SpVgg Unterhaching - TSV 1860 München Haching-Präsident Schwabl: "Sechzigs Fanpower ist brutal"

Robert Reisinger (2. v. li.) und Manfred Schwabl (2. v. re.) im Gespräch mit den AZ-Reportern Matthias Eicher und Patrick Mayer. Foto: Sigi Müller

Im zweiten Teil des Interviews sprechen Löwen-Präsident Robert Reisinger und Hachings Präsident Manfred Schwabl über die Investoren-Frage – und verraten, was sie am jeweils anderen Verein schätzen.

München - Robert Reisinger (54) ist seit 2017 Präsident des TSV 1860, Ex-Profi Manfred Schwabl (52) ist seit 2012 bei der Spielvereinigung Unterhaching im Amt. Die beiden sprachen mit den AZ-Reportern Matthias Eicher und Patrick Mayer. Am Mittwoch treffen beide Vereine in der 3. Liga aufeinander. Teil eins des Interviews finden Sie hier.

Kommen wir zum Thema Investoren. Bei Haching ist der Weg durch die Ausgliederung der Profimannschaft aus dem Gesamtverein theoretisch bereitet, Herr Schwabl. Wie wär’s mit einem Hasan Ismaik?
SCHWABL: Wir werden bei diesem Thema ganz genau hinschauen, wenn ein Geldgeber Interesse hätte. Der entscheidende Punkt ist: Wir brauchen keinen, der sagt, wir müssen nächstes Jahr hoch, wir spielen Harakiri und die Jugend bleibt hintendran. Wenn einer unseren Kurs unterstützen will, Weitsicht und ein bisschen Geduld hat, bin ich für alles offen.

Reisinger: "Hoffe nicht, dass es zur Scheidung mit Ismaik kommt"

Herr Reisinger, auf einer Skala von null bis zehn: Wo pendelt sich das Verhältnis zwischen dem TSV 1860 und Ismaik derzeit ein?
REISINGER: Zwischen sechs und sieben, würde ich sagen. Schon aus der Konstellation ergeben sich verschiedene Interessen. Ein Investor will schnell nach oben und stellt Geld – wenn er es denn stellt. Der Verein muss aber auch auf Dinge wie Nachwuchs, Breitensport, Gemeinnützigkeit und andere Dinge schauen. Da einen Einklang zu finden, ist sehr schwer. Bei uns hat man es leider in der Vergangenheit versäumt, eine bessere Basis zu schaffen. Es ist wie in einer Ehe: Am Anfang sind alle verliebt, aber je mehr Zeit vergeht, desto mehr wird gestritten, desto mehr werden Grundsatzdiskussionen geführt. Jetzt sind wir im siebten Jahr – im verflixten siebten, wenn man so will. Ich hoffe nicht, dass es bei uns zur Scheidung kommt. Nicht falsch verstehen: Es ist notwendig zu diskutieren, wenn man das auf Augenhöhe tut und sachbezogen, denn dann kommt man zu einem Ergebnis, wie wir es in dieser Saison geschafft haben. Das muss unser Weg sein.

Kürzlich wurde aber eine längst überfällige Aufsichtsratssitzung wieder abgesagt. Dabei sollten beide Seiten vermutlich besser bald die Zukunftsplanungen beschreiten.
Eine Aufsichtsratssitzung wäre jetzt mal notwendig, wenn wir die Perspektive für die Saison 2019/20 angehen wollen. Ich hoffe da auf einen Denkprozess. Hasan Ismaik kann ja auch sagen: Nein, ich investiere nicht mehr – aber dann müssen wir es frühzeitig wissen.

Schwabl: "Sechzigs Fanpower ist brutal"

Die nächste Frage ist an Sie beide gerichtet: Was hätte Haching gerne von Sechzig – und umgekehrt?
SCHWABL: Die Fans und Sympathisanten. Was ich da nach dem Abstieg erlebt habe, war unfassbar. Da sind sie aus allen Löchern gekommen, jetzt hat der Verein mehr Mitglieder als vorher. Diese Fanpower ist brutal.
REISINGER: Es ist Fluch und Segen zugleich. Klar haben wir viele tolle Fans, schwimmen auf der Welle, haben mehr Mitglieder und ein riesiges Medieninteresse. Das ist aber auch die Kehrseite der Medaille: Wenn ich mit dem Dampfstrahler durchs Stadion laufe – wie der Manni in Haching – sind der BR, Sport 1 und Sky da und alle sagen: Schaut’s euch den Präsi an. Aber zur Frage: Haching arbeitet solide und ruhig, Manni macht einen hervorragenden Job, sie haben eine starke Mannschaft. Neid und Missgunst sind mir da fremd. Da wollen wir auch hin.

Womit wir wieder beim Spiel wären. Wie groß wäre die Schmach einer Pleite im ersten S-Bahn-Derby seit 2007?
REISINGER: Ich bin da schmerzfrei und sehe das sportlich. Ich wünsche mir 90 Minuten Kampf und vollen Einsatz, dann möge der Bessere gewinnen. Es sind auch bloß drei Punkte.
SCHWABL: Für mich sind es eher 3,3 – oder sogar dreieinhalb. Mindestens. Ein echtes Derby riecht nach Fußball zum Anfassen, die Leute lechzen danach. Das spüre ich immer mehr. Die Champions League hat auch ihre Berechtigung, aber das ist ein ganz anderes Produkt. Der bezahlte Fußball ist auf dem besten Weg, den Blick für die Basis zu verlieren. Was gibt es Schöneres, als diese echte, aber faire Rivalität? (Reisinger kramt in seiner Hosentasche)
SCHWABL: Ich hätt’ schon gedacht, du legst das Geld für die Schinkennudeln auf den Tisch.
REISINGER: Geh’ ma halt schnell rüber ins Stüberl, dann kriegst du sie.

 

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