Sport AZ-Check: So gut ist der Club wirklich in Form

„Einfach erbauend – nicht nur das Mondsee-Haus, sondern auch die Vorbereitung des 1. FCN. Trainer Dieter Hecking (stehend) ist zurecht stolz auf seine Profis. Foto: Wolfgang Zink

Trainer Dieter Hecking ist nach den fünf Wochen Vorbereitung zufrieden: „Wir haben uns Schritt für Schritt verbessert.“ Auch seine Wunsch-Elf hat er bereits im Kopf. Das Team ist bereit für den Start

 

NÜRNBERG Den Optimismus, die kommende Saison „möglichst nervenschonend über die Bühne zu bringen“, schöpfen Club-Käpt’n Andy Wolf & Co. aus folgender Tatsache: „Alles, was der Trainer macht, ist richtig gut“, versichert der 28-jährige Innenverteidiger. „Man merkt eben, wenn einer selbst auf höchstem Niveau gespielt hat. Dann ist es für ihn einfacher, Situationen richtig einzuschätzen und mit dem Druck umzugehen.“ Dem Druck, die Klasse zu halten.

Dieter Hecking, einst Profi in Gladbach, Kassel, Hannover, Mannheim und Leipzig, weiß indes, dass auch er nur Teil des Ganzen ist. Allerdings sind seine Vorgaben klar.

Hecking ist mit der "Aggressivität in Zweikämpfen sehr zufrieden"

Spielsystem: Hecking setzt auf das bewährte 4-2-3-1, „weil auch wir uns dem modernen Fußball nicht entziehen können“. Die Grundordnung steht über allem, schließlich lasse sich „über das Zentrum sehr viel bewegen“. In Abwehr und Angriff.

Die beiden defensiven Mittelfeldspieler sollen deshalb möglichst selten nach außen ausweichen müssen. Was den Flügelspielern ein sehr hohes Laufpensum beschert. Um die einzige Spitze auch in Szene setzen zu können sind im Vorwärtsgang automatisierte Laufwege, hohes Tempo und Passsicherheit gefragt.

Hecking ist nach fünf Wochen Vorbereitung zufrieden: „Wir haben uns Schritt für Schritt verbessert, stehen gut und höher als zuletzt.“ Mit der Folge, von vorneherein dem gegnerischen Tor zehn Meter näher und defensiv zu weniger Fouls gezwungen zu sein. „Wobei ich mit der Aggressivität in Zweikämpfen sehr zufrieden bin.“

"Insgesamt haben wir an Größe gewonnen"

Personal: Zehn Abgängen stehen elf Neulinge gegenüber. „Bei einigen habe ich das Gefühl, als wären sie schon sehr lange da“, sagt Hecking gerade über die Routiniers Per Nilsson und Timmy Simons. Mehmet Ekici, Almog Cohen, Jens Hegeler und Julian Schieber sind entweder nahe dran an der Stammelf oder gesetzt (Stürmer Schieber). Der Rest fällt bei Hecking unter die Rubrik: „Sie haben die Sachen im Kopf. Jetzt müssen sie sie noch umsetzen. Dafür bekommen sie die nötige Zeit.“

Eine faire Chance erhalten auch Isaac Boakye und Dario Vidosic. Bei einem Angebot bis zum Transferschluss am 31. August dürfte das Duo aber gerne wechseln.

„Insgesamt haben wir an Größe gewonnen“, glaubt Hecking mit Blick „auf ein paar schöne Ochsen“, die die fehlende Lufthoheit gerade bei Standardsituationen besser in den Griff bekommen sollen. Gepaart mit mehr Erfahrung (Nilsson, Simons) im Spielaufbau. „Die zeigt sich“, so Hecking, „nicht durch schnelle Lösungen nur nach vorne. Auch ein Quer- oder Rückpass kann eine gefährliche Situation eröffnen.“

Das hat auch Wolf verinnerlicht, der sich zuletzt als sicherer Elfer-Schütze – im Training – hervor getan hat. „Ich gehe davon aus, dass ich am Punkt stehen werde“, sagt der Kapitän schmunzelnd nach drei verwandelten Strafstößen zum Gesamtsieg beim Mini-Turnier im Trainingslager in Kaprun.

"Bis auf ein, zwei Positionen" steht die Wunschelf fest

Vorbereitung: Die verlief auch dank der Physios um Cheftherapeut Günter Jonczyk ohne gravierende Verletzungen. „Medizinisch sind wir sehr gut aufgestellt“, lobt Hecking, und versichert: „Trotz des Dauerregens in Österreich haben wir alles machen können.“ Selten musste er richtig laut werden. „Alles steht erst auf dem Prüfstand, wenn es in den Pflichtspielen zur Sache geht“, weiß Hecking. „Erst da werden Schwächen aufgezeigt, die du zuvor nicht so deutlich gesehen hast, weil der Gegner auf einem anderen Vorbereitungsstand war.“

Vor der letzten Saison war der Trainer, damals noch bei Hannover 96, auch optimistisch gewesen. Nach zwei Spieltagen und der Pokalpleite in Trier allerdings weg vom Fenster. Feiner Unterschied jetzt für Hecking: „Wir haben in den Tests weder gegen einen Sechstligisten, noch unserer letztes internationales Spiel verloren.“ Wismar und Arsenal London hatten 96 blamiert. Nun gab es ein 1:0 gegen Antalyaspor und ein souveränes 3:0 gegen Zweitligist Duisburg. „Die Jungs haben verinnerlicht, was ich von ihnen will. Ich hoffe, wir sehen ähnlich schöne Spielzüge auch in der Liga.“ Besser schon nächsten Sonntag im Pokal bei Eintracht Trier.

Wunschelf: Die behält Hecking für sich, aber, „bis auf ein, zwei Positionen habe ich sie im Kopf.“ AZ-Tipp: Schäfer – Judt, Nilsson, Wolf, Pinola – Gündogan, Simons – Frantz, Ekici, Bunjaku – Schieber.

Auftakt: Drei der ersten vier Liga-Partien stehen auswärts (Gladbach, Hamburg, Leverkusen) an. „Leider kann man sich das Programm nicht aussuchen“, sagt Käpt’n Wolf, der hofft: „Ich gehe mit der Binde am Arm in meine dritte Saison. Hoffentlich können wir uns zur besten Club-Elf der letzten drei Jahre entwickeln.“

Oder um es mit Hecking zu halten: „Jetzt geht es mit Riesenschritten auf den Start zu. Dann wissen wir endlich, wo wir wirklich stehen.“ Markus Löser

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