Spalierobst Üppige Ernte daheim

An der Mauer ist das Obst vor Kälte geschützt. Foto: dpa

Egal, ob Apfel oder Birne: Spalierobst ist praktisch auch für kleine Gärten und Grundstücke. Entlang von Hauswand , Garage oder Holzschuppen brauchen die Gehölze nicht viel Platz

 

München - Selbst in kleinen Gärten können Hobbygärtner eine üppige Ernte einfahren. Spalierobst macht’s möglich: Entlang einer Wand des Hauses, der Garage oder eines Schuppens wachsen die Gehölze relativ flach nur in die Höhe und Breite. Sie brauchen also weniger Platz. Doch ihre Pflege ist aufwendiger als die frei stehender Obstbäume, denn der Gärtner muss sie in Form bringen und halten. „Die Triebe der Gehölze haben ihr Eigenleben und sind widerspenstig. Sie in eine andere Form zu zwingen – das geht nur mit viel Geschick und Arbeitseinsatz”, sagt Fachbuchautor Uwe Jakubik.
Apfel und Birne machen sich am besten als Spalierobst, so der Experte. „Steinobst wie Mirabelle oder Kirsche hingegen ist nur eingeschränkt geeignet.” Das liege vor allem daran, dass diese Pflanzen höhere Ansprüche an den Standort haben.
Wichtig für Hobbygärtner sei zudem, das sie langsam wachsende Gehölze wählen, rät Frank Wetzel von der Gartenakademie Baden-Württemberg. Idealerweise werden Pflanzen gesetzt, die ein Jahr alt sind. Sie lassen sich noch leicht formen, da ihre Ruten biegsam sind und sich ohne Schneiden in die gewünschte Richtung drücken lassen. Die Gehölze kommen in Böden, die ihren Ansprüchen genügen: Während der Apfel auch in schweren Böden gedeiht, braucht die Birne tiefgründige und gut durchlüftete humose Böden. Sie benötigt außerdem mehr Wärme, nimmt dafür aber Trockenheit nicht so übel.
Die Pflanzen sind geschützter, wenn sie an eine sonnige Haus- oder Garagenwand, am besten unter ein Vordach, kommen. „Als Spalierobst kommen dort eventuell auch Arten oder Sorten infrage, die man im freien Garten nicht anbauen kann”, sagt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde.
Gärtner lassen die Pflanzen meist an Holzlatten nach oben wachsen. „Draht oder Stahl eröffnen jedoch mehr Gestaltungsmöglichkeiten, sie sind zudem witterungsbeständiger und einfach zu verarbeiten”, so Wagner. Das Gerüst braucht eine gute Verankerung in der Wand. „Der Mindestabstand zwischen Gerüst und Mauerwerk sollte zehn bis 15 Zentimeter betragen”, empfiehlt der Gartenexperte. So bleibt die Mauer gut belüftet, und der Luftzug kann Feuchtigkeit an der Substanz abtransportieren. Das beugt auch Pilzbefall vor.
Wer Reparaturen oder eine Sanierung der Hauswand einplanen will, sollte einen größeren Abstand zwischen Pflanze und Wand einhalten. Jakubik rät zu rund 50 Zentimetern. Aber generell gilt: Je größer der Abstand ist, desto höher sind die Anforderungen an die Stabilität und Befestigung des Gerüstes.
Der Baum wird so daran gesetzt, dass er direkt vor einer Latte oder einem Pfosten steht. Gepflanzt wird Spalierobst wie ein frei stehender Obstbaum: Der Gärtner hebt ein ausreichend tiefes Pflanzloch aus. Es darf aber nur so tief sein, dass die Veredelungsstelle an der Pflanze später über dem Boden liegt. Ist der Baum im Loch und dieses verfüllt, wird die Erde festgetreten und gut gegossen. „Wenn mehrere Apfel- oder Birnbäume nebeneinandergesetzt werden, sollten sie untereinander einen Abstand von drei bis vier Metern haben”, empfiehlt Wetzel.
Aufwendig ist die Befestigung am Gerüst. Am meisten Arbeit macht die klassische Palmettenform: Die Triebe werden streng geometrisch abgewinkelt und so über die Ebenen des Gerüstes gelegt.
Freier lassen sich Fächerformen gestalten. Selbst die Fachleute raten aber: Anfänger sollten sich beraten lassen und sich am besten sogar Hilfe in Kursen holen. Dort erfahren sie, wie die Triebe ihrer Pflanze am besten an dem Gerüst geformt werden und wann wo die Schere zum Einsatz kommen muss.
Spalierobst kann auch frei im Garten stehen und dort an Gerüsten hochwachsen. „Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel der Weg zum Haus wunderschön gestalten”, so Jakubik. Oder man zieht die Bäume zum Beispiel über einen Drahtpavillon heran.

 

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