"Spielwiesn" im MOC Münchner Spielemesse beginnt: Die Würfel sind gefallen

Auf der Münchner Messe "Spielwiesn" gibt es allerlei neue Spiele zu entdecken. Foto: privat

Am Freitag beginnt die Münchner Messe "Spielwiesn" – in der AZ stellen Spiele-Entwickler ihre Werke vor. Vom Bombenentschärften bis zu "Men at work".

 

München - Ein paar kleine Narben auf der Seele hat wahrscheinlich jeder Mensch von den Familienbrettspielabenden, als das "Mensch ärgere dich nicht" aus der Packung gezogen wurde und zwei Stunden "Du bist doof"-Schreie und Debatten ums Rausschmeißen-Müssen oder -Dürfen folgten.

Die Brett- und Gesellschaftsspiel-Kultur hat sich massiv verändert: Es gibt inzwischen unfassbar viele und immer wieder neue abwechslungsreiche, verschieden komplexe und unterhaltsame Spiele mit immer neuen Mechaniken. Analoge Spiele boomen nach Branchenangaben derzeit geradezu – mitten in digitalen Zeiten. Auf der Spielemesse in Essen im Oktober waren 1150 Aussteller aus 50 Ländern mit 1400 Neuheiten vertreten.

Die Spielemesse "Spielwiesn" (von Freitag bis Sonntag, 18. November) ist etwas kleiner, es gibt aber viele Verlags-, Autoren- und Händlerstände, die Wissenschaftsmesse "Forscha" und natürlich die Riesenspielothek, in der man aus mehr als 3000 Spielen kostenlos den Favoriten ausleihen oder ein neues Lieblingsspiel entdecken kann.

Und weil auch ausgezeichnete Spiele wie "Azul" oder "Die Quacksalber von Quedlinburg" einmal angefangen haben als erster Gedanke und selbstgebastelte Prototypen, lassen wir auf dieser Seite die Damen und Herren der Münchner "Spieleautorenzunft" ihre aktuellen Ideen vorstellen, die sie auch auf der Messe zeigen.   


"Men At Work": Helme auf und hoch hinaus

(Alle Fotos: privat)

Wir befinden uns auf einer Baustelle, darum tragen alle Figuren bei "Men At Work" einen Helm und jeder Spieler hat drei Sicherheitszertifikate. Die Spieler müssen entweder einen Stahlträger oder eine Figur nach bestimmten Vorgaben einbauen – einhändig.
Fällt etwas auf den Boden, ist ein Sicherheitszertifikat futsch. Es gewinnt, wer als letzter noch ein Zertifikat hat – oder am häufigsten "Mitarbeiter des Monats" gewesen ist. Das Geschicklichkeitsspiel "Men at Work" (ab 8 Jahren) ist ein Zufallstreffer: "Es entstand aus einem anderen Spiel von mir, an dem ich schier verzweifelte", erzählt Autorin Rita Modl. "Das hatte auch Stäbchen und aus Wut habe ich die auf den Tisch geknallt und die daneben liegenden Figuren wild drauf platziert." Nach kurzem Überlegen entstand so "Mikadance", wie es damals noch hieß – da turnten noch Seiltänzer statt Bauarbeiter.


"Chamäleon": Der Adler kreist

Chamäleons haben die Eigenschaft, dass sie die Farbe ihres Körpers verändern können. Das ist von großem Vorteil, weil sie sich so ihrer Umgebung im Dschungel anpassen und "unsichtbar" machen können. So sind sie sehr gut vor ihren Feinden, zu denen auch Greifvögel zählen, geschützt. Im lichten Dschungel von "Chamäleon", (ab 5 Jahren) wo der Adler seine Kreise zieht, ist es trotzdem sehr gefährlich. Dort befindet sich nämlich der Adlerhorst. Der Adler ist hungrig und kreist ständig über den Baumwipfeln, um mit Hilfe seiner scharfen Augen Beute zu erspähen. Jeder ist im Spiel von Jürgen Adams für ein Chamäleon verantwortlich. Von der Futtersuche – dem Start – sollte man es möglichst schnell zurück in die sichere Höhle bringen und es auf dem Weg dadurch schützen, dass man die auf den Feldern vorgegebenen Farben in Form von Edelsteinen erspielt. "Besonders spannend wird es für Kinder, wenn sie mit ihrer Spielfigur auf ein Feld im lichten Dschungel vorrücken wollen", erzählt Adams. "Wenn der Adler – ein magnetisches Kärtchen – über diesem Feld zu kreisen beginnt, heißt das, der eingeschlagene Weg ist zu gefährlich."


