Soziale Gründer Münchner Start-up vermittelt Flüchtlinge in die Wirtschaft

Integrationsministerin Annette Widmann-Mauz (r.) besucht die Gründer Maximilian Felsner und Zarah Bruhn. Foto: Andreas Hantschke

Zwei Münchner Gründer wollen die Welt ein bisschen besser machen – mit ihrem Unternehmen helfen Sie Geflüchteten, eine Arbeit zu finden. 

 

München – Deutschland hat 2015 eine der größten Einwanderungswellen der Nachkriegszeit erlebt. Inzwischen leben 1,5 Millionen Schutzsuchende in der Bundesrepublik. Viele suchen Arbeit – eine Firma aus München hilft ihnen dabei.

Die meisten Neuankömmlinge sind jung und motiviert. Migrationsforscher sehen darin eine große Chance für den Arbeitsmarkt. Nur: "Wir sehen zwar den Willen der Wirtschaft, an der Integrationsarbeit teilzuhaben. Es fehlt allerdings oft an Know-How, sich mit den rechtlichen Anforderungen und dem Betreuungsaufwand auseinanderzusetzen", sagt Zarah Bruhn, Gründerin von Social Bee.

Das Konzept: Zeitarbeit für Geflüchtete

Vor drei Jahren gründete sie gemeinsam mit ihrem früheren Kommilitonen Maximilian Felsner das gemeinnützige Unternehmen, eine Zeitarbeitsfirma für Geflüchtete. Zwischenzeitlich hat Social Bee mehr als 180 Geflüchtete vermittelt. Mindestens ein Jahr dauert ein Arbeitseinsatz, den die Agentur mit Deutschkursen, individueller Beratung und fachlicher Weiterbildung begleitet.

"Das grundlegende Motto ist Hilfe zur Selbsthilfe", sagt Bruhn. Idealerweise würden die Mitarbeiter nach dem einjährigen Programm von den Partnerfirmen fest übernommen. In 97 Fällen sei das bisher geglückt. Social Bee kooperiert inzwischen bundesweit mit Dutzenden Unternehmen. Auch bayerische Firmen wie Dachser oder die Hofpfisterei haben schon Arbeitnehmer des Start-ups eingestellt.

Darunter eine 29-Jährige aus Nigeria, die in ihrer Heimat als Friseurin tätig war. Nach ihrer Ankunft in Deutschland hatte sie viele Bewerbungen geschrieben und nur Absagen erhalten. Heute arbeitet sie dank Social Bee bei einem Logistikunternehmen im Münchner Umland – "es war einfach", sagt sie.

Ein großes Hemmnis: bürokratische Hürden

Viele Unternehmen hätten Angst vor den bürokratischen Hürden, sagt Gründerin Bruhn. Die könne sie den Firmen aber nehmen. Bei Behördengängen unterstützen die Sozialunternehmer sowohl die Arbeitgeber als auch die Geflüchteten.

Sie helfen beim Ausfüllen von Anträgen, geben Tipps bei der Wohnungssuche oder planen Freizeitaktivitäten. Die Rückmeldungen von den Unternehmen seien positiv, sagt Bruhn. Viele Firmen hätten nach einem ersten, inzwischen weitere Geflüchtete angestellt.

Für die Betreuung nimmt Social Bee eine Vermittlungsgebühr. Außerdem verpflichten sich die Unternehmen, die Zeitarbeiter für mindestens neun bis zwölf Monate zu beschäftigen. Die Einnahmen aus der Arbeitnehmerüberlassung werden in das Integrationsprogramm reinvestiert.

Zu den zwei Gründern sind 22 hauptamtliche Mitarbeiter dazugestoßen. Nach einem zweiten Büro in Stuttgart wollen die Unternehmer das Non-Profit in andere deutsche Städte expandieren.

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