Sprüche im Wandel der Zeit „Eine alte Frau ist doch kein D-Zug!“

Es gibt Sätze, die hat man früher ständig gehört und heute gar nicht mehr. Weil sie von der technischen Entwicklung überholt worden sind. Foto: dpa

Können Sie sich noch an diesen Spruch erinnern? Wenn nicht, ist das kein Wunder. Es ist einer von vielen, die vom technischen Fortschritt überholt worden sind.

 

München - Plattenspieler, Fax und Schreibmaschinen gehörten früher zum Alltag. Heute sind sie (weitgehend) verschwunden – und mit ihnen jede Menge Sprüche und Redewendungen, die vor einer Generation noch ganz gängig waren. Kennen Sie, liebe AZ-Leser, die folgenden Sprüche noch?


"Hat mal jemand 20 Pfennig?"

Ein Klassiker aus grauer Vor-Handy-Zeit. Unvergessen ist die Schimanski-Szene, in der der Duisburger Prügel-Kommissar ganz allein eine Bande von vermeintlichen Kriminellen an die Wand stellt, daraufhin Polizei-Verstärkung anfordern will, aber nicht genug Münzgeld zur Hand hat. Kleinlaute Frage an die Festgenommenen: „Hat jemand von euch 20 Pfennich?“

"Die Platte hat nen Sprung!"

War der Standardkommentar, wenn die Nadel des Plattenspielerarms in einer Macke hängenblieb. Man musste den Arm dann leicht anschubsen, sonst hörte man immer wieder dieselbe Stelle. Lieblingsplatten hatten oft mehrere Kratzer, und gerade Kinder brachten die Kunst, dem Plattenarm schon kurz vor Erreichen der Stelle einen Schubs zu geben, zu höchster Vollendung.

"Eine alte Frau ist kein D-Zug!"

Die Wurzeln dieses Satzes reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1892 wurden die ersten D-Züge bei der Preußischen Staatsbahn eingesetzt, erläutert Susanne Kill, bei der Deutschen Bahn zuständig für die Konzerngeschichte.
Das D ist eine Abkürzung für die Durchgangswagen, die die alten kutschenartigen Abteilwagen ablösten. „Die Züge waren schnell und komfortabel.“ Kill vermutet, dass der Spruch von der alten Frau – oder dem alten Mann – schon in der Weimarer Republik populär war. In den 70er-Jahren wurde der D-Zug bei der Bundesbahn durch den IC abgelöst.

"Ich leg mal eben den Hörer ab."

Sagte man früher, wenn es während eines Telefongesprächs an der Haustür klingelte, wenn das Kind schrie oder man aus irgendeinem anderen Grund in den Nebenraum musste. Denn die normale Telefonschnur war gerade mal einen halben Meter lang.

"Mist, das Lied ist nicht ganz drauf gegangen."

Weil nämlich die Kassette schon zu Ende war. Fast jeder Teenager schnitt früher die Hitparade im Radio mit – und ärgerte sich deshalb zum Beispiel, wenn der Moderator am Ende in das Lied reinquatschte.

Spätgeborene werden auch nicht mehr wissen, welche Fertigkeiten im Kassetten-Zeitalter nötig waren, um den Bandsalat eines heraushängenden Tonstreifens wieder in Ordnung zu bringen: Man drehte mit einem Bleistift am Rädchen und spulte das Band dadurch mit viel Geduld wieder auf.

Bei Philips, dem Erfinder der Musikkassette, wurde die Produktion 2006 eingestellt.

"Schaltet doch mal eben euer Fax an."

Auf dem Höhepunkt der Fax-Kommunikation in den 90er-Jahren wurden oft lustige Überraschungsfaxe verschickt. Blöd war nur, wenn das Faxgerät des Adressaten gerade nicht angeschlossen war. Denn Telefon und Fax hatten häufig dieselbe Nummer. Wenn man dann anrufen musste mit der Bitte „Könnt ihr mal euer Fax einschalten?“, war die Überraschung natürlich nicht mehr ganz so gelungen.

"Frag mal den Opa"

Ist fast genauso tot wie „Schlag das doch im Lexikon nach“. Wenn man früher irgendeinen Fakt recherchieren wollte, dann konnte man in die Stadtbibliothek gehen, und wenn man dort nicht fündig wurde, konnte man jemanden fragen, der sich mit dem Thema auskannte. Wusste der’s auch nicht, blieb die Frage eben unbeantwortet. Oder man stritt endlos darüber.

"Ah nein – vertippt!"

Jedes Mal, wenn man eine falsche Taste der Schreibmaschine gedrückt hatte, war das ein Problem. Denn dann stand da der falsche Buchstabe auf dem Papier. Um ihn wegzubekommen, musste man kleine Korrekturfolien einlegen oder mit einem Pinselchen Korrekturflüssigkeit drüberstreichen. Wie geschickt man darin auch war – man sah’s am Ende immer. Deshalb gab’s meist nur eine letzte Lösung: Alles neu tippen!

"Kannst du das Knöpfchen runterdrücken?"

Jede Autotür musste früher separat und von Hand verriegelt werden, indem man ein Knöpfchen runterdrückte. Die entsprechende Bitte des Fahrers an den Beifahrer oder an die Kinder auf den Rücksitzen war deshalb Standard.

"Wissen Sie, wo die Straße XY ist?"

Frauen können angeblich keine Karten lesen und Männer bringen es nicht über sich, nach dem Weg zu fragen. All das spielt heute keine Rolle mehr, denn man folgt dem Navi – selbst wenn es geradewegs in den Rhein führt, was in Köln immer wieder mal vorkommt.

"Das weiß ich zum Glück auswendig"

Nummern, Namen, Fakten – alles im Kopf. Heute macht sich kein Mensch mehr die Mühe. Wurde eigentlich schon erforscht, welche Folgen das fürs Gehirn hat?

"Hoffentlich sind unsere Urlaubsbilder was geworden"

Im Zeitalter der Digitalkamera kann man sich nicht mehr vorstellen, wie aufgeregt man früher war, wenn man circa zwei Wochen nach dem Ende des Urlaubs die fertig entwickelten Fotos abholen konnte. Erst dann zeigte sich, ob sie nicht verwackelt, unterbelichtet oder abgeschnitten waren.

 

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