"Die Sternengucker": Ein Blick zu den Sternen

Bei "Die Sternengucker" – so der Name des Spielprototyps – müssen die Kinder (ab 6 Jahren) Schätze in einer Landschaft finden, die als Spielplan ausliegt. Am Rand des Spielplans sind verschiedene Sternenkonstellationen zu sehen – und die müssen sie möglichst gut und schnell im Fernrohr einstellen, um den entsprechenden Schatz heben zu können. Die "Sternengucker" sind eine Kooperation von Marco Teubner und Markus Hagenauer, die beide einmal mit besonderen Materialien experimentieren wollten – wie bipolaren Folien, durch die man nur aus einem bestimmten Winkel sieht, oder Spiegelfolien. "Dann haben wir gemerkt: Nicht das Material ist das Entscheidende, sondern das Thema, etwas zu erkennen", sagt Teubner. "Ein Spiel funktioniert für Kinder besonders gut, wenn sie tief in die Welt eintauchen können, um die es geht, wenn die Grenze zwischen Spiel und Spieler verschwimmt." Darum gehört zum Spiel ein Fernrohr aus dem 3D-Drucker.


"Teufelsräder": Alles dreht sich

Der pensionierte Chemie- und Sportlehrer Jürgen Adams hat "Teufelsräder" (ab 8 Jahren) erfunden: Jeder Spieler hat vier Figuren, von denen er für einen Sieg drei ins Ziel bringen will. Die vier Zahnräder sind so miteinander verbunden, dass sich immer alle bewegen, sobald eines gedreht wird. Der Farbwürfel gibt vor, welches Rad gedreht werden muss, die Zahlenwürfel zeigen, um wie viele Zähne.


"Wiese Wackelstein": Wenn die Wiese wankt

Die besten Spiele sind ja oft die einfachsten – darum hat Kinderspiele-Autor Marco Teubner sich auch ein zeitloses Start-Ziel-Spiel in einer neuen Form ausgedacht. Bei "Wiese Wackelstein" (ab 5 Jahre) geht es darum, eine Wiese zu überqueren. Die Schwierigkeit dabei: Alle Steine auf der Wiese wackeln. Man kann auf dem eg also den Halt verlieren – und muss dann wieder ein Stück zurück. Das Gute an dieser Spielmechanik: Man kann niemandem die Schuld geben. "Das Mensch-ärger-dich-nicht-Prinzip, dass man Erfolge wieder verlieren kann, wird dem Spiel überlassen", erklärt Teubner, der seit 18 Jahren hauptberuflich Spiele für Kinder entwirft. Wie genau man auf der Wiese vorankommt: „Da muss man sich überraschen lassen“, sagt Teubner – ein bisschen Geheimniskrämerei muss bei Spielen, die noch keinen Verlag haben, schon sein. "Aber es ist auf eine ganz besondere Weise!"


"Eisberg": Das große Schmelzen

Beim Spiel "Eisberg" schlüpfen die Spieler in die Rolle von Pinguinen, die sich möglichst lange auf einem schmelzenden Eisberg halten wollen, um möglichst viele Schollen zu sammeln – und zu verhindern, dass das den Gegnern gelingt. Dazu programmieren die Spieler ihre Züge im Voraus, indem sie verdeckt Bewegungskarten ablegen. Da man beim Auslegen stets Entscheidungen treffen muss, die sich auf den folgenden Zug und auf den danach auswirkt, ist es wichtig zu erahnen, wohin sich die Gegner bewegen – durch eine Kollision kann man nämlich jemand anderen ins Wasser schubsen. "Am Anfang geht es vor allem darum, die besonders lukrativen, hoch liegenden Schollen zu bekommen", sagt Entwickler Mark Hagenauer, "im späteren Spielverlauf ist man dann froh, überhaupt noch eine zu erreichen." Der Eisberg schmilzt ja – es verschwinden immer wieder Schollen. "Eisberg" liegt derzeit bei einem großen deutschen Spieleverlag zur näheren Begutachtung.


"Entschärft": Bloß nicht explodieren

Bei "Entschärft" geht es darum, Bomben zu entschärfen, indem man den richtigen Zahlencode der jeweiligen Bombe erwürfelt. Aber die Zeit drängt, die Lunte brennt ab! Wer zuerst eine Bombe entschärft, gewinnt die Runde und darf eine seiner Bomben abgeben – der Rundenletzte muss eine zusätzliche nehmen. "Entschärft" ist ein (Familien-)Würfelspiel mit taktischem Element und eignet sich gut als Einstiegsspiel, sagt Entwickler Jan Werner. "Leider haben die Verlage bisher zurückhaltend reagiert, das Thema Bombe scheint schwierig zu sein." Daher wartet es noch auf Veröffentlichung. "Gerne würde ich es auch in Eigenregie herausbringen, dann in edler Holzausführung." Dafür bräuchte es aber eine Finanzierung.

 

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