Staatstheater Augsburg "Ariadne auf Naxos" im Martini-Park

"Ariadne auf Naxos", inszeniert von Dirk Schmeding im Staatstheater Augsburg. Foto: Jan-Pieter Fuhr

„Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss im Staatstheater Augsburg mit einem bemerkenswerten Tenor aus Südafrika

 

Der Komponist schwärmte mehr für weibliche Stimmen. Tenöre hielt Richard Strauss seit dem Debakel seiner ersten Oper „Guntram“ für schauspielerisch unbegabte Tölpel. Und nur, wenn sich eine Männer-Rolle partout nicht für eine Mezzosopranistin in Hosen eignete, schrieb er für Heldentenor. Dann aber so schwer, dass es meist wenig Spaß macht, solchen Anstrengungen beizuwohnen.

So ist das fast überall in der Welt – nur nicht im Staatstheater Augsburg. Jacques le Roux bewältigt die berühmt-berüchtigte Partie des Bacchus in „Ariadne auf Naxos“ nicht nur, er singt sie mit heldischem Metall wirklich schön. Nur ganz am Ende der Oper drehen die Augsburger Philharmoniker so auf, dass der aus Südafrika stammende Sänger ein wenig zu kämpfen hat, obwohl nur ein Kammerorchester mit 36 Musikern im Graben sitzt.

Kabarett und Schwelgerei

Dass die Interimsspielstätte im Martini-Park das Orchester begünstigt, ist allerdings ein zusätzlicher Reiz dieser Aufführung. Die viel gerühmte Instrumentierungskunst kommt hier viel besser heraus als in einem großen Theater. Domonkos Héja holt den Gegensatz zwischen der kabaretthaften Musik der Figuren um Zerbinetta und der symphonischen Schwelgerei von Bacchus und Ariadne prächtig heraus. Leider klapperte es vor der Pause ein wenig, aber das wird sich nach der Premiere gewiss herauswachsen.

Der Regisseur Dirk Schmeding kämpfte recht deutlich mit dem Problem fast aller Strauss-Inszenierungen. In den Opern des Garmischer Meisters ist alles bereits so perfekt abgeschmeckt und symphonisch ausgedeutet, dass für eine Interpretation kein großer Spielraum bleibt. Und wenn man’s anders macht, entstehen schnell unauflösbare Widersprüche.

Im Vorspiel treten sich die Figuren auf dem engen Raum einer Art Garage auf die Füße, wo das Feuerwerk gelagert wird (Bühne: Martina Segna). Den Hyper-Realismus von Paletten mit Plastikkanistern bricht Schmeding mit der leicht surrealen Anlieferung der Künstler als Sperrgut. Leider gefällt sich der Haushofmeister (Erik Völker), anstatt Tempo zu machen, in der etwas billigen Darstellung österreichischer Aasigkeit.

Hochzeit im Smoking

Unvergesslich wird einem aber das wohlstandsverwahrloste Kind bleiben, das sich im Hintergrund für das Bankett des reichsten Mannes von Wien ebensowenig interessierte wie für die Leiden der Künstler, sondern ausschließlich für seinen Gameboy. Bei Schmeding ist die Oper das Werk einer Komponistin. Die im Vorspiel angedeutete Idee, Ariadnes Weltschmerz sei ihr Selbstporträt, spielt die Inszenierung schlüssig aus. Die Komödianten um die ansprechend singende Olena Sloia sind lustiger als sonst.
Ehe am Ende Museumsbesucher erscheinen, zieht Ariadne (Sally du Randt) ihren neuen Liebhaber Bacchus nicht etwa aus, sondern sie hilft ihm in den Smoking hinein.

Das ist raffiniert, weil der Text an dieser Stelle unüberhörbar frivol wird und gleichzeitig auf eine „Heilige Hochzeit“ hinaus will, die himmelhoch über jeder Körperlichkeit steht. Das ist ein Moment, in dem es Schmeding gelingt, von der bloßen Illustration wegzukommen und in szenischen Bildern zu reden. Aber es bleibt schwierig, Strauss zu interpretieren und nicht nur die Tapeten zu wechseln. Augsburgs Staatstheater kann man nicht genug dafür loben, dass es einen Versuch gewagt hat. Und da Jacques le Roux zum Ensemble gehört, steht weiteren tenoralen Glanztaten nichts im Weg.

Wieder am 3., 13. Oktober, 1., 16. und 20. November im Martini-Park, Provinostraße 52, Karten unter Telefon 0821/324-4900
 

 

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