Sommermärchen 2006 Anklage gegen Zwanziger und Niersbach in WM-Affäre

, aktualisiert am 23.05.2018 - 16:43 Uhr
Der Schatten der WM-Affäre liegt über ihnen: die Ex-Präsidenten des DFB, Theo Zwanziger (l.) und Wolfgang Niersbach. Foto: dpa

Die Vorwürfe gegen die früheren DFB-Funktionäre Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt sind in der WM-Affäre massiv. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anklage erhoben.

 

Frankfurt/Main -  Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat im Zuge der Affäre um die Fußball-WM 2006 Anklage gegen Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt wegen Steuerhinterziehung erhoben. Das bestätigten die früheren DFB-Funktionäre am Mittwoch. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet. Demnach hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt am 15. Mai Anklage gegen die beiden Ex-Bosse des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger,  sowie gegen den früheren DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und den Ex-Generalsekretär des Weltverbandes FIFA, Urs Linsi, erhoben. Der Vorwurf: Verdacht der schweren Steuerhinterziehung. Und: Insbesondere Niersbach soll zahlreiche Dateien und Dokumente zu diesem Skandal vernichtet haben.

"Offenbar sind im Sommer und Herbst 2015 rund um die Sommermärchen-Enthüllungen in größerem Umfang belastende Computerdateien, Dokumente, Archivunterlagen und Mails gezielt gelöscht, zerstört oder entwendet worden", hatte die "FAZ" vor wenigen Tagen geschieiben. Der 67-Jährige weist das gegenüber der Zeitung und auch der Deutschen Presse-Agentur zurück. "Die gegen mich erhobenen Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage. Dies gilt sowohl für den Vorwurf der Steuerhinterziehung als auch für die Behauptung, ich hätte angebliche Beweismittel vernichtet", sagte Niersbach.

WM-Affäre: Das Rätsel um 6,7 Millionen Euro

Im Zentrum der gesamten WM-Affäre wie auch ihrer steuerrechtlichen Aufarbeitung stehen zwei Zahlungen von je 6,7 Millionen Euro. Der WM-Organisations-Chef Franz Beckenbauer erhielt 2002 ein Darlehen von dem früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus und leitete das Geld auf ein Konto in Katar weiter, das zum Firmengeflecht des damaligen FIFA-Funktionärs Mohamed Bin Hammam gehörte. 2005 zahlte dann nicht Beckenbauer die 6,7 Millionen an Louis-Dreyfus zurück, sondern der DFB. Der Verband überwies das Geld an die FIFA und die leitete es an den 2009 verstorbenen Franzosen weiter. Deklariert wurde das in der Steuererklärung als Beitrag zu einer WM-Gala, die nie stattfand.

Die Ermittler werfen Niersbach, Schmidt und Zwanziger als Verantwortlichen für diese Steuererklärung vor, den wahren Hintergrund der Zahlung bewusst verschleiert und tatsächlich ein Privatdarlehen von Louis-Dreyfus an Beckenbauer getilgt zu haben. Der DFB hätte die 6,7 Millionen niemals als Betriebsausgabe bewerten und steuerlich absetzen dürfen. Aus diesem Grund musste der Verband bereits 19,2 Millionen Euro an Steuern nachzahlen, weil das Finanzamt 2017 einen geänderten Steuerbescheid für das WM-Jahr 2006 erließ.

 

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