Spielvereinigung Unterhaching Ziege als Co-Trainer zu Guardiola: "Warum nicht?"

Als Haching-Trainer zurückgetreten: Christian Ziege. Foto: sampics/Augenklick

Rücktritt – und jetzt? In der AZ spricht Hachings Ex-Coach Ziege über den Abschied, die Gründe dafür und seine Zukunftspläne.

 

AZ: Herr Ziege, Sie sind krank und können nur telefonisch Rede und Antwort stehen. Ist Ihnen der Rücktritt als Trainer der Spielvereinigung Unterhaching so auf den Magen geschlagen?

CHRISTIAN ZIEGE: (lacht) Nein, das nicht. Das habe ich ja nicht aus einer Laune heraus entschieden, da musste ich schon vernünftig darüber nachdenken.

Was waren die Gründe für Ihren Entschluss?

Die Entscheidung war für mich alles andere als einfach. Mir hat es großen Spaß gemacht, mit dieser Truppe zu arbeiten – auch, wenn es von Anfang an eine brutal schwere Arbeit war. Es war aber direkt bei München, meinem Zuhause, und ich war sowieso immer happy, auf dem Platz zu stehen. Von daher war es nicht leicht zu sagen: Ich höre auf.

Die Entscheidung soll ein längerer Prozess gewesen sein. Stimmt das?

Ja. Es hatten sich einige Dinge verändert. Es war mir klar, dass diese Aufgabe nicht leicht wird und dass man eventuell Ziele nicht erreicht. Es ist immerhin eine sehr junge Mannschaft, aber durch den Verkauf von Andreas Voglsammer nach Heidenheim wurde das alles nicht leichter. Einen Spieler wie ihn kannst du nicht so einfach ersetzen. Wenn bei Bayern Arjen Robben ausfällt, dann merkt man das – was zuletzt gegen Gladbach deutlich wurde. So war das mit Voglsammer auch. Er hat eine überragende Hinrunde gespielt und durch seinen Verkauf gab es einen enormen Qualitätsverlust.

Haben Sie das junge Team nicht im Stich gelassen?

Ich habe die Mannschaft zu keiner Zeit im Stich gelassen. Wenn das jemand sagt, dann ist das absoluter Schwachsinn. Dass es Leute gibt, die das anders sehen, damit kann ich leben. Doch ich bin überzeugt von dem Schritt. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich alles getan habe, um die Jungs weiterzuentwickeln. Thomas Hagn, Pascal Köpke oder Michael Zetterer (jetzt Werder Bremen, d. Red.) haben unter mir einen Schritt nach vorne gemacht. Um nur drei Spieler zu nennen.

War der Voglsammer-Verkauf der Hauptgrund für Ihren Rücktritt oder gab es intern Zoff?

Überhaupt nicht. Ich habe sicher gute Antennen, wer dir im Verein gut gesonnen ist und wer nicht. Das ist aber nicht entscheidend für mich, denn das gibt es überall, dass nicht alle von dir begeistert sind. Im Trainerteam, im Umgang mit den Spielern und mit dem Präsidenten gab es nichts zu beanstanden.

Auch Ihr Co-Trainer Francisco Copado trat zurück. Was sagen Sie dazu?

Paco war als Co-Trainer absolut loyal und hat brutal für die Sache gearbeitet. Ich stecke nicht in seinem Kopf drin, aber er hat unsere Arbeit sehr geschätzt, wollte vielleicht auch da loyal sein und sich nicht hinstellen und sagen: „Jetzt übernehme ich.“ Wir haben uns super verstanden.

Wie geht es mit Ihnen weiter?

Ich habe keine Angst, dass jetzt länger nichts mehr kommt. Man muss im Leben alles aus voller Überzeugung machen. Bestes Beispiel ist Felix Magath. Er hatte als Trainer am Anfang keinen Erfolg, erst beim VfB Stuttgart war er richtig erfolgreich. Ich muss nicht als Trainer arbeiten, damit die ganze Welt jeden Tag meinen Schädel im Fernsehen sieht.

Sondern?

Für mich ist es wichtig, dass ich damit Geld verdienen kann, aber Fußball trainieren darf. Natürlich wäre es auch mal schön, in einem Verein zu arbeiten, bei dem es nicht so große finanzielle Zwänge gibt, aber in Haching habe ich bewiesen, dass ich etwas bewegen kann. Ich habe die Truppe im letzten Jahr vor dem Abstieg gerettet und in dieser Saison konnten wir in der Liga mithalten. Und das mit dem kleinsten Etat. Ich bin in Haching nicht gescheitert.

Sie sollen Lust auf den FC Bayern haben. Als Co-Trainer von Pep Guardiola?

Warum nicht? (lacht) Spaß beiseite. Ich würde mir gerne das Training von Guardiola anschauen, weil ich sowieso in der Nähe wohne. Ich müsste mich da gar nicht groß mit ihm unterhalten, ich würde einfach gerne zusehen, was er macht und warum er es so macht. Er lässt den Fußball spielen, den ich auch gerne spielen lassen möchte. Trainer, die keinen Job haben, hospitieren gerne und sagen, dass sie sich weiterentwickeln, aber ich werde mir jetzt erstmal über meine Arbeit Gedanken machen.

Claus Schromm übernimmt vorerst in Haching. Kann er den Verein retten?

Nur, weil ich nicht ganz davon überzeugt war, heißt das nicht, dass der Klassenerhalt nicht machbar ist. Ich wünsche dem Team sehr, dass es das schafft, weil es großartige Jungs sind. Es ist eine geile Truppe.

Letzte Frage: Hat sich schon ein Verein bei Ihnen gemeldet?

Es gibt noch nichts Konkretes, aber ich habe kurioserweise doch schon etwas gehört, wo etwas passieren kann. Aber darüber mache ich mir jetzt erstmal keine Gedanken.

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