Sport 1. FC Nürnberg: Fans jagen die Brandstifter

Der Auftritt einiger Anhänger aus dem Gäste-Block in Bochum samt Pyro-Zündelei war in der Tat ein Fiasko – wie auf dem Transparent unfreiwillig treffend zu lesen. Foto: Firo/Augenklick

Nach dem Feuer-Irrsinn von Bochum mit neun Verletzten meldeten sich bereits zahlreiche Zeugen bei den Club-Offiziellen.

 

NÜRNBERG Mit so großer Resonanz hatten sie beim Club nicht gerechnet! Dem Aufruf, nach der außer Kontrolle geratenen Pyro-Aktion in Bochum am Samstag mit neun teils schwerverletzten Anhängern endlich Zivilcourage zu zeigen, sind zahlreiche Zeugen gefolgt. Die Brandstifter werden von den Club-Fans gejagt!

"Wir haben überraschend viele Hinweise erhalten"

„Wir haben überraschend viele Hinweise erhalten“, freut sich FCN-Sicherheitschef Daniel Kirchner. Per E-Mail (unter sicherheit@fcn.de) erreichten Kirchner „gute bis sehr gute“ mit Handys aufgenommene Fotos und Videos. Zusätzlich liegen detaillierte Personenbeschreibungen der potenziellen Chaoten vor, die mittels Bengalfackeln, Magnesium- und Rauchpulver das Flammen-Inferno verursacht hatten. „Wir werden unser Material mit dem aus Bochum auswerten“, ist Kirchner optimistisch, die Verantwortlichen überführen zu können.

Auch über ein mögliches Strafmaß seitens des DFB haben sie sich am Valznerweiher bereits Gedanken gemacht. Nach dem letzten gravierenden Exzess der Feuer-Chaoten im April 2008, als das Spiel in Frankfurt vor dem Abbruch stand, hatte der Verband im Wiederholungsfall mit Geisterspiel, Platzsperre oder Punktabzug gedroht.

"Dass man nicht mit dem Feuer spielt, lernt man als kleines Kind"

Letzteres würde im laufenden Kampf gegen den Abstieg alle Bemühungen der Mannschaft um Trainer Dieter Hecking ad absurdum führen. Torhüter Raphael Schäfer sauer: „Dass man nicht mit dem Feuer spielt, lernt man eigentlich als kleines Kind.“

„Wir werden mit dem Finger nicht auf andere zeigen“, antwortet Manager Martin Bader auf die Frage, ob es beim Spiel Leverkusen gegen Köln nicht deutlich schlimmer zuging: Aus dem ebenfalls brennenden Kölner Block war eine Fackel in Richtung Bayer-Star Toni Kroos geworfen worden. „Wir haben vor unserer Tür genug zu kehren“, weiß Bader.

Der Club hat bereits seinen Anwalt eingeschaltet

Erste Maßnahmen, „die leider nicht nur potenzielle Täter betreffen“ (Bader), werden heute Nachmittag im Detail besprochen. Bei einem Treffen von Club-Vertretern mit Polizei-Einsatzleiter Kurt Benisch. Der hat eine „deutliche Zunahme von pyrotechnischen Aktivitäten in den letzten Monaten“ registriert, sagt aber nur: „Es geht um die gemeinsame Vorgehensweise von Verein und Sicherheitskräften.“

Diese soll zusammen mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog für Heim- und Auswärtsspiele dem DFB noch vor der Urteilsverkündung dargelegt werden. Um die Details zur Darstellung der Vorfälle hat sich bereits auch Club-Anwalt Christoph Schickhardt gekümmert. „Wir werden als 1.FCN ein deutliches Signal setzen, dass wir die Thematik sehr ernst nehmen und das Risiko von Pyro-Aktionen auf ein Minimum reduzieren wollen“, versichert Kirchner.

Ultras-Mitglieder müssen heute zum Rapport

Dass Nürnberger Ultras, die auch Hauptverdächtige sind, einen Angriff auf Bremer Fans an einem Rasthof bei Siegen in einem Schnellrestaurant am Samstagabend angezettelt zu haben, aus der Bochum-Nummer glimpflich rauskommen, ist ausgeschlossen. Kirchner: „Zwar waren auch Schalker und Wiener in Bochum. Aber die Ultras haben erklärt, dass das Problem in der eigenen Gruppe zu suchen sei.“

Für heute Abend sind Ultras-Mitglieder zum Rapport am Valznerweiher bestellt. Kirchner: „Es wird keine Diskussion geben. Wir wollen lediglich eine Stellungnahme hören.“ Ob ein Miteinander überhaupt noch möglich ist. „Die tollsten Fans der Liga?“, tobt Bader. „Da lache ich nur noch angesichts solcher Scherereien.“ Markus Löser

Mehr über den Club und Heckings Sonderlob für Breno-Ersatz Dominic Maroh lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendzeitung am Dienstag, 2. März.

 

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