Spezialist klärt auf Wann spricht man von einer Schlafstörung?

Nach 30 Minuten sollte man normal einschlafen können. Foto: Patrick Pleul/dpa

Viele sind unsicher: Habe ich nur ab und zu eine schlechte Phase und komme deswegen nachts nicht richtig zur Ruhe? Oder habe ich tatsächlich eine Schlafstörung? Ein Schlaf-Experte klärt auf.

 

München - Der Berliner Schlaf-Experte Ingo Fietze sagt zur AZ: "Schlechter Schlaf wird dann chronisch, wenn man länger als drei Monate darunter leidet." Wer das zu lange nicht ernst nimmt, muss mit ernstlichen gesundheitlichen Problemen rechnen.

Fietze sagt: "Eine Schlafstörung beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern wirkt sich auch auf die Psyche aus." Sie könne zudem Bluthochdruck auslösen, ebenso Diabetes und Rhythmusstörungen. Auch die Lebenserwartung sinke und sogar Krebs könne dadurch verursacht werden.

Ab fünf Jahren ist Schlecht-Schlafen ungesund

Wer jetzt Angst bekommt, dem sei gesagt: "Man darf bis zu fünf Jahre mal schlecht schlafen. Wenn das aber länger geht, dann geht es an die Gesundheit."

Er spricht sich dennoch für einen frühzeitigen Besuch beim Arzt aus: "Dann ist eine kognitive Verhaltenstherapie möglich." Dies bedeute zunächst Aufklärung über den Schlaf und Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder ähnliches. Wenn man diese regelmäßig anwendet, könne verhindert werden, dass eine Schlafstörung ausartet.

Viel zu wenige Spezialisten

"Wenn man aber nach fünf oder zehn Jahren kommt, dann hilft so etwas nicht. Dann muss man medikamentös behandeln. Das ist die letzte Lösung, aber leider nicht bei wenigen."

Der Experte sieht nicht nur darin ein Problem, dass viele zu spät zum Arzt gehen. Es gebe auch viel zu wenige Schlaf-Spezialisten. "Schlafmedizin wird heute immer noch nicht im Studium gelehrt – obwohl so viele Menschen von diesem Problem betroffen sind." Welche Schlafstörungen gibt es überhaupt? Ein Überblick über mögliche Krankheitsbilder:


Einschlafstörung

Wer mindestens dreimal pro Woche länger als 30 Minuten zum Einschlafen braucht, leidet an einer Einschlafstörung.

Durchschlafstörung

Betroffen ist, wer mindestens dreimal pro Woche nachts wach wird und länger als 30 Minuten zum Wiedereinschlafen braucht.

Früherwachen

Das bedeutet, dass man jeden Tag bereits nach etwa fünf Stunden Schlaf aufwacht und damit nicht genügend Ruhe bekommt.

Insomnie

Von dieser "schweren Schlafstörung" spricht man, wenn man zusätzlich unter Tagesmüdigkeit und sozialen und beruflichen Beeinträchtigungen leidet.

Schnarchen mit Atmungsaussetzern

Jeder Zweite in Deutschland und auch Bayern hat nachts Atmungsstörungen, sagt Fietze. Das bedeutet, dass die Atmung im Schlaf kurz aussetzt. Der Fachbegriff lautet Apnoe. "Das ist tatsächlich eine Volkskrankheit. Die meisten wissen nicht einmal, dass sie darunter leiden", so Fietze.

Entscheidend ist, wie viele Aussetzer es gibt und wie tief die Sauerstoffabfälle sind. Je mehr und je tiefer, desto gefährlicher. Jeder Fünfte bis Sechste brauche eine Behandlung, so Fietze. Betroffen seien mehr Männer als Frauen.

Bemerkt wird das Phänomen meist vom Partner oder weil man selbst davon aufschreckt. Misstrauisch sollte man laut dem Experten spätestens dann werden: "Wenn man am nächsten Tag müde bis schläfrig ist und weiß, dass man schnarcht, dann sollte man sich an einen Arzt wenden."

Hypersomnie

Die Dauermüdigkeit ist eine eher seltene Erkrankung. "Eine betroffene Person schläft nachts zwar zwölf Stunden – aber nach vier Stunden in der Arbeit kann sie schon nicht mehr."

Fietze kennt Betroffene, die gerade einmal 25 Jahre alt sind und denen wegen der Erkrankung der Jobverlust droht.

 

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