Staatstheater am Gärtnerplatz Was Josef E. Köpplinger plant

Josef E. Köpplinger, der Intendant des Gärtnerplatztheaters, bei der Vorstellung des Spielplans auf der Bühne. Über ihm eine Projektion mit Titeln aus dem Repertoire. Foto: Marie-Laure Briane

Der Intendant des Gärtnerplatztheaters über die kommende Spielzeit, sein Verhältnis zu den Feiernden am Platz und Wünsche an den Bayerischen Rundfunk

 

Das Schlimmste für einen Intendanten ist ein geschlossenes Theater“, sagt Josef E. Köpplinger. Deshalb habe sich sein Haus bemüht, den Rest der verbleibenden Spielzeit maximal zu nutzen: 50 Vorstellungen gab es seit den ersten Lockerungen, 20 folgen noch bis zum Beginn der Sommerpause am 23. Juli, bis dann am 13. September mit der „Zauberflöte“ eine neue Saison beginnt, die coronabedingt nur schwer zu planen ist.

Köpplinger plant für 2020/21 elf Premieren, darunter eine nachgeholte Uraufführung, zwei neue Ballette sowie die deutschsprachige Erstaufführung eines „Komischen Oratoriums“. Ganz einfach wird das alles nicht, denn unter Beachtung der geltenden Abstandsregeln dürfen nur 18 bis 20 Musiker in den Orchestergraben. Eine „Zauberflöte“ in der originalen Besetzung wird da schwierig. Das Haus hat Kammerfassungen und Arrangements in Vorbereitung, um flexibel reagieren zu können.

Peter Tschaikowskys „Eugen Onegin“ ist die erste Premiere (8. Oktober). Ben Baur führt Regie, der Chefdirigent Anthony Bramall steht am Pult. Im November bringt Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner die Uraufführung von „Undine – ein Traumballett“ auf die Bühne und thematisiert damit den gegensätzlichen Wunsch, anders zu sein und doch dazuzugehören.

Belcanto und Krenek

Die Reihe mit Belcanto-Opern wird fortgesetzt: Howard Arman, der künstlerische Leiter des BR-Chors und ständige Gastdirigent am Gärtnerplatz, dirigiert im November konzertante Aufführungen von Donizettis „Anna Bolena“. Kurz vor Weihnachten gibt es dann noch Eduard Künnekes „Der Vetter aus Dingsda“ in der Regie von Lukas Wachernig.

Das neue Jahr beginnt mit Gian Carlo Menottis „Das Medium“ auf der Studiobühne. Im März folgt Ernst Krenek Jazz-Oper „Johnny spielt auf“, deren Münchner Erstaufführung am Gärtnerplatztheater von rechten Störaktionen begleitet wurde. Heute könnte bei dieser Oper eher eine Blackfacing-Debatte aufkommen: Die Hauptfigur ist der schwarze Geiger einer Jazzband. Köpplinger ließ durchblicken, dass er sich des Problems bewusst sei, ohne die Lösung zu verraten.

Nachgeholte Uraufführung

Dann folgen zwei Inszenierungen des Hausherrn. Köpplinger führt Regie im Nonnen-Musical „Non(n)sens“ (Premiere am 31. März), einen Monat später wird die Uraufführung der Oper „Schuberts Reise nach Atzenbrugg“ von Johanna Doderer (Musik) und Peter Turrini (Text) nachgeholt, deren Proben dieses Jahr auf halber Strecke abgebrochen werden mussten.

Nach dem Ballett „Der Sturm“ bringt Köpplinger Anfang Juli Rossinis „Barbier von Sevilla“ heraus – eine Koproduktion mit dem Teatre del Liceu in Barcelona und der Oper Toulouse, auf die der Intendant besonders stolz ist, weil sie den europaweiten Ruf des Gärtnerplatztheaters dokumentiert. Dann folgt ein spektakuläres Finale: Howard Arman, dirigiert das komische Oratorium „Das Leben des Brian“ nach dem legendären Film von Monty Python’s. Nicole Claudia Weber inszeniert die deutschsprachige Erstaufführung.

Die Freien nicht im Regen stehenlassen

Köpplinger vermied eine direkte Kritik an den Maßnahmen der Staatsregierung. Er betonte aber, dass er 250 Besucher in einem Theater mit 900 Plätzen ohne Weiteres für vertretbar halte. In der neuen Spielzeit will er flexibel reagieren. Bei Vorstellungen mit coronabedingten Einschränkungen werden die Preise gesenkt. Um die freischaffenden Gast-Sänger nicht im Regen stehen zu lassen, will Köpplinger lieber ein Verismo-Konzert veranstalten als eine Repertoirevorstellung von „Tosca“ komplett abzusagen.

Zum coronabedingten Loch in der Kasse konnte der Intendant noch keine Details nennen. Das Gärtnerplatztheater habe bereits im März kurz vor der Schließung die Soll-Auslastung erreicht. Sparen könne er in seinem auf Kante genähten Etat allerdings nichts mehr.

Ein Wunsch an den Bayerischen Rundfunk

Das Verhältnis des Theaters zur abendlichen Dauerparty auf dem Gärtnerplatz hat sich ein wenig entspannt. Köpplinger betonte, dass er selbst gern feiere. Er möchte keinesfalls als Spaßbremse wirken. Aber ihn stört die Verantwortungslosigkeit, mit der Müll zurückgelassen werde. Und es sei sehr teuer, bei einem denkmalgeschützten Gebäude Schmierereien und menschliche Stoffwechselprodukte zu entfernen.

Bei der Bekanntgabe des Spielplans waren auch Abonnenten zugelassen. Aus diesem Kreis kam die Frage, weshalb das Bayerische Fernsehen keine Inszenierungen des Gärtnerplatztheaters übertrage. Köpplinger nutzte die Gelegenheit zu einem Appell: Wenn es nach ihm ginge, müsse der BR im Rahmen seines Kulturauftrags zur besten Sendezeit viermal im Jahr eine Aufführung aus den Staatstheatern in München, Nürnberg und Augsburg übertragen. Eine Forderung, der man nicht widersprechen mag und die der Vertreter der Staatstheater im Rundfunkrat ruhig mal forcieren könnte.

Infos zur neuen Spielzeit sowie das auf der Homepage des Gärtnerplatztheaters

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