Sport Raffas Rechnung: Noch drei Siege!

In der Luft von der Club-Abwehr nicht zu bremsen: Bremens Per Mertesacker erzielte zwei Kopfballtore. Foto: Wolfgang Zink

Club-Keeper Schäfer gesteht Fehler ein und ärgert sich mit den Kollegen mächtig über die unnötige Pleite in Bremen. Er sieht aber keinen Grund zur Panik – weil das Spiel besser war als das Ergebnis

 

BREMEN/NÜRNBERG Erkenntnis eins beim Club nach dem 2:4 (0:3)-K.o. in Bremen: „Unnötig, dass unsere Serie gerissen ist“, stöhnt Defensiv-Stratege Andreas Ottl nach zuvor fünf Partien ohne Pleite. Erkenntnis zwei: „Wir wollten die zweite Halbzeit gewinnen“, erklärt Trainer Dieter Hecking. „Und Schadensregulierung betreiben. Denn wir hätten uns auch das Torverhältnis versauen können.“ Schließlich zähle „im Abstiegskampf jeder Treffer“.

Schäfer verzichtete auf taktisches Foul

Das wissen alle Cluberer seit 1999 nur zu gut. Damals blieb Eintracht Frankfurt bei gleicher Tordifferenz im Oberhaus – nur weil die Hessen mehr Treffer erzielt hatten. Erkenntnis drei macht deshalb stutzig: „Ich verspreche, dass das vierte Gegentor vom Samstag nicht mehr wichtig sein wird“, sagt Torhüter Raphael Schäfer. Im Eishockey wäre die finale Entscheidung durch Bremens Rechtsverteidiger Clemens Fritz (90.+2) als „Empty-Net-Goal“ durchgegangen. Schäfer war bei einer FCN-Ecke in Werders Strafraum geeilt – und hätte den Konter über Claudio Pizarro durch ein taktisches Foul noch stoppen können. „Wenn ich nicht schon vier Gelbe Karten hätte, wäre er nicht so weit gekommen“, sagt Schäfer zur drohenden Sperre. Fritz schob locker in den verwaisten Kasten ein.

Club-Keeper: "War kein einfaches Spiel für mich"

Überhaupt: „Es war kein einfaches Spiel für mich“, gesteht Schäfer. Was ihm auch anzumerken war. Hertha BSC um Manager Michael „Lügenbaron“ Preetz hatte den 31-Jährigen beim DFB angeschwärzt – als vermeintlichen Anstifter der Berliner Fanrandale vor gut zwei Wochen. „Die Anzeige hat mich natürlich gestört. Man weiß ja nie, wie der DFB entscheidet.“

Drei Siege reichen zum Klassenerhalt

Bei den Gegentreffern eins (nach nur 41 Sekunden) und zwei (nach 20 Minuten) von Per Mertesacker, staunend von Club-Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting begutachtet (siehe Seite 14), gab Schäfer keine gute Figur ab. „Da sehe ich nicht glücklich aus. Setzen, Sechs, oder?“, scherzt er. Und legt kämpferisch nach: „Drei Siege aus den letzten sechs Spielen werden definitiv reichen“, fordert er. „Dann ist es egal, was die Mannschaften um uns herum machen.“

Ottl, Gündogan und Diekmeier vergaben gute Torchancen

Eine feine Hochrechnung bei vier Heimspielen gegen Mainz, Wolfsburg, Dortmund und Köln sowie nur zwei Auswärtsspielen in Freiburg und Hamburg. Wäre da nur nicht diese blamabel anmutende Chancenverwertung. So kurios es klingt: In Bremen hätte es auch 2:3 oder gar 3:3 zur Pause stehen können. Ottl, Ilkay Gündogan und Dennis Diekmeier hatten die besten von einem halben Dutzend guter Möglichkeiten.

„Werder macht die Dinger, wir nicht“, analysiert Kapitän Andreas Wolf trocken. „Wir sind nicht auseinander genommen worden“, sieht Ottl „unseren Weg nach oben dennoch bestätigt“. Und Mike Frantz, Schütze zum 1:3: „Mein erstes Bundesliga-Tor war leider keinen Punkt wert. Hinten haben wir geschlafen. Bitter!“

"Zweite Reihe ist richtig gut drauf"

Was nicht an den Stellvertretern lag: Havard Nordtveit ließ den formschwachen „Sechser“ Mickael Tavares vergessen. Juri Judt, Bester beim Club und für Diekmeier hinten rechts prima am Werk, sagt: „Der Trainer hat die Fehler in der Pause sachlich angesprochen.“ Zwar nicht mit einem Punkt belohnt, aber mit einer wichtigen Erkenntnis: „Unsere zweite Reihe ist richtig gut drauf.“, lobt Hecking. „Gesperrte oder Verletzte könnten wir jederzeit ersetzen.“ Heckings Formel im Abstiegskampf beschäftigt sich zwar auch mit Punkten, aber nicht nur mit Zahlen: „Wer am besten mit seinen Problemen umgehen kann, der wird es schaffen.“ Auflösung spätestens am 8. Mai. Markus Löser

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