Sperma-Zoff Irrer Streit um diesen Hengst

Der Niederländer Jos Lansink mit seinem Pferd Carthago Z beim Internationalen Frankfurter Festhallen- Reitturnier: Jetzt gibt es Streit um das Erbgut des international erfolgreichen Hengstes. Foto: dpa

NÜRNBERG „Carthago Z“ ist ein echt toller Hengst: Zweimal nahm das Erfolgspferd sogar bei Olympia teil. Jetzt beschäftigt der prächtige Schimmel das Landgericht Detmold. Allerdings geht es nicht um ihn selbst – sondern um sein Sperma. Denn das hatte der Nürnberger Züchter Siegfried Augustin vor Jahren gekauft und einfrieren lassen. Doch nun sind 20 Röhrchen mit dem wertvollen Samen verschwunden. 60.000 Euro Schadensersatz will der Züchter von dem verklagten Tierarzt Torsten K. haben.

 

Siegfried Augustin ist ein Pferdenarr: Seit seinem fünften Lebensjahr reitet der gebürtige Nürnberger, schaffte es selbst bis zu deutschen Meisterschaft. 1987 stieg er in die Zucht ein. Auch von „Carthago Z“, der in Atlanta und Sydney bei Olympischen Spielen startete, die Bronzemedaille bei der EM gewann und 2000 Zweiter beim Großen Preis von Aachen wurde, wollte der Franke Nachkommen haben. Er kaufte 1997 im 350 Kilometer entfernten Gestüt Zangersheide in Belgien insgesamt 24 Röhrchen von Carthagos Sperma. Tierarzt Torsten K. aus Lüdge bei Detmold – in dieser Region wohnte Augustin damals – besamte insgesamt neunmal zwei Stuten aus Augustins Gestüt. Dabei seien 20 Röhrchen des kostbaren Carthago Z-Samens übriggeblieben, behauptet der Züchter. Er habe die Röhrchen dem Tierarzt zur Verwahrung übergeben. „Er sagte noch, die seien ewig haltbar. Ich müsste mir keine Sorgen machen“, schildert der Nürnberger. Letztes Jahr wollte er sie wiederhaben – doch sie waren weg. Tierarzt Torsten K. kann sich die Klage – 13 Jahre nach der Besamungsaktion – nicht erklären und gibt an, damals alle Röhrchen verbraucht zu haben. Augustins Rechtsanwalt behauptet hingegen, dass es einen Zeugen gebe, der die Röhrchen dem Tierarzt übergeben habe.

Der Holsteiner Carthago Z zählt nach wie vor zu den absoluten Top-Vererbern der deutschen Warmblutzucht. Inzwischen ist er unfruchtbar, was den Wert seines bei minus 200 Grad eingefrorenen Spermas noch weiter in die Höhe treibt. Bislang weigert sich der Tierarzt, den Prozess mit einem Vergleich zu beenden: „Es geht um meinem Reputation als Pferdeexperte. Es darf nicht der Hauch eines Verdachts bleiben, ich hätte Pferdesperma veruntreut. Meine Zukunft steht auf dem Spiel“, erklärt er. Augustin ist sich sicher, den Prozess zu gewinnen: „Wir haben Zeugen, und jüngst bekam ich ein Fax, in dem aufgezeichnet wurde, wieviel Samen wir bekommen haben.“ Am Montag wird die Verhandlung fortgesetzt.

 

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