seinem Wechsel nach München fließend Deutsch sprach, immer eine besondere Beziehung. Sein Vater arbeitete für BMW, war Attaché in Finnland. Und sorgte in dieser Funktion für einen der großen Höhepunkte im Leben des jungen Toni.

Als er einmal Fußballkaiser Franz Beckenbauer auf einer Scoutingtour durch Finnland kutschierte, fuhr er ihn vor das Haus der Söderholms. "Ich war ein Bub und plötzlich steht Beckenbauer vor dir und legt den Arm um dich. Das war eine fast irreale Erfahrung", erinnerte sich Söderholm in der AZ.

"Ich habe das Foto gerahmt in meinem Haus. Es ist einer der großen Schätze dort." Klingt ja fast logisch, dass Söderholm später in München und nun als deutscher Nationaltrainer anheuerte.

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Gruppe A in Kosice: Kanada, USA, Finnland, Deutschland, Slowakei, Dänemark, Frankreich, Großbritannien

Gruppe B in Bratislava: Schweden, Russland, Tschechien, Schweiz, Norwegen, Lettland, Österreich, Italien

Die deutschen Spiele

Samstag, 11. Mai, 16.15 Uhr: Deutschland - Großbritannien
Sonntag, 12. Mai, 16.15 Uhr: Dänemark - Deutschland
Dienstag, 14. Mai, 20.15 Uhr: Deutschland - Frankreich
Mittwoch, 15. Mai, 20.15 Uhr: Deutschland - Slowakei
Samstag, 18. Mai, 16.15 Uhr: Kanada - Deutschland
Sonntag, 19. Mai, 16.15 Uhr: Deutschland - USA
Dienstag, 21. Mai, 12.15 Uhr: Finnland - Deutschland

 

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