Sport „King Koller“ regiert an der Côte d’Azur

Ich genieße es hier, das ist alles, was ich wollte“: Fußball-Veteran Jan Koller ist glücklich an der Côte d’Azur – egal ob am Strand von Cannes oder als erfolgreicher Torjäger in der Dritten Liga . Foto: imago

Der inzwischen 37-jährige Ex-Cluberer schießt den drittklassigen AS Cannes an die Tabellenspitze – und vielleicht sogar in Frankreichs Liga zwei. Alle schwärmen vom „bescheidenen“ 2,02-Meter-Riesen

 

CANNES Monaco hat den Fürsten Albert II., aber im Fußball regiert an der Côte d'Azur zur Zeit „King Koller“. Im zarten Alter von 37 mischt der Ex-Nürnberger Jan Koller beim AS Cannes noch einmal den französischen Profi-Fußball auf und führt mit acht Treffern in elf Spielen sogar die Torschützenliste der dritten Liga an.

Sein Verein, im vergangenen Jahr noch Zehnter, ist inzwischen Tabellenführer. Die Fans huldigen ihn mit Schlachtrufen „Unser König Koller!“, die Sporttageszeitung „L'Équipe“ titelte über den 2,02-Meter-Riesen: „Koller hat alle verzaubert.“ Auch Kollers Arbeitgeber ist begeistert. „Er ist, was das Preis-Leistungsverhältnis angeht, eine der besten Verpflichtungen aller Zeiten“, versichert Cannes-Boss Ziad Fakhri.

2008 spielte Koller für den 1. FC Nürnberg

Der Mittelstürmer hatte beim RSC Anderlecht und von 2001 bis 2006 bei Borussia Dortmund seine beste Zeit als Profi, bevor er 2008 noch beim 1. FC Nürnberg ein kurzes Gastspiel gab.

Dabei wollte Koller eigentlich kürzer treten, als er den russischen Erstligisten Samara verließ und im Januar bei der Association Sportive einen Vertrag bis Juni 2011 unterschrieb. „Mit 36 Jahren habe ich keine großen Ambitionen mehr. Ich spiele zum Spaß“, sagte er. Der Hamburger SV wollte sich damals die Dienste des Rekordtorjägers der tschechischen Nationalelf (55 Tore in 91 Spielen) sichern. Doch Gattin Hedwika und die Töchter Hedwika (7) und Katerina (2), die während Kollers Zeit bei Monaco (2006 bis ’08) die Côte in ihr Herz geschlossen hatten, sprachen ein Machtwort.

Mit Kollers Hilfe soll der Aufstieg gelingen

Koller bereut es nicht, auf seine Familie gehört zu haben. „Eine knappe Autostunde jeden Tag zwischen Monaco und (dem Trainingsgelände in) La Bocca, das ist nichts. Ich genieße es hier, das ist alles, was ich wollte“, erklärt er. Von einem ruhigen Rentnerdasein ist Koller allerdings weit entfernt, denn Vereinschef Fakhri, mit nur 27 Jahren der jüngste Klubpräsident in der Geschichte des französischen Fußballs, hat Großes vor. Er will mit Cannes diese Saison in die Zweite Liga aufsteigen und möglichst schon bald die Ligue 1 erobern.

Große Fußball-Tradition haben Stadt und Verein nicht. Die glorreichste Zeit der AS liegt acht Jahrzehnte zurück. 1932 wurde der Klub Pokalsieger, Erstligafußball gab es im Stade Pierre de Coubertin zuletzt 1998. Mit Hilfe von Koller soll es aber jetzt wieder bergauf gehen, hofft Trainer Albert Emon: „Er ist geradlinig, ackert und seine Technik ist weiter sehr gut. Aber vor allem sein Einsatz ist vorbildlich“, so der Coach. Der hochgelobte Profi will indes nichts vorwegnehmen. „Es ist zu früh, um unsere Chancen einzuschätzen. Aber die Mannschaft ist viel stärker als letzte Saison, das ist klar“. Koller will vorerst auch nicht darüber nachdenken, ob er im Fall eines Aufstiegs den Vertrag verlängert.

"Er ist so bescheiden"

Fakhri schätzt nicht nur die fußballerischen, sondern auch die menschlichen Qualitäten von Koller. „Als wir im Sommer zweimal pro Tag trainiert haben, ist er mittags nicht nach Hause gefahren, sondern hat auf der Couch in einem Stadion-Büro ein Nickerchen gemacht. Er ist so bescheiden“, staunt der Klubchef. In Cannes spielten Stars wie Zinedine Zidane und Patrick Vieira. Nun ist Koller-Time. dpa

 

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