Sorgen mit dem Älterwerden Armut, Gesundheit, Kontakte: Die Angst vor dem Alter

Daniel von Loeper
Sogar viele Gutverdiener sind pessimistisch, wenn sie an die finanzielle Lage im Ruhestand denken. Foto: imago

Viele Deutsche sind kaum optimistisch, wenn sie ans Älterwerden denken. Sie fürchten akute Geldprobleme, wenn sie in Rente sind. Was den Menschen noch Sorgen bereitet.

 

München - Wie blicken die Rentnerinnen und Rentner von morgen auf ihre Zukunft im Alter? Was macht den Deutschen Angst, worauf hoffen sie im Ruhestand im Jahr 2040? Diese Fragen hat das Sinus-Institut im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft 1000 Personen zwischen 40 und 55 Jahren gestellt.

Älterwerden

Fast die Hälfte der Befragten hat davor Angst (44 Prozent), die anderen 56 Prozent schauen eher gelassen in die Zukunft. 26 Prozent erwarten insgesamt große Probleme im Alter.

Der Blick voraus polarisiert die Gesellschaft: Fast die Hälfte der künftigen Rentner ist in mindestens zwei der Lebensbereiche Gesundheit, Finanzen und soziale Kontakte entweder sehr optimistisch (18 Prozent) oder sehr pessimistisch (26 Prozent). Als "besorgniserregend" wertet dies Silke Borgstedt, Direktorin für Sozialforschung am Sinus-Institut.

Gesundheit

Hier sehen die Befragten die größten Defizite. Neun von zehn Deutschen fürchten sich davor, dass sie gesundheitlich abbauen. 38 Prozent meinen, ihr körperlicher Zustand werde im Alter schlecht sein. Dass sie sich in der Rente einer guten Gesundheit erfreuen dürfen, glauben nur 14 Prozent.

"Die Menschen, die heute wenig körperlich aktiv sind, machen sich mehr Sorgen um ihre Gesundheit von morgen", sagt Borgstedt.

Soziale Kontakte

Sicherheit gibt vielen aber ihr soziales Netz: Jeder Dritte geht davon aus, auch im Alter gute Kontakte zu Freunden und zur Familie zu haben. Wer sich aber heute nicht um Freunde und Familie kümmert, sieht sich im Alter einsam.

Altersarmut

Mehr als ein Drittel der Befragten hat Angst, im Ruhestand finanziell nicht über die Runden zu kommen. "Darunter sind auch Menschen mit durchschnittlichem oder überdurchschnittlichen Einkommen", erklärt Borgstedt. Unter den Topverdienern mit einem aktuellen Monats-Bruttogehalt von 5000 Euro und mehr ist jeder Zehnte beim Gedanken an die finanzielle Lage im Alter pessimistisch.

"Wer nicht spart oder sparen kann, der fürchtet um seine finanzielle Sicherheit in der Rente", sagt die Sozialforscherin. 21 Prozent planen ihren Ruhestand bereits aktiv oder bereiten sich zumindest darauf vor. Bei jeweils rund zwei von fünf trifft das eher oder überhaupt nicht zu. Immerhin: Jeder Vierte in der Altersgruppe zwischen 40 und 55 Jahren schätzt seine finanzielle Lage im Alter als gut oder sehr gut ein.

Vorbeugen

Trotz Alters-Angst schaffen es viele nicht, den aktuellen Zustand zu verändern – sei es, weil Ressourcen fehlen, sie wichtige Entscheidungen aufschieben oder das eigene Verhalten nicht ändern können. Viele Menschen räumen auch Versäumnisse bei der Vorbereitung aufs Alter ein.

Dabei gibt es Mittel und Wege, das Aufschieben zu überwinden – und den "inneren Schweinehund" auszutricksen, wie es Margarita Engberding, Psychologin an der Uni Münster, sagt. "Vor allem feste Verpflichtungen und konkrete Ziele sind wichtig", sagt Engberding.

Dabei helfe es, wenn man nicht alleine ist. "Auch die soziale Kontrolle einer Gruppe hilft und motiviert, die Vorsätze umzusetzen." Aber nicht nur jeder Einzelne, auch die Gemeinschaft könne etwas tun, um die Vorbereitung auf das Alter zu erleichtern. "Entscheidend ist oft ein niedrigschwelliger Zugang", sagt Engberding. Das gelte für den Sportverein genauso wie für soziale Treffpunkte oder die Altersvorsorge.


Viele Menschen machen sich Sorgen um ihre finanzielle Situation im Alter. (Grafik: GDV)

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Angestellte Annika Lock (46): "Ein bisserl bange wird mir bei der Vorstellung, dass vielleicht mal eine Einheitsrente eingeführt wird. Das wäre dann wirklich nicht so lustig. Eigentlich bin ich jedoch entspannt, schließlich habe ich einen Beamten geheiratet. Wir sind gut aufgestellt. Solange nicht doch was Außerplanmäßiges passiert, geht es uns gut später in Bezug auf die Rente."

Gastronom Wolfgang Zeilnhofer (55): "Ich weiß noch nicht, wann ich in Rente gehe – aber ich habe keine Angst. Allerdings macht mir etwas Sorge, dass es irgendwann gesundheitlich nicht mehr so gut laufen könnte. Ich hoffe, dass ich fit bleibe. Die Grundlagen sind gesichert. Ich denke aber trotzdem, dass ich noch lange zuarbeiten muss in der Rente. Vielleicht tue ich aber auch einfach nichts."

Amtfrau beim Notariat, Claudia Schmidt (44): "Ich habe keine Angst vor der Rente, aber habe ich nicht wirklich den Überblick, wie man am besten vorsorgt. Fonds sind mir zu unsicher. Außerdem sehe ich die Situation im Gesundheitswesen momentan kritisch. Ich gehöre dennoch nicht zu denen, die sich viel Sorgen machen. Ich glaube, gut abgesichert zu sein."

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