Stabile Preise wackeln Mülltrennung spart Münchnern viel Geld - aber wie lang noch?

So durcheinander wie in diesem Abfalleimer geht es in den Münchner Privathaushalten nicht zu. Foto: dpa

Weil die Münchner ihren Müll so gut trennen, sind die Preise der Müllabfuhr günstig und stabil. Das könnte sich allerdings bald ändern.

 

München - Es gibt gewiss undankbarere Aufgaben, als Chef der Münchner Abfallwirtschaft zu sein. Jedes Jahr aufs Neue wird Helmut Schmidt von Delegationen aus der ganzen Welt umschmeichelt. Was die Gäste dann am meisten interessiert: Wie um Himmels Willen bekommt München das hin, seine Müllgebühren auf so niedrigem Niveau zu halten?

In Frankfurt kostet die Müllabfuhr doppelt so viel

Im Schnitt gerade einmal 28 Euro und drei Cent pro Kubikmeter zahlt ein Münchner Haushalt im Jahr. Damit liegen die Gebühren weit unter dem, was in anderen deutschen Großstädten für die Müllentsorgung fällig wird. In Frankfurt am Main zum Beispiel zahlt man mit 56,78 Euro mehr als das Doppelte.

Gründe für die günstigen Preise gibt es mehrere: Zum einen sind die Münchner offenbar recht vorbildliche Mülltrenner. Pro Person fallen hier nur etwa 208 Kilogramm Restmüll im Jahr an. Diesen Wert erreicht kaum eine andere Stadt in Deutschland. Zum anderen hat München – anders als etwa Frankfurt – die Abfallwirtschaft nie aus der kommunalen Hand gegeben. Auch dieser Umstand trug wesentlich zur Stabilität bei.

Ausstieg aus Kohleverbrennung könnte Preise erhöhen

In den kommenden Jahren könnte die heile Münchner Müll-Welt allerdings ein bisschen ins Wanken geraten. Für 2017 und 2018 sind die Gebühren zwar bereits fix, da wird es keine Erhöhung geben. Was danach kommt, lässt sich momentan aber schwer sagen.

Was die Sache etwa unwägbar macht, ist die Frage, wie es mit dem Heizkraftwerk-Nord weitergeht. Sollte die Stadt tatsächlich aus der Kohleverbrennung aussteigen, wie im Stadtrat derzeit diskutiert wird, müssten der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) für die Betriebskosten alleine aufkommen. „Das wird massive Auswirkungen auf die Müllgebühren haben“, sagt AWM-Chef Helmut Schmid.

Als politische Drohung will Schmidt das freilich nicht verstanden wissen. Schließlich arbeitet auch sein Betrieb seit Jahren intensiv daran, seine Öko-Bilanz aufzubessern. Die schmutzige Kohleverstromung will da nicht so recht ins Bild passen.

Verschweigen will er es aber auch nicht: Der Kohleausstieg könnte für die Verbraucher teuer werden. Der gewissenhafte Umgang mit Müll hat den Münchnern stabile Preise beschert. Nun wackelt dieses Prinzip.


Wasser wird 2,8 Prozent teurer

Die Stadtwerke München erhöhen zum 1. Januar die Trinkwassergebühren – und zwar um durchschnittlich 2,8 Prozent. Ein Standardhaushalt mit zwei Personen wird im Monat damit künftig um die 42 Cents mehr bezahlen müssen.

Im Vergleich der zehn größten Städte Deutschlands ist München damit aber immer noch am zweitgünstigsten. Als Grund für die Preisanpassung geben die Stadtwerke gestiegene Personalkosten und notwendige Arbeiten am Leitungsnetz an.

 

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