"Star Wars" im Kino "Der Aufstieg Skywalkers": Die ganz große Umarmung

Alte und neue Star-Wars-Helden (von links): Chewbacca (Joonas Suotamo), BB-8, D-O, C-3PO, Rey (Daisy Ridley), Poe Dameron (Oscar Isaac) und Finn (John Boyega). Foto: Lucasfilm Ltd.

Dafür, dass die Aufgabe unlösbar ist, hat J. J. Abrams einen ganz guten letzten Teil der "Star-Wars"-Saga geschaffen: "Der Aufstieg Skywalkers" läuft heute im Kino an.

 

Erste Erkenntnis: Dafür, dass das Universum so verdammt groß ist, sind erstaunlich viele Menschen in der "Star Wars"-Welt überraschend nah miteinander verwandt.

Zweite Erkenntnis: Deine Familie kann noch so mies und bösartig sein – wenn du nur mit den richtigen Leuten aus anderen Familien abhängst, spielt deine Abstammung keine Rolle.

Regisseur J. J. Abrams hatte die undankbare Aufgabe, George Lucas’ Kino-Mega-Erfolg "Star Wars", der 1977 seinen Anfang nahm und seitdem mit sieben weiteren Filmen der Hauptreihe und diversen Ablegern fortgesetzt wurde, zu einem würdigen Ende zu bringen.

Und dafür, dass diese Aufgabe praktisch unmöglich ist, weil die Erwartungen so unendlich groß, die dramatische Aufladung so gigantisch ist, hat er seinen Job recht gut gemacht.

"Der Aufstieg Skywalkers": Ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten

Wir erinnern uns: Es begann einst mit den Rebellen Luke Skywalker, Prinzessin Leia und Han Solo, die gegen den dunklen Darth Vader und den finsteren Imperator kämpften. Viele Charaktere auf beiden Seiten kamen in den folgenden vier Jahrzehnten hinzu.

"Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers", der heute im Kino anläuft, ist nun noch einmal die ganz große Umarmung mit der Vergangenheit, ein Treffen mit sehr vielen alten Freunden – zu dem aber dankenswerterweise nicht alle eingeladen wurden: die Typen, die zwischen 1999 und 2005 zum Freundeszirkel gestoßen sind, fehlen.

Der letzte Teil der "Star Wars"-Saga

Der Abschluss der nunmehr neunteiligen Haupt-Saga lässt neben vielen bekannten Gesichtern auch viele bekannte Szenen wieder auftauchen, und man will zugunsten der Kreativen davon ausgehen, dass dies als Verneigung vor dem großen, Filmgeschichte gewordenen Gesamtwerk gedacht und nicht aus reiner Einfallslosigkeit geschehen ist.

Wieder muss zum Beispiel ein gefangenes gutes Wesen aus einem Weltraum-Fahrzeug der bösen Seite befreit werden – doch diesmal ist es nicht die zarte Prinzessin Leia, die aus dem Todesstern befreit werden muss wie noch im ersten Teil "Eine neue Hoffnung" von 1977.

"Der Aufstieg Skywalkers": Indiana Jones, Mad Max und Waterworld

Diesmal ist eine Frau die Retterin: Rey steht im Zentrum von "Der Aufstieg Skywalkers". Das hatte sich in den vergangenen beiden Filmen schon angekündigt. Die herkunftslose Rey tauchte in "Das Erwachen der Macht" (2015) auf und war auch eine der Hauptfiguren in "Die letzten Jedi" (2017). Und der erfahrene Zuschauer weiß: Wenn du bei "Star Wars" keine Eltern hast, such auch nicht nach ihnen. Sonst wird dein Leben nur schlimmer.

"Der Aufstieg Skywalkers" ist eine rasante Mischung aus "Indiana Jones", "Mad Max" und "Waterworld". Die langen Laserschwert-Kämpfe gehören natürlich dazu, auch die "Macht", dieses geheimnisvolle Energiefeld. Bisweilen wird es dann aber doch ein bisschen viel mit dem Energie-Voodoo. Einige Szenen sehen dadurch aus wie in einer billigen Oper.

Eine der albernsten Szenen: Einmal streiten sich Rey und der Bösewicht Kylo Ren (Adam Driver sieht weiterhin aus wie ein zorniges Kind) um ein startendes Raumschiff. Jeder versucht, es auf seine Seite zu ziehen, so dass der Koloss am Himmel hin und her hüpft. Und wie bei Kindern, die sich um ein Spielzeug streiten, gilt: Wenn niemand nachgibt, ist das Streitobjekt am Ende kaputt. Blöd nur, wenn es ein Raumschiff ist – und ein guter Freund an Bord war. Insgesamt aber ist es ein sehr unterhaltsamer Film geworden, der mit so vielen Überraschungen aufwartet, dass einen am Ende gar nichts mehr wundert.

"Der Aufstieg Skywalkers": Hier wird die Kraft der Freundschaft gefeiert

Die Bilder aus dem Weltraum, von allerlei Planeten, die Vielzahl der Fahrzeuge sind natürlich eine Wucht. Ein Schauplatz ist das wasserumtoste Wrack eines alten Todessterns, auch hier spannt das Drehbuch also den Bogen zu früheren Teilen.

Auch kommen wieder viele neue, zum Teil sehr bizarre Wesen vor, auf Albernheiten wie den computergenerierten Kröten-Kasper Jar Jar Binks verzichtet man aber angenehmerweise. Und Liebes-Kitsch wie in den Filmen zwischen 1999 und 2005, als sich Hayden Christensen und Natalie Portman unter Blumenranken küssten, gibt es auch nicht. Danke allein schon dafür!

Statt Liebesschwülstigkeit wird die Kraft der Freundschaft zelebriert. Die junge Generation lernt von der alten. Als der Weltraum-Krieger Poe Dameron mutlos fragt, wie Lando Calrissian (Billy Dee Williams) und seine Freunde damals gegen das Imperium gekämpft haben, antwortet Calrissian: "Wir hatten einander, so haben wir es gemacht!" Die Botschaft des Films ist also: Vertraue auf deine Freunde! Wenn du in Not bist, kommen sie. Auch wenn es manchmal etwas dauert.

Eine zweite Botschaft: Unterschätze niemals einen Droiden! Neben dem kugeligen BB-8 haben auch R2-D2 und C-3PO wieder ihren Auftritt – die beiden letzten haben es also als einzige Charaktere in jeden der neun Filme geschafft.

Aber eigentlich ist es bei der "Star Wars"-Saga wie beim Universum: Ein wirkliches Ende kann man sich nicht vorstellen. Irgendwas, denkt man auch beim Abspann dieses neunten Films, muss doch da noch kommen. Es kann doch nicht einfach aufhören.


R: J.J. Adams (USA, 142 Min.)

Kinos: Cincinnati (dt./3D), Neues Rex (dt./3D), Royal (dt./2D, dt./3D), Solln (dt./2D), Leopold (dt./3D), Cadillac & Veranda (dt./2D, OV/2D), ARRI (dt./3D, OV/2D), Cinemaxx (dt./2D, dt./3D, OV/2D, OV/3D), Mathäser (dt./2D, dt./3D, OV/2D, OV/3D), Gloria (dt./2D, dt./3D, OV/3D), City (OmU/2D), Monopol (OmU/2D), Museum-Lichtspiele (OV/2D), Cinema (OV/2D, OV/3D)


 
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