Staatstheater Augsburg Die "Zauberflöte" auf dem Jahrmarkt

Mozarts "Zauberflöte" im Staatstheater Augsburg. Foto: Jan-Pieter Fuhr

In Augsburg verlegt Andrea Schwalbach Mozarts „Zauberflöte“ auf den Jahrmarkt

Wir Älteren kennen die Klementine aus dem Werbefernsehen. Im Staatstheater Augsburg hat sie sich verdreifacht und strickt jene berühmte Schlange, die am Beginn der „Zauberflöte“ aufzutreten pflegt. Dann leuchtet eine blaue Warnlampe. Tamino ist ein wenig durch den Wind und erinnert an den jüngeren Herbert Achternbusch. Er zappelt anfangs an einer Angel und wird – warum auch immer – von den drei Klementinen ausgeschickt, um Pamina zu retten.

Mozarts Oper werfe viele Fragen auf, so das Programmheft. Andrea Schwalbach fügt ihnen noch ein paar Rätsel hinzu. Die Regisseurin hat die „Zauberflöte“ in die romantische Sphäre von Jahrmarkt und Zirkus verlegt. Polyglotte Opernbesucher oder Besitzer eines internetfähigen Abspielgeräts könnten sich an Lydia Steiers Salzburger Neuinszenierung vom letzten Sommer erinnert fühlen. Aber das ist Zufall: Bei der Augsburger Produktion handelt es sich um das Reenactment einer drei Jahre alten Inszenierung aus Bielefeld. Und den Zirkus gab’s vor Jahren auch schon mal bei Achim Freyer.

Es macht eine Menge Spaß, dabei zuzuschauen, wie der schlacksige Papageno den leicht vertrottelten Tamino um einen Kopf überragt. Hübsch sind die beiden Oktoberfestrausschmeißer: Markus Hauser (Sprecher) und Oliver Marc Gilfert (Zweiter Priester) spielen mit Tamino Good und Bad Cop, das männliche Schaubudenpersonal unterstützt sie dabei.

Klementine trifft Herbert Achternbusch

Dann erscheint der offenbar gerade wegen seiner frauenfeindlichen Sprüche von den Damen angehimmelte Sarastro (Guido Jentjens). Er steht einer Art Schichtl-Varieté-Bude vor und verwandelt seine Gegner in Marionetten. Die Königin der Nacht ist von Anfang an nur eine Grusel-Puppe, mit der die drei Klementinen den tapsigen Tamino für ihre Pläne gefügig machen.

Das alles folgt einer Traumlogik, um es höflich zu formulieren. Eine durchgehende Geschichte stellt sich nur sehr bedingt her, aber die szenenweise Erzählung der Geschichte durch Andrea Schwalbach und Anne Neuser (Ausstattung) hat ihren Charme. Sie dürfte Kindern womöglich mehr gefallen als der gute alte Emanuel Schikaneder. Natürlich lässt sich fragen, wieso Pamina zu einem Papageno Vertrauen fasst, der sich als Double des bedrohlichen Monostatos erweist. Aber es schaut gut aus, ähnlich wie die hier als Clown-Marionetten maskierten Drei Knaben, die immer wieder mal aus einer Schublade hüpfen. Und zwischendrin beschimpfen sich noch die drei Klementinen.

Das Staatstheater Augsburg hat eine exzellente Königin der Nacht (Olena Sloia), muntere Augsburger Domsingknaben und ein solides Ensemble voller schräger Typen, die wunderbar zu Andrea Schwalbachs Einfällen passen. Die Augsburger Philharmoniker spielen unter Lancelot Fuhry historisch informiert mit einschlägigen Blechblasinstrumenten. Der Klang ist knackig, das Tempo flott, Paminas Arie „Ach ich fühl’s“ könnte ein wenig mehr Ausdruck vertragen. Da Pamina aber mehr ein Püppchen und die Aufführung sich ohnehin für das Psychologische weniger interessiert, lässt sich das verschmerzen.

Wieder am Mittwoch sowie am 9., 14., 22. Dezember und im Januar im Martini-Park, Infos unter www.staatstheater-augsburg.de
 

 

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