Stadt platzt aus den Nähten IHK fordert: München muss ins Umland wachsen

Der Blick geht übers Glockenbachviertel mit St. Maximilian bis zu den Alpen: Weil in München der Platz knapp wird, sollen laut IHK die Umland-Gemeinden wachsen. Foto: Sigi Müller

Bis 2030 werden im Großraum München weitere 260000 Menschen leben. Die IHK fordert deshalb, dass die Umland-Gemeinden sich öffnen. Eine Studie zeigt: Das wird gar nicht so einfach

München - Wer nicht wachsen will, muss zahlen. Und zwar an diejenigen, die wachsen wollen. Anders, so die Industrie- und Handelskammer München Oberbayern (IHK), werde München aus allen Nähten platzen.

Bis zum Jahr 2030 werden rund 260000 Menschen mehr im Großraum München wohnen, sagt die IHK. Der Platz in der Stadt ist aber begrenzt. Deshalb sollen die Gemeinden im Umland wachsen, fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen: „Wachstum darf kein Schimpfwort sein!“

Es müssten neue Gewerbeflächen und Wohnbaugebiete ausgewiesen, der öffentliche Nahverkehr massiv ausgebaut und neue Zentren im Umland geschaffen werden, sagt Driessen. Dazu solle man wachstumswillige Gemeinden finden und belohnen: „Mit Zuschüssen, an denen sich alle Kommunen in der Region finanziell beteiligen.“

Viele Gemeinden wollen aber nicht wachsen. Sie fürchten steigende Preise, etwa bei den Mieten. Peter Driessen hält das für einen Trugschluss: „Wer nicht wächst und nicht mehr Wohnraum anbietet, verknappt das Angebot. Dann wird es teurer.“

Auch die geplanten Gesetze der Bundesregierung zum Mieterschutz greift Driessen an. Die Mietpreisbremse sei eine Wachstumsbremse: „Solche Maßnahmen haben langfristig eine verheerende Auswirkung, das sie den gerade in Schwung gekommenen Trend zum Wohnungsbau bremsen.“

Für die Studie, aus der die IHK diese Forderungen ableitet, wurden unter anderem 50 Bürgermeister aus dem Großraum München und Bayern befragt. Das Ergebnis: Jeder macht gern sein eigenes Ding. „Dieses Kirchturmdenken muss aufhören“, sagt IHK-Chef Peter Driessen. „Wir brauchen eine neue Konzeptregion.“

Die Konkurrenz unter den Kommunen gefährde die Entwicklung des Großraums. Deshalb brauche es eine neutrale Stelle, etwa eine Stiftung, die einen Dialog aufbaue.

Nichts zu tun, wäre für die Gemeinden fatal, meint IHK-Chef Peter Driessen: „Dann werden sich Probleme wie Wohnungsknappheit oder der Fachkräftemangel nur noch verschärfen.“ Seine Botschaft an Gemeinden die bleiben wollen, wie sie sind, ist also: Wer nicht wächst, verliert.

 

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