Soul aus München Ami Warning über ihr drittes Album „Momentan“

Ami Warning geht auf ihrem Album „Momentan“ neue Wege. Foto: Stef Zins

Die Münchner Musikerin Ami Warning singt auf ihrem dritten Album „Momentan“ erstmals auf Deutsch

 

Komm’ ich heut’ nicht, komm’ ich morgen: Diese entspannte Haltung schwingt in Ami Warnings neuer Single „Vielleicht lieber morgen“ mit, und auch der Groove vermittelt sommerliche Lässigkeit. Dabei hat die junge Münchnerin mit der charismatischen Stimme natürlich einiges vor: Auf ihrem gelungenen neuen Pop-Album „Momentan“ singt sie erstmals auf Deutsch, und am 1. Oktober stellt sie den neuen Sound auf der großen Bühne des Volkstheaters vor.

AZ: Ami Warning, wie ist Ihr neues Album „Momentan“ entstanden?
AMI WARNING: Dieses Mal gab es viele Zwischenschritte. Erst mal bin ich wieder zu meinem Papa ins Studio, wie bei den ersten beiden Alben. Dann wollte ich es noch mal anders probieren und habe mit dem Produzenten Sepalot gearbeitet. Im dritten Schritt habe ich dann zwölf Songs live mit der Band aufgenommen. Diese habe ich zu den Produzenten Simon Frontzek und Rudi Maier nach Berlin mitgenommen, und sie haben es vollendet. Sie haben Teile der Live-Aufnahmen behalten, aber auch viel ergänzt, haben viele Keyboards hinzugefügt, die ganzen Sounds neu gemacht und allem ein ganz neues Gewand gegeben.

Wie unterscheidet sich dieses Sound-Gewand von den früheren Alben?
Es gibt diesmal viel mehr Keyboards und der HipHop-Einfluss ist stärker geworden. Das hat sich natürlich ergeben: Ich habe den Groove auf der Gitarre komponiert, und die Jungs haben das gut erkannt.

Sie singen erstmals auf Deutsch. Wieso?
Es hatte sich auch durch meinen Vater ergeben, dass ich früher auf Englisch gesungen habe. Ich habe ja auch ein paar seiner Songs gesungen. Und ich dachte lange, dass Englisch internationaler klingt. Aber jetzt habe ich viele deutsche Songs gesammelt und wollte sie rausbringen.

Somit verstehen nun alle Zuhörer, wovon Sie singen. Wie ist das für Sie?
Ich finde es gut, denn ich will ja meine Geschichten erzählen. Andererseits kann es auch schön sein, wenn man einfach Melodien singt und auf dem Text nicht diese Gewichtigkeit liegt. Es ist neu, dass man jedes Wort überdenken muss, weil es jeder versteht.

In jedem Fall lassen sich deutsche Songs besser vermarkten.
Ja, der Chef meiner Plattenfirma hat von Anfang an gesagt: Wenn man auf Englisch singt, tritt man gegen die ganze Welt an. Aber im Moment gibt es so viel deutschsprachige Musik – da hätte ich fast schon wieder Lust auf Englisch.

Haben Sie die Texte allein geschrieben?
Ich habe diesmal versucht, mit einem Texter zusammenzuarbeiten. Das war dessen Idee. Wir und ein Produzent haben zwei Tage lang Brainstorming-Sessions gemacht. Aber das hat mir nicht gefallen. Wenn die Ideen von drei Leuten zusammengeklebt werden, ist es ein anderes Gefühl, als wenn man zuhause sitzt und seine Gefühle in seinen eigenen Worten aufschreibt.

Sie haben die Songs also allein geschrieben. In „Gegenwind“ singen Sie davon, wie andere Leute Ihnen ständig Ratschläge erteilen. Eine Zeile lautet „Du sagst, ich bin zu ruhig“. Wird Ihnen das vorgeworfen?
Ich war lange sehr schüchtern, vor allem, wenn ich Leute nicht kannte. Auch in meiner Schulzeit habe ich nicht viel gesagt. Aber es nervt mich, wenn Leute Zurückhaltung oder Schüchternheit für etwas Schlechtes halten – ich finde das gar nicht schlecht.

Ihre erste Single „Vielleicht lieber morgen“ ist eine Hymne auf die Entspanntheit. Sie singen zum Beispiel „Weiter, weiter, weiter, ja, es muss, muss, muss – warum eigentlich? Für heut’ ist Schluss, Schluss, Schluss!“ Das Video vermittelt auch dieses Gefühl. Wo ist es entstanden?
Auf Aruba in der Karibik, wo mein Vater herkommt. Da bin ich fast jedes Jahr, mein Onkel wohnt dort, und wir haben ein kleines Appartement. Und zu der Message des Liedes passt das Entspannte der Karibik ja ganz gut.

Mit Ihrem Vater Wally Warning arbeiten Sie weiterhin zusammen, Sie haben neben Ihrer Solokarriere auch ein gemeinsames Duo. Wie ist das, als junge Frau mit dem Vater zusammenzuarbeiten?
Das ist meistens cool. Wir haben auch mal unterschiedliche Auffassungen und streiten manchmal, aber er macht nie Druck. Deshalb habe ich immer wieder Lust, mit ihm zu arbeiten. Er lässt mir viel Freiraum, und ich lerne immer noch viel von ihm, vor allem was Groove angeht.

Viele junge Musiker wissen nicht, worauf sie sich bei einem Künstlerleben einlassen. Bei Ihnen als Musiker-Tochter ist das anders, oder?
Ganz lange war ich bei meinem Vater einfach nur dabei und habe es genossen, ohne so tief hineinzublicken in die ganzen Schwierigkeiten, die es bei Musikern natürlich auch gibt. Aber er hat mir dann in vieles einen Einblick gegeben, und das hilft mir.

Doch in der Musikbranche entwickelt sich auch immer viel, und mein Vater hat vieles ganz anders erlebt als ich jetzt.Hat er Ihnen geraten, Musikerin zu werden, oder davor gewarnt?
Er ist ganz happy, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe. Er wollte immer gern, dass eines seiner Kinder Musik macht, dass man zusammen spielen und er etwas weitergeben kann.

Ami: „Momentan“ erscheint heute bei Blanko Musik. Am 1. Oktober spielt sie im Volkstheater, Karten unter Telefon 52 34 65

 

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