Staatsanwaltschaft ermittelt Kampfhund Chico eingeschläfert: Morddrohung gegen Tierärzte

Tierschützer fordern die Todesstrafe für diejenigen, die Kampfhund Chico einschläferten. Foto: dpa/Facebook

Nachdem Kampfhund Chico sein Frauchen und deren Sohn totgebissen hatte, wurde das Tier eingeschläfert. Für Tierschützer ist das Mord. Sie fordern: "Kein Vergeben für dieses Verbrechen an einem Folteropfer." Nun hat sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Hannover - Der Staffordshire-Terrier-Mischling hatte Anfang April seine 52 Jahre alte, im Rollstuhl sitzende Besitzerin und deren 27 Jahre alten Sohn totgebissen und kam anschließend ins Tierheim. Dort wurde festgestellt, dass Chico an einer stark schmerzhaften frischen Kieferverletzung litt, die vermutlich in der Zeit um die Beißattacke entstanden ist. Chico hatte zwei kaputte Fangzähne und eine offene Verbindung zur Nasenhöhle. Das Tier hätte deshalb mehrfach operiert werden müssen, und galt zudem als unberechenbar. Aus diesen Gründen hatte die Veterinärbehörde der Stadt Hannover die Entscheidung getroffen, Chico einzuschläfern.

Die Tierschutzorganisation Animal Peace bezeichnet dies als Verbrechen: "8 Jahre lang gefoltert, dann eilte tagelang der Rufmord dem Mord an seiner Person voraus", schreiben die Tierschützer auf Facebook über Chico. Und weiter: "Tod den Entscheidungsträgern! Wir fordern die Todesstrafe für die verantwortlichen unberechenbaren Mörder".

Zudem wird eine krude Verschwörungstheorie präsentiert, nach der Chico nur deshalb eingeschläfert wurde, weil sich in einer Petition zu viele Menschen eben gegen ein solches Einschläfern ausgesprochen hätten: "Chico wurde ermordet, weil der Hofstaat der Soziopathie die Kraft des 300000fachen Erwachens des Rechtsempfindens und der Gefühle für ein Folteropfer im Keim ersticken wollte. Diese ungeheuerliche Solidarität mit Chico hat den eiskalten Bürokraten und Verwaltern Angst gemacht. So haben sie den letzten Zeugen weggemacht und uns ein Ammenmärchen über Zähne aufgetischt. Sie haben das Todesurteil vollstreckt."

Tierschützer halten Mordaufruf für gerechtfertigt

Die Morddrohungen gegen Tierärzte und Behördenmitarbeiter haben nun die Staatsanwaltschaft Hannover auf den Plan gerufen. Es sei ein Verfahren wegen des Verdachts der Aufforderung zu Straftaten eingeleitet worden, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Bei Animal Peace reagiert man darauf gelassen: "Wir haben es erwartet. Wir pflegen eine klare Sprache zu sprechen, die gerade auch Täter gut verstehen, weil es nämlich ihre eigene ist. […] Wir übernehmen die Verantwortung für unsere Forderung nach der Todesstrafe für die verantwortlichen, unberechenbaren Mörder an Chico. […] Wir haben nichts zurückzunehmen."

Die Tierschützer vertreten die Ansicht, dass Tiere und Menschen juristisch gleichzusetzen sind und begründen so auch ihren Ruf nach Todesstrafe für die Ärzte und städtischen Mitarbeiter. Man fordere quasi Gerechtigkeit nach dem Prinzip Auge um Auge: "Viele Tage lang hagelte es von allen Seiten Morddrohungen gegen einen Unschuldigen. Am Montag schließlich wurde der Unschuldige hingerichtet. Nochmal: Die Morddrohungen kamen VOR der Hinrichtung von Chico. Sie richteten sich gegen das schwächste Glied. Sie richteten sich gegen das Opfer. Bekommen die TÄTER eine passende, auf sie zugeschnittene Antwort, dann soll dies auf einmal eine Morddrohung sein. Das ist kein Ausdruck von Rechtstaatlichkeit, sondern ein Bückling vor der Obrigkeit. Ein Akt von Unterwürfigkeit und des Verrats der Schwachen."

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