Solidarität mit LGBTI München: Der queere Koalitionsvertrag der Stadtregierung

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Fußgänger gehen am Holzplatz zur Prideweek über einen Regenbogen statt einen Zebrastreifen. Foto: Sigi Müller

Bildungsarbeit, ein queeres Museum und die Gay Games nach München holen: Das will die grün-rote Stadtregierung für LGBTI* tun.

 

München - Dass unsere Stadt tolerant und solidarisch mit LGBTI (Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans und inter* Menschen) ist, hat das grün-rote Rathaus-Bündnis im Koalitionsvertrag festgehalten. Und wer ins Glockenbachviertel schaut, der sieht, dass schon ein erster Punkt daraus umgesetzt wurde: Zebrastreifen in Regenbogenfarben leuchten zur Pride Week.

Zudem will sich die Stadt um die Gay Games 2026 bewerben, die größte queere Sport- und Kulturveranstaltung der Welt und konkurriert mit 15 Städten von Auckland/Neuseeland bis Gudalajara/Mexiko. Doch nicht nur solche Leuchtturmprojekte will die Koalition vorantreiben. Ein wichtiges Themenfeld ist die Bildung. "Die Schulklimabefragung hat ergeben, dass Homo- und Transphobie ein verstärktes Problem an Schulen sind und dass es da Handlungsbedarf gibt", sagt Grünen-Chef Dominik Krause.

Livestream zum Christopher Street Day aus lesbisch-queerem Zentrum

In den Lehrplan kann die Stadt nicht eingreifen, wohl aber Projekttage unterstützen und Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner an den Schulen benennen. "Zudem sollen das Aufklärungsprojekt München und Diversity at School mit einer hauptamtlichen Koordinierungsstelle unterstützt werden, so dass sie öfter an Schulen gehen können", sagt Krause. Auch im Referat für Bildung und Sport soll eine Stelle geschaffen werden, die queere Arbeit koordiniert. Zudem soll es verstärkt Angebote für queere Ältere geben, dazu werden besonders mit der städtischen Münchenstift Angebote erarbeitet.

"Die Stadt hat bereits ein breites Angebot für LGBTI", sagt Krause, "aber das wollen wir verstärken und ausbauen." So ist im Koalitionsvertrag auch die Idee eines queeren Museums festgehalten. "Mir geht es darum, weg von der Verfolgung und Diskriminierung zu kommen und auch aufzuzeigen, wie viel homosexuelle Menschen für die Stadt und ihre Emanzipation getan haben", sagt Thomas Niederbühl (Rosa Liste). Der große Livestream zum Christopher Street Day wird diesen Samstag aus dem lesbisch-queeren Zentrum (LeZ) in der Müllerstraße aufgezeichnet, das heuer eröffnet. "Die bestehenden Zentren werden perspektivisch durch ein TransInter*Zentrum ergänzt", steht im Koalitionsvertrag. Niederbühl träumt langfristig von einem queeren Kulturhaus mit dem Museum, aber auch mit Räumen für Vereine.

Im Koalitionsvertrag steht ein Satz, der sich an die Staatsregierung richtet: "Wegen der zunehmenden Gefährdung von LGBTI*-Menschen fordern wir homophobe und transphobe Straftaten statistisch zu erfassen." Eigentlich Aufgabe der Polizei, doch: "Die Polizei führt keine vernünftige Statistik über homo- und transphobe Straftaten", sagt Krause. Deshalb gebe es die Überlegung, die Statistik des Kulturzentrums Sub auf Verwaltungsebene zu heben – oder die Polizei hat doch noch ein Einsehen. "Die Diskussion führen wir auch schon seit vier Jahren", sagt Krause.

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