Sport FCN: Schläferstündchen im Freudenhaus

Frustriert nach der blöden Pleite am Millerntor: Das Trainergespann Armin Reutershahn, Dieter Hecking und Dirk Bremser (v.l.) Foto: Wolfgang Zink

Club-Profis und Trainer Hecking frustriert nach der blöden Pleite auf St. Pauli. „Viel zu diskutieren“

 

HAMBURG/NÜRNBERG Eigentlich bedarf es schon eines gewaltigen Rausches nach einem ausgiebigen Besuch auf der Hamburger Reeperbahn. Der wird – Achtung, liebe Spielerfrauen – den Club-Profis in der Nacht vor dem Spiel beim FC St. Pauli keineswegs unterstellt. Doch ausgerechnet im Freudenhaus der Liga leisteten sich die Schützlinge von Trainer Dieter Hecking ein Sch(l)äferstündchen: beim völlig unnötigen 2:3 (0:1)-K.o., der ersten FCN-Niederlage im fünften Duell auf dem Kiez in der Bundesliga-Geschichte.

Nilsson: "Gibt viel zu diskutieren"

Gut gegen die Guten, erfolglos gegen die Schwachen – der Club zahlt gegen die „falschen“ Gegner die Zeche. „Wir hatten die große Chance, nach Siegen gegen Stuttgart und Schalke in einem wichtigen Spiel Punkte zu machen“, moniert Keeper Rapahel Schäfer. „Dass dies nicht geklappt hat, müssen wir uns vorwerfen lassen.“ Auch Verteidiger Per Nilsson grollt: „Einige dachten wohl, das geht nach dem 2:1 gegen Schalke wie von selbst. Diese Woche gibt es viel zu diskutieren.“ Für Julian Schieber ist es „bitter, dass wir nach Freiburg und Frankfurt wieder Punkte gegen einen direkten Konkurrenten liegen gelassen haben.“

War es bislang eine der Stärken, den Gegner anders als letzte Saison bei Standardsituationen alt aussehen zu lassen, resultierten alle drei Gegentore aus ruhenden Bällen. Gerald Asamoah und Marius Ebbers trafen nach einer Ecke, Florian Bruns sorgte aus Sicht der Gastgeber für den Höhepunkt acht Minuten vor Schluss. Nach einem Freistoß aus St. Paulis Hälfte.

„Da hat immer die Geilheit gefehlt, den Ball mit allem, was man hat, wegzuhauen“, ärgert sich Schäfer. „Herrscht dann beim zweiten und dritten Ball Unordnung im Strafraum, wird die Sache schnell zum Glückspiel“, gesteht Kapitän Andy Wolf. Ein Spiel mit drei Nieten für den Club.

"War auf Partie auf Augenhöhe vorbereitet"

Pauli-Trainer Holger Stanislawski war auf „eine Partie auf Augenhöhe“ vorbereitet. Er zog daher seine Standardspezialisten vom Abschlusstraining am Freitag ab, um diese am Millerntor Freistöße und Ecken üben zu lassen. Dass es im Freudenhaus auch auf die Größe, die nötige Potenz in Zweikämpfen ankommen würde, wusste auch Kollege Hecking: „Ich habe meine Mannschaft gewarnt, dass die berühmt-berüchtigten Zentimeter entscheiden werden. Es hat die Mannschaft gewonnen, die zehn Zentimeter mehr Leidenschaft hatte.“

Obwohl Hecking „keine Lust“ hatte, das Spiel bei der Rückfahrt im ICE auf dem DVD-Player zu analysieren, tat er es doch. Fazit: „Uns ist nach gutem Beginn die Entschlossenheit abhanden gekommen. Wir waren in Zweikämpfen zweiter Sieger und nicht wach genug.“ Hecking sieht aber keinen Grund, den „Reifeprozess“ in Frage zu stellen. Und fordert nach dem Schläferstündchen: „Mund abputzen“ – und Wolfsburg in die Knie zwingen. „Wir wollen einen Dreier holen.“ Markus Löser

Warum Keeper Raphael Schäfer und Schiedsrichter Peter Gagelmann wohl keine Freunde mehr werden. lesen Sie in der Printausgabe Ihrer Abendzeitung.

 

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